Zögerliches Gedenken

Der für Bremen schon aus dem Fahrplan gestrichene „Zug der Erinnerung“ hält heute für einen Tag am Hauptbahnhof

Der „Zug der Erinnerung“, der an die in der Nazi-Zeit deportierten jüdischen Kinder erinnert, hält auf seiner Reise durch Deutschland heute für einen Tag am Bremer Hauptbahnhof. Zu verdanken ist dies Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) – ursprünglich hatten die Initiatoren des Projekts den Halt in Bremen aufgrund mangelnden Interesses bereits abgesagt.

Von den 83 angeschriebenen Abgeordneten der Bremischen Bürgerschaft habe nur ein einziger geantwortet, sagt Hans-Rüdiger Minow vom Verein „Zug der Erinnerung“: Hermann Kuhn (Grüne), zugleich Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Bremen. Von den fünf Parlamentsfraktionen kam keine offizielle Reaktion. Und auch in der Verwaltung, sagt Minow, habe es zunächst „erhebliche Schwierigkeiten“ gegeben – bis Böhrnsen das Gedenken schließlich zur Chefsache machte und den Zug der Erinnerung persönlich für willkommen erklärte. Böhrnsen wird mittags eine Ansprache halten, der Senat zahlt eine Unkostenbeteiligung von 2.000 Euro.

Ursprünglich sollte der Zug mehrere Tage in Bremen stehen, nun aber fährt er am Dienstag weiter über Nordenham, Cuxhaven und Rotenburg an der Wümme. In diesen Städten, so Minow, sei die Zusammenarbeit von Anbeginn „sehr viel produktiver“ und auch das Engagement „viel größer“ gewesen als in Bremen.

Wenigstens hat in Bremen die Bahn keine Widerstände angemeldet. Am Hamburg Bahnhof war das anders: Dort hatte die Bahn AG dem Gedenkzug mit Hinweis auf die dortige Verkehrsdichte – die zweithöchste in Deutschland – zunächst abgesagt. Nach massiven Protesten durfte er am Ostermontag doch noch einfahren.

In dem Zug hängen Tafeln, die mit Fotos und Biographien deportierter Kinder aus den Städten entlang der Fahrstrecke gefüllt werden. Aus Bremen werden dem Zug Dokumenten über deportierte Kinder aus Bremen sowie das „Erinnerungsbuch für die als Juden verfolgten Einwohner Bremens“ auf seine Fahrt in die Gedenkstätte Auschwitz mitgegeben.