Was mir noch fehlt, doch vielleicht den schon reichlichen Inhalt nicht überladen sollte: Manch ein Wissenschaftler wird nach exzessivem Forschen von religösen Gefühlen der Verehrung erfasst- warum nur...Die materialistische Fußfessel der heutigen Wissenschaft wurde schon angedeutet. Doch was, wenn es eine nichtmaterielle Wirklichkeit nach wissenschaftlichen Standards gibt?! (So wie ein Gedanke existiert und doch nicht greifbar ist.)
Das erschüttert mühsam aufgebaute Seinsfundamente. Wer will das schon...
19.01.2013 21:34 Uhr
von 42,:
eine umfassendere Antwort auf die wirklich großen Fragen wird die Wissenschaft nie geben können, genausowenig wie die Religion. Der Rest ist einfach Leben.
14.01.2013 21:42 Uhr
von Karl K :
@von Rincewind: Das ist, mit Verlaub, ein bisserl ein Unsinn. Weiterleben gibt es entweder, oder eben nicht. …"
Genau. Oder wie Arthur Rubinstein auf die Frage: " glauben Sie an Gott?" gesagt hat: " Nein - aber wenn ich ihm begegne, werde ich ihm fröhlich die Hand schütteln "
14.01.2013 11:12 Uhr
von Otto:
"Im Traum glaubte der Mensch in den Zeitaltern roher uranfänglicher Kultur eine zweite reale Welt kennenzulernen; hier ist der Ursprung aller Metaphysik. Ohne den Traum hätte man keinen Anlaß zu einer Scheidung der Welt gefunden. Auch die Zerlegung in Seele und Leib hängt mit der ältesten Auffassung des Traumes zusammen, ebenso die Annahme eines Seelenscheinlebens, also die Herkunft alles Geisterlebens und wahrscheinlich auch des Götterglaubens. «Der Tote lebt fort, denn er erscheint dem Lebenden im Traum»: so schloß man ehedem, durch viele Jahrtausende hindurch." (Nietzsche, Werke,1967 u. 1981, Erster Teil, p. 235–236)
13.01.2013 13:05 Uhr
von induzierte Eugenic:
"Warum die Wissenschaft in unserer Epoche das Erbe der Religion angetreten hat." Die Religion wird verkannt. Deren Ziel ist es Menschen leiden zu sehen. Beispielhaft ist der Todesengel von Kalkutta die sich an einem elendigen Todeskampf des einzelnen erfreute und mit Jesus am Kreuz verglich. Jenseits das Paradies, Diesseits die Hölle, es wurden vor lauter Freude wichtige Medikamente versagt. S. Prof. Mynarek, KH Deschner.
Die Deutsche Kultur ist auf einem prostitutiven Verhältnis zwischen Staat und Kirche als Wirtschaftsunternehmen gegründet. Die einzige Unsterblichkeit bezieht sich nur auf das Großkapital, welches damals auch als Acker/Feld betrachtet werden kann. Apfelbäume, Reebstöcke benötigen Jahrzehnte bevor sie Früchte zwecks Ernte und Ernährung tragen. Religion=Kapital welches abgeschöpft wird. So ist es nicht verwunderlich das Versicherungsmathematiker alles daran setzen Lebensversicherungen nicht aus zu zahlen. Um eine Ernte der gepflanzten Früchte in Form des Kapitals betrogen, wird alles auf die eigene Unsterblichkeit gesetzt und in Banken der religiösen Wirtschaftsbetriebe gelagert. Der Vatikan ist unfehlbar unsterblich.
Kulturelles Beispiel, morgens um 6 aufstehen, zwei Pillen Antidepressiva einwerfen, ein Kaffee trinken zur Arbeitsstelle gehen. Abends nach Hause kommen, dem Kind mit dem Argument "Du sollst es besser haben" eine Ohrfeige für schlechte Schulleistung schlagen. Studenten dopen sich mit Ritalin und anderem. Das Koordinatensystem aus Normen, Werten und Institutionen wurde drastisch reduziert. E. Durckheims Grundtypen müssen um Karoshi erweitert werden, Totarbeiten.
