Bremer Kinderschutz

Auch reiche Eltern schlagen Kinder

Gegen das neue Beratungsangebot des Bremer Gesundheitsamtes lässt sich wenig einwenden. Anders als die verpflichtenden Arztbesuche ist es tatsächlich mehr Hilfe als Kontrollinstrument.

KOMMENTAR VON EIKEN BRUHN

Niemand muss sein Kind irgendwohin schleppen, wo es durchgecheckt wird. Dort nämlich würde, wie üblich bei Arztbesuchen, nicht nach Anzeichen für eine positive Entwicklung gesucht, sondern für eine negative – wie diese „behoben“ werden könnte, steht auf einem anderen Blatt.

Bei der aufsuchende Arbeit hingegen bemühen sich die Helfer zu den Familien, können individuell reagieren, statt nach Standard-Formular. Und vor allem: sofort Hilfe anbieten, Vorschläge machen, Erfahrungen weiter geben. Ein solcher Ansatz berücksichtigt die Erkenntnis, dass es verdammt viele Familien gibt, in denen es nicht zugeht wie in der IKEA-Werbung – und dass unsere Gesellschaft damit leben muss, wenn sie nichts an den Grundbedingungen ändert.

Aber: Armut führt nicht zwangsläufig dazu, dass Menschen ihre Kinder misshandeln und vernachlässigen. Umgekehrt ist Wohlstand kein Garant dafür, dass es Kindern gut geht. Das Bremer Projekt „Tipp Tapp“ konzentriert sich zwar aus finanziellen Gründen auf benachteiligte Stadtteile – aber es stigmatisiert auch. Wie fänden Sie es, wenn Sie Besuch von den Kinderkrankenschwestern bekämen?