Kolumne von Maik Söhler
Manche vermuten sie dieser Tage überwiegend in Polen, andere sagen: „Nein, Ukraine!“ Weitere benennen England oder Serbien als ihre Hochburgen. Das alles ist falsch. Die schlimmsten Hooligans leben in Kinderzimmern.
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Lange vor dem Spiel geht es schon los: Unschuldige Möbelstücke wie Sofas, Teppiche und Stühle fallen unfassbarer Brutalhampelei zum Opfer. Umstehende Personen müssen sich anrempeln, gar anspringen lassen – nicht einmal vor Müttern und Vätern macht der nervöse, sich gegenseitig aufschaukelnde Mob halt. Unzusammenhängende Laute und seltsame Geräusche dringen durch alle Räume: „Neuuueeerrr!!!“, „Ui, ui, Podolski!, „Argh!“, „Urgh!“
Die nächste hässliche Szene folgt unmittelbar vor dem Spiel. Auf dem Klo wird bei offener Tür die Nationalhymne mitgeschmettert. Der Fernsehkommentator dringt nicht mehr durch, zweikehlig niedergeschrieen von besserwisserischen Minibundestrainern. Ließe man sie walten, beschmierten Narrenhände in Nationalfarben nicht nur sich, sondern auch Tisch und Wände.
Das Spiel läuft, man hockt beieinander, Arme und Beine kommen sich in die Quere, auch Füße und Nasen, es wird mit Socken gewedelt. Zum Glück hört Robben nicht zu, wenn die Nachbarschaft über seine Physiognomie knallhart informiert wird: „Der Glatzkopf!“ Ein Tor fällt, Schreie wie bei einem Terrorangriff. Gegenstände werden behüpft, von denen man dachte, sie seien unbehüpfbar.
In der Pause kommt es zum Äußersten: Der Hool prollt erst rum und schläft dann ein; zu viel Limo? Die Hoolin geht in sich und schreibt einen Brief an Lukas Podolski. Das ist es, was diese Hooligans zu den schlimmsten macht. Mit Härte ist ihnen nicht beizukommen, ihre Methoden sind so variabel wie perfide. Voller Angst warten wir auf das nächste Spiel.
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Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
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Leserkommentare
14.06.2012 08:23 | Alex.andra
"Gegenstände werden behüpft, von denen man dachte, sie seien unbehüpfbar." ...
14.06.2012 00:00 | Flattflatt
Nice! :)