Sönke Wortmanns Beziehungskomödie „Das Hochzeitsvideo“ bedient sich der Handkamera-Ästhetik, Laiendarstellern – und beschert ihrem Publikum viel Leid.von Thomas Groh

Was man Freunden so aufs Hochzeitsvideo quatscht: „Wir haben ja schon viel miteinander durchgemacht... Die Schulzeit und so...“ Bild: promo
Im Horrorkino ist Found-Footage- und Handkameraästhetik längst Mode: Kein Umschnitt gewährt die Gnade eines befreienden Blickwinkels, der Zuschauer bleibt gefangen in der räumlichen Begrenzung einer rigoros klaustrophobisch zugerichteten Perspektive. Neu ist der Einsatz solcher Mittel allerdings in der deutschen Beziehungskomödie, die Sönke Wortmann nun in die YouTube-informierte Digitalästhetik bugsiert.
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Gleich zu Beginn setzt ein junger Mann mit Blick in die Kamera zwei baldige Eheleute davon in Kenntnis – und den Zuschauer damit ins Bild –, wie sehr er sich darüber freut, dass er als bester Freund des Bräutigams die Festivitäten rund um das Hochzeitswochenende – geladen sind beider Familien samt Freundeskreise – für die Ewigkeit der sozialen Netze auf Video bannen darf.
Doch die Rahmenbedingungen sprechen gegen das romantische Glück: Er entspringt guttenbergartigem Hochadel mit Distinktionsbedürfnis, sie einer neoesoterischen Patchwork-Hippiefamilie. Man kennt sich seit einem halben Jahr, Uneinigkeit besteht über den späteren Familiennamen. Dass sie zuvor mit einem Pornodarsteller liiert war, dessen nom de porno ausstattungsbedingt „die Keule“ lautet, hat sie gleich ganz verschwiegen.
Kurz: Es kommt im Laufe des Wochenendes zwischen Alkohol, verbaselten Eheringen, Standesdünkel, Tiersex und Halsverrenkungen beim Blowjob zu allerlei menschlich Unerfreulichem nach Vorbild der amerikanischen Dudes-Komödie, allerdings in provinzieller Umsetzung. Die Kamera ist on oder auch nicht: Spätestens bei klassisch im Schuss/Gegenschuss aufgelösten Dialogen zerbröselt das ästhetische Konzept zur bloßen Camouflage niedriger Produktionskosten. Die Laiendarsteller agieren größtenteils suboptimal, viel verloren ist wegen der durchweg eklig unsympathischen Charaktere aber ohnehin nicht. Der Humor stottert im Standgas, wenigstens zum Ende hin wird es einmal hübsch anarchisch. Bis dahin leidet man viel: Auch eine Art Horrorfilm.
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