Religiös induzierte Selektion der Unsterblichkeit. Auszüge, Zitate: "Den weltweiten Gültigkeitsanspruch US-amerikanischer Eugenik betont 1912 der stellvertretende Landwirtschaftsminister und Initiator der American Breeders Association, Willet Hays, in seinem Artikel "Constructive Eugenics". Jeder Erdenbürger soll eine elfstellige Kennummer (TIN ?)zugeteilt bekommen. Aus diesem Code soll sich die Abstammung ablesen lassen;"....... "Eine erstklassige Gelegenheit, den US-amerikanischen Führungsanspruch durch-zusetzen, ergibt sich beim Ersten Internationalen Kongress für Eugenik in London.".... "Das andere bemerkenswerte Ergebnis des Londoner Eugenik-Kongresses neben dem Sieg der negativen Eugenik stellt die Gründung des Permanent International Eugenics Committee (PIEC) als weltumspannender Dachorganisation der Eugenik dar, die später in International Federation Eugenic Organizations (IFEO) umbenannt wird." Deutschland und seine Einrichtungen waren/sind sehr aktiv. "Ernst Rüdin was director of the Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie (DFA)" und Max Planck setzte sich für ihn ein. http://en.wikipedia.org/wiki/Eugenics
Die Wissenschaft rechnet schon lange mit der Unsterblichkeit und sucht weltweit das Gottes Gen.
13.01.2013 13:02 Uhr
von DenialFileFan:
Ganz guter Artikel, aber was fehlt steht bei Stephen Cave "Unsterblich" oder am besten gleich bei Ernest Becker "Dynamik des Todes" (Engl. Denial oft Death).
13.01.2013 12:01 Uhr
von Björn Eriksson:
Gesetzt den Fall, der Mensch sei reine Information, und da dem so wäre, sei Unsterblichkeit über Replizierung in ein perpetuum mobile eines unteilbaren Einzeldings (sprich: Individuum) sichergestellt, sobald nur die hierfür erforderliche Technik beherrscht werde, bestünden dann in jedem Einzelfall nicht genau zwei Möglichkeiten, über welche genau eine Replikation initiiert werden könne, nämlich die Verfügung über sich selbst und/oder die Verfügung durch Andere?
Und gäbe es dann nicht auch genau zwei Möglichkeiten, für welche sich jedes Individuum entscheiden könne: die Forderung nach Replikation, und die Verweigerung derselben?
Was die Frage nach dem Beweggrund der Entscheidung bei jedem Einzelfall einer getroffenen Auswahl aufwerfe. Ist nach den Regeln menschlicher Logik zu erwarten, dass ein Entscheider eine Zustimmung zu einer Replikation erteile, da er sich davon einen Schaden für sich verspreche? Und wenn nun im Falle der Zustimmung zu einer Replikation diese deswegen erteilt werde, weil sich der betroffene Entscheider einen Nutzen daraus erwarte, welchen Arten könnten dann die möglichen Nutzen zugeordnet werden?
Entschiede jemand über sich selbst, da er sich daraus einen Nutzen erwarte, wird sich für die Bezeichnung dieses Nutzens eines Tages sicher auch noch eine andere Vokabel als die Vokabel „Selbstsucht“ finden lassen, und entschiede nicht der Betroffene selbst, da er sich daraus einen Nutzen erwarte, wird sich für die Bezeichnung jenes Nutzens eines Tages sicher auch noch eine andere Vokabel als die Vokabel „Ausbeutung“ finden lassen. Werden doch mit der heutigen Konzeption der Fortschrittsidee alle Probleme der Menschheit zu Problemen auf Zeit, die mit weiteren Fortschritten lösbar werden ;-)
13.01.2013 11:32 Uhr
von tfunker:
Was nicht zur Sprache kommt, jedoch aber die bedeutende Triebfeder für postmortale und eternale Konzepte ist, ist die Angst vor dem Verlust nahestehender Menschen, sobald man einen solchen Schmerz erlitten hat, sowie die Angst vor der Auflösung der eigenen Identität, die sich offensichtlich aus dem Ableben ergibt. Diese Angst wiederum begründet sich in Liebe.
Der Intellekt, der maßgeblich die Persönlichkeit formt, leugnet die unumgängliche Vernichtung - hat der aber eigentlich nichts entgegenzusetzen als ein gedankliches Konzept. Das hilft zumindest, die Angst ein bisschen zu überpinseln, lässt uns aber zugegebenermaßen ein wenig lächerlich erscheinen.
