Aufrecht in den Bau

Atomkraftgegnerin soll wegen fünf Euro Bußgeld in Erzwingungshaft. Die Antrittsfrist hat sie jetzt verstreichen lassen

Weil sie vor zwei Jahren auf den Schienen gegen Castortransporte demonstrierte, soll Cécile Lecomte fünf Euro Bußgeld zahlen. Weil sie das verweigerte, soll die aus Frankreich stammende und in Lüneburg lebende Atomkraftgegnerin nun für einen Tag in Erzwingungshaft. Den Haftantrittstermin ließ die 26-Jährige verstreichen. Stattdessen legte Lecomte Verfassungsbeschwerde wegen „Unverhältnismäßigkeit“ der Erzwingungshaft ein.

Sie werde die vom Amtsgericht Hannover verhängte Haft nicht freiwillig antreten, schrieb die Umweltschützerin an Staatsanwaltschaft und Gericht. „Nicht bezahlen, nicht freiwillig kommen, das ist mein Weg, meine Handlung politisch zu verteidigen“, heißt es in dem Brief, mit dessen Inhalt sich rund 30 Initiativen und an die 100 Einzelpersonen solidarisch erklärten.

Die Frist für den Antritt der Erzwingungshaft ist gestern abgelaufen. Ob und wann die Französin nun abgeholt und ins Gefängnis gebracht wird, bleibt unklar. Die Amtsrichterin aus Hannover, die die Erzwingungshaft angeordnet hat, war wegen längerer Abwesenheit für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Flüchten werde sie zwar nicht, wenn die Polizei tatsächlich komme, erklärt Lecomte. Ohne Widerstand und Widerworte gehe sie aber nicht in den Knast: „Sie können mich verhaften lassen, meine Gedanken bleiben aber frei. Aus diesem Grund ist Erzwingungshaft zwecklos.“

Lecomte, die bekannt ist für gewagte Anti-Atom-Kletteraktionen, hat Betriebswirtschaft studiert und ist ausgebildete Französisch-Lehrerin. Nachdem sie zwei Jahre in Lüneburg unterrichtete, habe es wegen ihres politischen Engagements in der Anti-Atom- und Umweltbewegung Druck von den Behörden gegeben, erzählt sie. Sie habe sich deshalb „für die politische Arbeit entschieden“ und wolle zukünftig davon leben. „Ich schreibe, übersetze, dolmetsche bei Konferenzen, halte Vorträge über Gentechnik oder Atomkraft“. Derzeit absolviert Lecomte ein freiwilliges ökologisches Jahr. Besonders am Herzen liegt ihr die internationale Vernetzung von Anti-Atom- und Anti-Gentechnik-Initiativen.