kurzkritik: poetry-slam

Filetstückchen beim ersten Tower-Slam

Poetry-Slammer sind entweder völlig belanglos, leidlich unterhaltsam – oder begeisternd. Alle drei Kategorien sind erfahrungsgemäß bei den Dichterwettstreits vertreten. So auch am Donnerstag bei der Premiere des „Slammer-Filet“ im Tower.

Der übliche Bodensatz mäßig begabter Verseschmiede langweilte das Publikum mit abgegriffenen Metaphern von Gedärmen, Gullymonstern und Selbstfindung.

Die guten Kneipendichter brachten hingegen echte Filetstücke. Debütantin Yvonne erzählte mit Bravour die Stadtteil-Liebesgeschichte vom Prinzen Fin und seiner Elena. Paul teilte dem Publikum unmissverständlich inbrünstig mit, was er will: so ziemlich alles vom Schinkenbrot bis zum Weltfrieden. Und die Slam-Omi Marlene überzeugte mit Rollenlyrik: „Ich bin schon wieder arbeitslos, was ist das für ein Arbeitslos.“

Doch verdienter Sieger und damit erster „Käpt‘n Slam“ wurde Profi Andy. Auf den ersten Blick ein verpeilter Kiffer überraschte er mit Scharfsinn und schneller Zunge. Er dichtete sich mit Texten über Weißbrotkauf und seine Küchenuhr zum Sieg. In der Zugabe packte er dann das, wie er es nannte, „härtere, politische Zeug“ aus. Als Abschluss eines gelungenen literarischen Wettkampfs gab es von ihm einen Text für Redefreiheit.

Ob das „Slammer-Filet“ dieses Niveau halten kann, ist ab jetzt jeden vierten Donnerstag im Monat im Tower zu erleben. IB