BSE-Panik in Südkorea

Andauernde Proteste gegen Rindfleischimporte aus den USA. Gesamte Regierung in Seoul bietet Rücktritt an

SEOUL | dpa ■ | Massenproteste gegen den Import von US-Fleisch haben in Südkorea eine Regierungskrise ausgelöst. Das Kabinett um Premierminister Han Seung Soo bot am Dienstag geschlossen seinen Rücktritt an. „Wir sind verantwortlich für die Krise, die die Angelegenheit der US-Rindfleischimporte verursacht hat“, sagte Han in Seoul. „Unser Rücktritt soll dem Präsidenten helfen, die Lage so schnell wie möglich wieder unter Kontrolle zu bringen.“

Die Südkoreaner protestieren seit Wochen aus Angst vor BSE-infiziertem Fleisch aus den USA gegen die Wiederaufnahme der Importe, die der konservative Präsident Lee Myung Bak im April beschlossen hatte. Den Einfuhrstopp hatten Südkorea und 30 andere Länder Ende 2003 verhängt, nachdem BSE bei einem Rind im Bundesstaat Washington nachgewiesen worden war. Die Aufhebung des Importstopps ist eine Voraussetzung für ein Freihandelsabkommen mit den USA, das Südkoreas schwächelnder Wirtschaft helfen soll. Gegner kritisieren, dass dadurch Rindfleisch von Tieren auf den Markt gelangt, die bei der Schlachtung älter als 30 Monate waren. Bei solchem Fleisch gilt das BSE-Risiko als höher. Panik schürten auch Gerüchte, Koreaner hätten genetisch ein höheres Risiko, sich durch den Verzehr von BSE-verseuchtem Fleisch mit der tödlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit anzustecken.