"Rauchershirt" mit Judenstern verkauft: Dummheit in XXL
Der Zentralrat der Juden nennt ein T-Shirt, das mit Judenstern gegen Raucher-Ausgrenzung wirbt: "dreist und böse". Doch die Macher stellen sich dumm.
"Der Judenmord wird hier knallhart missbraucht. Das ist dumm, dreist und böse." Harte Worte über ein T-Shirt. Gesagt wurden sie vom Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, und er bezieht sich auf das sogenannte Rauchershirt, das für 19,99 Euro im Internet vertrieben wird. Es ist schwarz, auf der linken Seite prangt ein gelber Judenstern mit dem Schriftzug "Raucher".
Verantwortlich für das allein im letzten Monat über 1.000-mal verkaufte Shirt ist die Event-Agentur Dröhnkopp Medias Promotion (DMP). Die "Agentur mit Herz" , wie es auf der Homepage heißt, sitzt in Schleswig-Holstein und arbeitet für Künstler wie die Ballermann-Musiker Jürgen Drews und Mickie Krause. DMP-Geschäftsführer Dennis Kramer war das Ausmaß der Aufregung über sein T-Shirt am Freitagmittag noch gar nicht bekannt. Zwar werde das Shirt mittlerweile nicht mehr angeboten, aber das habe nichts zu tun mit den Protesten des Zentralrats der Juden: "Die kenne ich gar nicht", so Kramer. Erboste Reaktionen seien aber auch von anderen Seiten gekommen, weshalb man das T-Shirt am Donnerstag aus dem Sortiment genommen habe: "Wir haben E-Mails mit Beschimpfungen und Drohungen bekommen. Einige Leute fanden die Idee geschmacklos."
Diese Ansicht habe Kramer dann auch nachvollziehen können. Und versichert: "Wir wollten nie jemanden verletzen und niemanden diskriminieren, es sollte einfach Satire sein und hatte nie eine politische Motivation."
Auf der Internetseite liest sich das ein wenig anders. "Wir wollen mit unserem T-Shirt ein klares Zeichen setzen und der Gesellschaft diese schändliche Ausgrenzung unmittelbar vor Augen führen. Deutschland muss wachgerüttelt werden, was nur durch knallharte Provokation möglich ist", heißt es dort. Mittlerweile prüft die Staatsanwaltschaft Schleswig-Holstein, ob es sich um eine Straftat handeln könnte.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert