DAS DING, DAS KOMMT

Licht & Schatten

Die LED-LEUCHTE soll im Rahmen des „Lichtparcours“ Braunschweig erhellen. Nun werden dafür noch Geldgeber gesucht

Mit Licht arbeitet Olaf Nicolai. Auf der Biennale in Venedig, mit der gleißenden Sonne auf dem Dach des deutschen Pavillons und mit einer ominösen Schattenökonomie. Für den nächsten Lichtparcours in Braunschweig hingegen hat der Berliner abgesagt. Die 15 anderen Angefragten aber sagten zu.

Auch bei Dunkelheit müssen die Objekte und Installationen mit einem künstlerischen Lichtaspekt punkten

Ein Beweis für die Zugkraft der Marke der nächtlichen Kunstaktion, die zur Expo 2000 ihre Inauguration erlebte, findet die Braunschweiger Kulturdezernentin Anja Hesse. Aber der vierte Parcours im Sommer 2016 soll keine Neuauflage eines altbewährten Konzepts sein, sondern Kunst nur für 24 Stunden bieten, soll Braunschweigern und kunstsinnigen Besuchern die Stadt auch an ungewohnten Stellen erhellen, sogar eine Station in einem verfallenden Kornspeicher im abgelegenen Hafen am Mittellandkanal ist geplant.

Nicht nur tagsüber müssen alle Objekte oder Installationen im öffentlichen Raum, sondern auch bei Dunkelheit mit einem künstlerischen Lichtaspekt punkten. Zum Teil hat die Jury gute Bekannte eingeladen, die in der Region bereits ausgestellt haben. Aber auch Erstkontakte sind dabei. Derzeit sind ihre Projektvorschläge im Kunstverein Braunschweig zu sehen und hoffen dort – auf Sponsoren. Denn erneut soll die Finanzierung, geschätzte 750.000 Euro, von den üblichen Verdächtigen vor Ort wie Stiftungen, Banken oder dem Weltkonzern mit zwei Buchstaben aufgebracht werden.

Zwei der Tag-Nacht-Hybride arbeiten mit Schriften. So erlebt die schöne alte Neonreklame als LED-Variante ihre Kunst-Renaissance: Tobias Rehberger, bereits 2004 beim Parcours dabei, hat an einer belebten Kreuzung die skurrile Reklame einer ehemaligen Fahrschule entdeckt: SEPP u. SUSE SIUDA. Er spiegelt sie in einem neuen Schriftzug: BEI SEPP u. SUSE. Ort: eine leuchtende Imbissbude, mitten auf der Verkehrsinsel.

Der gebürtige Chilene Alfredo Jaar wiederum verfremdet Joseph Beuys. Aus dessen „Kunst = Kapital“ macht Jaar „KULTUR = KAPITAL“. Explizite Systemkritik: Angesichts der Kommerzialisierung aller Lebensbereiche hielten die Kulturschaffenden die Welt in Schwung, so Jaar, sie seien, na ja, das Humankapital. Seine Schrift, in viele Sprachen übersetzt, montiert er seit Jahren an prominente Gebäude, etwa das Kiasma-Museum in Helsinki. Seine Wahl für die erste deutsche Anbringung überhaupt: das ECE-Shopping-Schloss.