Religion, und in diesem Kontext der sprirituellen Praxis, gelingt es nun, stattdessen, die Angst in Liebe zu transformieren. Dieser Transformationsprozess ist ein evolutionärer Schritt, und somit auch ein Fortschritt, und der Glaube daran (nicht zu verwechseln mit "wähnen") gibt uns die Kraft, ihn zu vollziehen.
13.01.2013 09:43 Uhr
von Synoptiker :
Sehr interessant, gute Arbeit von Kai Schlieter. Man braucht seine Zeit, um das alles zu verarbeiten. Und man muss lesen! Danke, für die Anregungen !
13.01.2013 01:30 Uhr
von Peer:
Viele steile Thesen im Ton der Gewißheit vorgetragen, aber doch sehr löcherig und ohne echten Tiefgang. Der Wilde mit Kollektivseele, die Wissenschaft die sich im Besitz der Wahrheit wähnt und nicht Fähig ist ihrer Grenzen inne zu werden usw...
13.01.2013 00:25 Uhr
von Rincewind:
Das ist, mit Verlaub, ein bisserl ein Unsinn. Weiterleben gibt es entweder, oder eben nicht. Eine Unsterblichkeit in der allgemeinen Menschheit ist doch völlig unpersönlich und auch nur zeitlich begrenzt. Dann doch ehrlich atheistisch sagen es gibt sie nicht
13.01.2013 00:07 Uhr
von S.T.:
Die Kritiklosigkeit, mit der der Autor seine Quellen unkommentiert weiterverbreitet, liegt auf einem Niveau, das der TAZ meines Erachtens nicht würdig ist. Im Grunde tut dieser Artikel nichts anderes, als das längst und oft widerlegte Argument aufzuwärmen, dass Wissenschaft nur eine weitere Religion sei. Sie ist es nicht, weil kein ernstzunehmender Wissenschaftler jemals absolute Antworten für unmessbare Phänomene gegeben oder unüberprüfbare Heilsversprechen gemacht hat. Wissenschaft beschreibt Beobachtungen und deren Muster und versucht, daraus Schlüsse zu ziehen. Was hier einer Religion gleichgestellt wird, ist das Verständnis von Wissenschaft, das durch populärwissenschaftliche Interpretationen von Journalisten transportiert wird, die bei dem Versuch scheitern, begrenztes eigenes Fachwissen mit notwendiger Vereinfachung für eine breite Leserschaft zu vereinigen. Einige Thesen, die hier vorgelegt werden sind schlicht abenteuerlich bis falsch. Aus Stammzellen Unsterblichkeit zu machen, lässt so viele Schritte aus, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie aufzählen soll. Die Abwesenheit von Instinkten beim Menschen wird zur längst überholten Abgrenzung von der Tierwelt benutzt, obwohl ähnliches Verhalten bei allen Säugetieren im Vergleich zu etwa den Reptilien zu einem gewissen Grad beobachtet wird. Die daraus abgeleitete Schlussfolgerung, der Mensch benötige ein "Koordinatensystem aus Normen, Werten und Institutionen", die nur die Religion geben kann, missachtet die Fähigkeit des Menschen zu unabhängigen sozialen Umgangsformen und einem inhärenten Gerechtigkeitsempfinden. Als unabhängiger Überblick über die Sinnsuche des Menschen zum Tod sollte dieser Artikel zur Überarbeitung zurück auf den Schreibtisch geschickt werden.
12.01.2013 22:04 Uhr
von Volker Birk:
Der Autor versteht nicht, was Wissenschaft ist.
"Die Wissenschaft hat eine Monopolstellung. Sie kann als einzige ernsthaft für sich die Deutung der Welt beanspruchen. So konkurrenzlos wie einst die katholische Kirche." schreibt er.
"Die Wissenschaft" wie "die katholische Kirche". Dabei ist es der Wissenschaft wesentlich zu zweifeln. Es ist ihr wesentlich, grundsätzlich mehrere unterschiedliche Theorien und Deutungen in Konkurrenz zu setzen, und Deutungen, die nicht wahr sein können, bei Nachweis der Unwahrheit wieder zu verwerfen (im kritischen Rationalismus), oder sogar erst gar keinen Wahrheitsanspruch zu erheben, sondern nur den der Praktikabilität (im Positivismus).
Damit unterscheidet sich jede Wissenschaft fundamental von einer Kirche, zumal von einer zentralistischen wie der röm.-kath. Es gibt keine Dogmen, sondern stattdessen Ergebnisoffenheit.
