Startschuss für neues Museum: Der Kalte Krieg ist wieder da
Die Infobox am Checkpoint Charlie steht. Ab Frühjahr wird sie Touristen und Berliner auf das an dieser Stelle geplante Museum des Kalten Krieges einstimmen.
Mit einer Infobox als PR-Maschine für Bauprojekte ist man in Berlin scheinbar auf der sicheren Seite. Als Platzhalter des geplanten "Museums des Kalten Krieges", das 2014/2015 am Checkpoint Charlie eröffnen soll, entsteht im Auftrag des Landes Berlin am ehemaligen Grenzübergang derzeit eine weitere der beliebten großen Schachteln.
Der neue, ganz in Schwarz gehaltene Pavillon hinter der Fotogalerie an der Friedrichstraße "wird jetzt fertiggestellt und Mitte Januar 2012 der Öffentlichkeit präsentiert werden", sagte Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung, der taz. Danach könne mit der Ausstattung begonnen werden. Die "Blackbox" habe die Aufgabe, über das Thema Kalter Krieg zu informieren und sei als Impulsgeber für das zukünftige Museum gedacht.
Den 200 Quadratmeter großen, quadratischen Flachbau des Potsdamer Architekten Jan Fiebelkorn finanzierte Berlin mit rund 100.000 Euro. Auf dem Grundstück Friedrich-, Ecke Zimmerstaße ist der Büroblock einer irischen Projektentwickler-Gruppe vorgesehen. Das Museum des Kalten Krieges soll auf 3.000 Quadratmeter Fläche mit in das Projekt einziehen.
Monica Geyler von Bernus, die Betreiberin der Box, hofft, die Ausstellung im Pavillon noch im Frühjahr eröffnen zu können. Das Konzept der schwarzen Infobox von Jürgen Reiche bestehe vor allem aus einer "multimedialen Erweiterung" der Bildergalerie am Checkpoint. Die Galerie war ebenfalls von Monica Geyler von Bernus 2006 für das Land Berlin entwickelt worden. Seither sahen mehr als 2,5 Millionen Besucher die Open-Air-Fotoausstellung.
Zu wenig Unterstützung
Trotz des großen Mauerrummels am Checkpoint Charlie plus Box ist das geplante Museum kein Selbstläufer. Denn wesentliche Fragen sind offen: Zwar bekräftigte Kulturstaatssekretär André Schmitz (SPD) die wichtige Rolle des Museums für den neuen rot-schwarzen Senat. Weil aber nur ein Förderverein und einige Initiatoren - darunter der letzte DDR-Außenminister Markus Meckel (SPD) - das Museumsprojekt mit dem Land Berlin voranbringen, fordert er noch mehr Unterstützung. "Für die Einrichtung des späteren Kalten-Kriegs-Museums kann das Land sechs Millionen Euro zur Erstausstattung investieren", erklärte sein Sprecher Wöhlert. Der Betrieb des Hauses müsse sich dann "von selbst rechnen". Eine Übernahme durch das Land sei nicht beabsichtigt; es müssten andere Finanzierungsmodelle aufgetan werden.
Auch wann das neue Museum gebaut werden kann, ist noch nicht ganz geklärt. Nach Auskunft von Rainer Klemke, zuständiger Referatsleiter in der Kulturverwaltung, habe der irische Investor zwar den Schuldenberg der 2003 pleitegegangenen Checkpoint Charlie KG von deren Konkursverwalter BAG übernommen. Die notariellen Unterschriften über den Ankauf der Grundstücke stünden aber noch aus. Gesichert hingegen sei, dass der Investor in dem Neubaukomplex 3.000 Quadratmeter Fläche für das Museum baut und dann die Räume an das Land Berlin untervermietet.
Während Kritiker den Museumsstandort in einem Investorenkomplex, gegenüber Fastfood-Ketten und dem rummeligen Mauermuseum infrage stellen, bleibt Schmitz bei dem Konzept und der Hoffnung auf eine Realisierung bis 2014. Es sei wichtig, "an diesem weltweit bekannten, geschichtsträchtigen Ort die internationalen Aspekte der deutschen Teilung zu beleuchten", betonte er.
Man werde sich zudem klar vom Mauermuseum "Haus am Checkpoint Charlie", geleitet von Alexandra Hildebrandt, abgrenzen, ergänzte Wöhlert. Das Mauermuseum zeige auf seine Art die "Fluchtgeschichten"; das neue Museum dagegen die Geschichte des Kalten Krieges, betonte er.
Das Projekt Museum des Kalten Krieges ist Bestandteil des Gesamtkonzepts "Berliner Mauer", zu dem vornehmlich die Gedenkmeile an der Bernauer Straße zählt. Diese wurde im vergangenen Jahr von 650.000 Menschen besucht.
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