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Kommentar EurokriseDas Chaos ist zurück

Ulrike Herrmann

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Ulrike Herrmann

Die Hebel-Idee ist in der Eurokrise angekommen. Aber mit dem Rettungsschirm wird das nicht funktionieren, sondern das Chaos größer machen.

D as Wort hat eine erstaunliche Karriere gemacht: „hebeln“. Erstmals tauchte es in der Finanzkrise auf, als Banken mit minimalem Eigenkapital maximale Schrottkredite vergaben – und danach pleite waren. Jetzt hat auch die Eurozone diesen Begriff entdeckt. Erst sollte der Rettungsschirm EFSF „gehebelt“ werden – nun soll dieser Trick auf den neuen Rettungsschirm ESM übertragen werden.

Bisher hat der ESM eine Ausleihkapazität von 500 Milliarden Euro. Doch könnten viele Milliarden hinzukommen – glauben zumindest die Regierungschefs der Eurozone –, wenn auch private Geldgeber einsteigen. Diese Euphorie ist nicht nachvollziehbar. Die Hebel-Idee wird nicht funktionieren, sondern das Chaos in der Eurozone vergrößern.

Erstes Problem: Private Investoren steigen nur ein, wenn ihnen eine Geldanlage beim Rettungsschirm absolut risikolos erscheint. Das war bisher nicht der Fall. Obwohl die Eurozone Unterhändler in die ganze Welt entsandte, fand sich nirgendwo ein Anleger, der Lust hatte, den Rettungsschirm EFSF zu hebeln. Das zweite Problem ist noch gravierender: Die „Hebel“-Diskussion verschärft die Eurokrise, statt sie zu beruhigen. Denn sie zerstört das neue Gleichgewicht, das zwischen Politik und Europäischer Zentralbank gefunden wurde.

ULRIKE HERRMANN

ist finanzpolitische Koresspondentin der taz.

Zur Erinnerung: EZB-Chef Mario Draghi hat angekündigt, Staatsanleihen bedrängter Eurostaaten „unbeschränkt“ aufzukaufen, wenn diese Staaten einen Antrag bei den Rettungsschirmen gestellt haben. Damit war die Rollenverteilung eigentlich klar. Die EZB handelt wie eine normale Notenbank, während der ESM die politische Kontrolle übernimmt, dass Sparzusagen eingehalten werden.

Doch was klar war, wird jetzt wieder unklar. Denn wozu wird ein „gehebelter“ Rettungsschirm gebraucht, wenn die EZB sowieso unbeschränkt eingreift? Doch offenbar sollen künftig zwei staatliche Stellen auf den Finanzmärkten unterwegs sein. Damit ist das Chaos zurück.

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Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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4 Kommentare

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  • DC
    Das Chaos war nie weg

    Frau Herrmann.

    Nur haben Sie es sich und Ihren Lesern immer wieder schöngeredet.

     

    Vielleicht kapieren Sie irgendwann mal, daß die ganzen sogenannten Eurorettungs-Maßnahmen nichts anderes sind als Methoden in einem Schneeballsystem, um das letzte aus der Bevölkerung herauszupressen bevor der Zusammenbruch kommt.

     

     

    Das Geld ist nicht weg, es haben nur wenige:

     

    http://qpress.de/2011/12/05/schuldenkrise-eskaliert-jetzt-auch-noch-guthabenkrise/

     

    Der Artikel hinter dem Link erläutert auf ironische Weise Tatsachen, die hier ständig geleugnet werden.

     

    Was an Desinformation hinter den Tatsachen steckt, füllt heute drei Viertel der Massenmedien inklusive taz.

    Korruption und Machtmißbrauch dahinter drei Viertel der Politik.

  • G
    goodtimes

    Menschen die das Geldsystem verstehen, sagen seit Jahren das totale Chaos und den Zusammenbruch des Euro voraus.

    Frau Herrmann´s Kenntnisse des Systems sind allenfalls marginal. Ebenso ihre "Hinterherkommentare".

     

    Das Chaos war nie weg bzw. herrscht aktuell in Griechenland, Spanien und Portugal.

  • MT
    Michael Thuma

    Soweit ich es aus den Kommentaren raushörte, die Guten ins Investoren Töpfchen und die 'schlechten' ins Kröpfchen der Europäischen Steuerzahler. Sei noch ergänzt.

     

    Der Hebel wird die Diskussion mächtig anheizen. Der ESM ist ja an sich geplant über einen längeren Zeitraum oder mehr abzuschreiben, , denke mich an 25 Jahre zu erinnern. Die Gefahr ist wohl da, dass nach kurzer Zeit alle Guten Vorsätze über Board fallen und eine neue Dekade billigen Gelds eingeleutet wird. Die Zeichen stehen wahrlich auf Sturm, obwohl im Moment durchaus Deflation (außerhalb der Lebenshaltungskosten) angesagt ist, teils.

  • H
    Humbug

    "6 aus 49" ? Keiner weiß, was bei diesem Lotteriespiel herauskommt! Va banque, keiner weiß was bei dem neuesten Spielchen "Eurokrise" wirklich herauskommt.Dieses Spielchen geht aber von denen aus, die ihre Schäflein längst im Trockenen haben. Kohl hat gewusst, dass der Euro ihm und der Oligarchie nicht schadet-, dem Volk wohl, wie man sieht. Hier werden lieber die Börsianer gerettet, als dass man den Rentnern etwas Gutes tut.