Jörg Lühmann, Ex-Grünen-Abgeordneter

Dem Wahlrecht zum Opfer gefallen

JÖRG LÜHMANN, 45, verliert sein Mandat, weil sich bei der GAL fast nur WahlkreiskandidatInnen durchsetzten. FOTO: DPA

Der bisherige GAL-Abgeordnete in der Hamburgischen Bürgerschaft Jörg Lühmann hat eine Zitterpartie hinter sich. Glaubte der Grüne am Wahlabend, sein Mandat in den Wind schreiben zu müssen, erfuhr er drei Tage später mit dem vorläufigen Endergebnis, dass er doch in das Landesparlament einziehen könnte. Seit gestern steht mit dem amtlichen Endergebnis fest: der Verkehrsexperte bleibt doch draußen. „Das war das Rösten auf kleiner Flamme“, sagt der 45-Jährige. „Jetzt bin ich durch.“

Lühmann wurde Opfer eines neuen Wahlrechts und eines knappen Ergebnisses. Elf grüne KandidatInnen wurden erstmals in Wahlkreisen direkt gewählt – da blieb für Leute auf der Landesliste kaum eine Chance. Wenige Dutzend Stimmen entschieden beim Nachzählen, dass die GAL nur einen statt zwei weitere Abgeordnete in das Parlament entsenden darf. Der Landeslistenplatz fünf erhält ein Mandat. Lühmann steht auf Platz sechs.

Auch darauf, dass im Falle einer schwarz-grünen Koalition in den Senat wechselnde Abgeordnete ihre Plätze freimachen würden, kann Lühmann nicht hoffen. Denn für Wahlkreisabgeordnete rücken Wahlkreiskandidaten nach. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass unsere Landesliste nur für eine Person reicht“, sagt Lühmann. Nach den vier Jahren Oppositionsarbeit und einem, wie er findet, „engagierten“ Wahlkampf hätte er ein besseres Wahlergebnis für die GAL erwartet.

Der lange, schlanke Lühmann engagiert sich seit 1988 bei der GAL. In den vergangenen vier Jahren hat er sehr sachlich das Feld Verkehrspolitik beackert. Unter seiner Ägide entwickelte die Fraktion das Programm „Entspannt mobil“. Neben den üblichen Instrumenten findet sich darin das Konzept „Shared Space“, nach dem der Verkehrsraum von Autofahrern, Bussen, Radlern und Fußgängern gleichberechtigt und ohne regelnde Schilder genutzt werden soll.

Statt das umzusetzen, wird sich Lühmann jetzt seinem Beruf widmen, den er trotz aller politischen Leidenschaft in Teilzeit ausgeübt hat. „Als Architekt mache ich nur Verkehrserzeugung durch Zersiedelung“, bedauert er. Lühmann baut Wohnhäuser. KNÖ