Nach Übergriffen wegen ihrer Kleidung demonstrieren Frauen in Johannesburg – natürlich in Miniröcken. Und die ANC-Frauenliga stellt Forderungen an die Regierung.von Martina Schwikowski

Frauen wollen kein "Freiwild" mehr sein: Demo gegen sexuelle Übergriffe in Johannesburg. Bild: ap
JOHANNESBURG taz | Südafrikas junge Generation liebt Miniröcke. Doch wer sie trägt, muss mit Beschimpfungen oder sogar mit Gewalt rechnen. Zumindest in Gegenden wie der Johannesburger Innenstadt, in der Taxifahrer manchmal raue Sitten an den Tag legen. Als jüngst zwei Frauen in Miniröcken beleidigt und angegriffen wurden, gingen sie zur Polizei. Das nahm die Frauenliga des regierenden ANC (Afrikanischer Nationalkongress) zum Anlass, eine Massendemonstration zu organisieren.
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"Wir sind ein freies Land und haben das Recht, zu tragen, was wir möchten", forderten die Demonstranten. "Wir tragen unsere Miniröcke überall! Niemand kann uns aufhalten." Mitglieder von Frauenorganisationen nahmen - natürlich in Miniröcken - teil, auch der Gewerkschaftsbund und die Kommunistische Partei.
Justizminister Jeff Radebe wurde aufgefordert, Vergewaltigungsprozesse zu beschleunigen und Opfer ernst zu nehmen. Gewalt gegen Frauen ist tägliche Realität in Südafrikas Gesellschaft.
"Wir können solche Übergriffe auf Frauen nicht länger tolerieren", sagt Troy Martens, Sprecherin der ANC-Frauenliga in Johannesburg, zur taz. Die Liga will sogar mit einem neuen Entwurf zur Gleichberechtigung beim ANC-Parteitag im Dezember mehr Druck machen, Frauen vor Gewalt zu schützen.
Das Problem: "Südafrika hat die fortschrittlichsten Gesetze, doch das dringt nicht durch bis zu dem einfachen Mann auf der Straße", sagt Martens. Die Zahlen zu Vergewaltigung und häusliche Gewalt in Südafrika zählen zu den höchsten in der Welt.
Im Dezember waren die beiden Frauen in Noord Street an einem Minibusstand von wartenden Taxifahrern "angemacht" worden. Sie wurden berührt, beleidigt und mit Handys fotografiert. An dem gleichen Ort war zuvor eine Frau mit Minirock gezwungen worden, sich bis auf ihre Unterwäsche auszuziehen, berichtet Martens.
Die oft aus traditionellen oder ländlichen Gebieten kommenden Männer rufen gerne "Bitch", wenn sie knapp bekleidete Frauen sehen. Viele fühlen sich eingeladen, sich an ihnen zu vergehen. Die zwei jungen Frauen waren mutig, überhaupt Anzeige zu erstatten.
"Jeder kann in Südafrika anziehen, was er will. Für Männer, die rückständig denken, ist kein Platz", sagte jetzt Justizminister Radebe. Aber Denkweisen zu ändern dauert lange.
Frauenministerin Lulu Xingwana hat gedroht, den fraglichen Taxistand zu schließen, sollte sich derartige Verhaltensweisen weiter durchsetzen. Doch die Polizei konnte nicht einmal feststellen, welche Männer in den Vorfall verwickelt waren.
@LaDesaparecida: Ich will sehr wohl in Abrede stellen, dass dieses Gewaltproblem sich vor allem gegen Frauen richtet (das G ...
Die Lage der Frauen in Südafrika ist durchaus sehr prekär. Vor allem die sexuellen Übergriffe durch Männer stellen ein erns ...
Lieber Johanna, ich würde anhand ihres Kommentars eher denken, dass Einstellungen wie die ihrige nicht auf Fakten, sondern ...
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