piwik no script img

Kommentar Neue MitteVerschenkte Chance

Lena Kaiser

Kommentar von

Lena Kaiser

Hamburg sollte sich sozial gerechtes Wohnungsbauprojekt leisten können, statt den drastischen Mangel an günstigen Wohnungen zu ignorieren.

D as Großprojekt Mitte Altona gerät für den Senat immer mehr zum Debakel. Offensichtlich unter dem Druck, schnell Erfolge in Sachen Wohnungsbau vorzuweisen, verliert die SPD nicht nur aus dem Blick, dass die Zustimmung für Großprojekte im Stile der Hafencity gerade in Altona gegen Null geht.

Unterschätzt hat sie wohl auch, dass eine Bürgerbeteiligung, die ihren Namen nicht verdient, zum Problem werden kann. Denn das Verfahren hat gut informierte Beteiligte hervorgebracht, die Planungsfehler aufdecken und öffentlich machen. Und die Ignoranz, mit der Jutta Blankau deren Kritik und Vorschläge abzubügeln versucht, lässt sie mit ihrem Partizipationsverständnis alt aussehen.

Dabei hätte die SPD, indem sie sich etwa ein Vorkaufsrecht eingeräumt hätte, alle Chancen, ein soziales Wohnungsbauprojekt voranzubringen. Da hilft auch nicht der Verweis auf einen „Drittelmix“, wenn klar ist, dass auch bei geförderten Wohnungen in absehbarer Zeit die Mieten steigen.

Aber statt das Gelände selbst zu entwickeln, verschafft sie den Eigentümern hohe Gewinne. Es ist höchste Zeit, genau zu sagen, wie hoch das öffentliche Kostenrisiko ist. Damit man überlegen kann, ob sich Hamburg dafür nicht lieber ein wirklich sozial gerechtes Wohnungsbauprojekt leisten will.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Lena Kaiser

Lena Kaiser Transformatorin und Autorin

studierte Politikwissenschaft, Philosophie und Ethnologie in Potsdam, Berlin und Mexiko-Stadt und schreibt seit 2009 für die taz. Sie volontierte bei der taz in Hamburg, war dort anschließend Redakteurin, Chefin von Dienst und ab Juli 2017 Redaktionsleiterin. 2019 wechselte sie in die Produktentwicklung der taz und ist verantwortlich für die Digitalisierung der täglichen taz.
Mehr zum Thema

0 Kommentare