Tochter und Sozialistin

Sie ist die Tochter, nicht die Schriftstellerin. Isabel Allende ist seit Sonntag die neue Vorsitzende der Sozialistischen Partei in Chile. Nach einigen erfolglosen Anläufen hatte sich die heute 70-jährige Tochter des früheren Präsidenten Salvador Allende in der parteiinternen Wahl durchgesetzt. Damit steht erstmals seit 82 Jahren eine Frau an der Parteispitze. Und das ist die eigentliche Überraschung.

Denn während ihre sozialistische Parteikollegin Michelle Bachelet bereits zum zweiten Mal das Präsidentenamt bekleidet und Isabel Allende ihr bei der zweiten Amtseinführung als erste Senatspräsidentin Chiles den Amtseid abnahm, dominierten in der Sozialistischen Partei stets die Männer. Kein Wunder also, das Allende ihre Wahl als „historischen Meilenstein“ in der Parteigeschichte bezeichnete.

Dass es für die höchsten Ämter mitunter mehrerer Anläufe bedarf, hat Tochter Isabel von ihren Vater gelernt. Vier Mal kandidierte Salvador Allende bei Präsidentschaftswahlen. Seine drei Töchter Carmen Paz, Beatriz und Nesthäkchen Isabel hatten ihn auf seinen Wahlkampfreisen oft begleitet. 1970 wurde der Vater schließlich als Kandidat des linken Parteienbündnisse Unidad Popular in das höchste Staatsamt gewählt. Am 11. September 1973 setzte das Militär unter dem Oberbefehl von Augusto Pinochet seiner Regierung ein gewaltsames Ende.

Isabel war damals 28 Jahre alt und arbeitete in der Kongressbibliothek. Zusammen mit Schwester Beatriz suchte sie an diesem Morgen ihren Vater im Präsidentenpalast La Moneda auf und erlebte seine Entscheidung, in der Moneda zu bleiben, auch als die Militärs stürmten.

Die beiden Schwestern konnten entkommen. Zusammen mit ihrer Mutter flüchtete Isabel wenige Tage später nach Mexiko, Schwester Beatriz ins Exil nach Kuba. Im Exil engagierten sie sich gegen die Diktatur. Isabel beendete ihr Soziologiestudium. 1988 kehrten Mutter und Tochter nach Chile zurück. Nach dem Ende der Militärdiktatur 1990 begann Isabel ihre parlamentarische Karriere. 1993 schaffte sie den Sprung ins Abgeordnetenhaus. Dreimal gelang ihr die Wiederwahl. 2009 zog sie als Senatorin in den Kongress ein.