Übrigens auch in Fragen des Lebens nach dem Tode. Mit Ockhams Rasiermesser nimmt man an, da sei gar keins, bis es bessere Erkenntnis gibt.
12.01.2013 19:31 Uhr
von my 2ct:
Als naturwissenschaftlich zumindest überdurchschnittlich gebildeter erlaube ich mir zu behaupten, daß es etwas wie die "Weltformel", auch wenn sie ja oft nur mit ironischem Unterton als solche postuliert wird, nicht geben kann. Da hilft auch kein CERN, auch wenn das interessante Spielerei ist. Ich halte es für notwendig, daran zu arbeiten, dass es sie nicht so geben wird wie es die Unfehlbarkeit des Papstes gab, als Dogma. Schon vieles, was sich heute als Rationalismus ausgibt, ist nichts anderes als zweckdienliche Ideologie.
Wirklich große Wissenschaftler/innen, nicht die Clowns, die heute für Nonsens Nobelpreise bekommen, der die Rüstung voranbringt, sind spätestens am Ende ihres Lebens spirituell geworden.
Der Wettlauf heute besteht zwischen diesem spirituellen Erwachen und dem Materialismus, welcher, wie im Artikel dargelegt, die Fortschrittsgläubigkeit in der einen oder anderen Form impliziert haben muß, und wenn es nur auf dem Low-Level des "jedes Jahr was neues zum Konsumieren" ist.
Den Kram mit der Weltformel nenne ich nur stellvertretend für den Ansatz, alles aus der Wissenschaft heraus erklären zu wollen
12.01.2013 19:23 Uhr
von Uli:
Wohin der Fortschritt uns führt, werden wir aber vielleicht nicht mehr erleben ... Die Monopolstellung der Wissenschaft wird ab und zu relativiert, wenn wir fünf verscheidene Wissenschaftler mit fünf verschiedenen Meinungen zu derselben Sache hören. Ob es nach dem Tod nicht doch weitergeht, sollten Sie mal Leute fragen, die ein so genanntes "Nahtoderlebnis" gehabt haben. So etwas haben übrigens auch schon Atheisten gehabt, aber die sind jetzt keine Atheisten mehr ... Vielleicht hat der Mensch auch die Vorstellung von Gott entwickelt, weil er Gott begegnet ist oder Gott ihm begegnet ist - könnte doch sein ...
Leserkommentare
03.04.2013 00:17 Uhr
von Anne:
Sehr interessant zu lesen!! Danke dafür.
Was mir noch fehlt, doch vielleicht den schon reichlichen Inhalt nicht überladen sollte:
Manch ein Wissenschaftler wird nach exzessivem Forschen von religösen Gefühlen der Verehrung erfasst- warum nur...Die materialistische Fußfessel der heutigen Wissenschaft wurde schon angedeutet. Doch was, wenn es eine nichtmaterielle Wirklichkeit nach wissenschaftlichen Standards gibt?! (So wie ein Gedanke existiert und doch nicht greifbar ist.)
Das erschüttert mühsam aufgebaute Seinsfundamente. Wer will das schon...
19.01.2013 21:34 Uhr
von 42,:
eine umfassendere Antwort auf die wirklich großen Fragen wird die Wissenschaft nie geben können, genausowenig wie die Religion.
Der Rest ist einfach Leben.
14.01.2013 21:42 Uhr
von Karl K :
@von Rincewind:
Das ist, mit Verlaub, ein bisserl ein Unsinn. Weiterleben gibt es entweder, oder eben nicht. …"
Genau. Oder wie Arthur Rubinstein auf die Frage: " glauben Sie an Gott?"
gesagt hat: " Nein - aber wenn ich ihm begegne, werde ich ihm
fröhlich die Hand schütteln "
14.01.2013 11:12 Uhr
von Otto:
"Im Traum glaubte der Mensch in den Zeitaltern roher uranfänglicher Kultur eine zweite reale Welt kennenzulernen; hier ist der Ursprung aller Metaphysik. Ohne den Traum hätte man keinen Anlaß zu einer Scheidung der Welt gefunden. Auch die Zerlegung in Seele und Leib hängt mit der ältesten Auffassung des Traumes zusammen, ebenso die Annahme eines Seelenscheinlebens, also die Herkunft alles Geisterlebens und wahrscheinlich auch des Götterglaubens. «Der Tote lebt fort, denn er erscheint dem Lebenden im Traum»: so schloß man ehedem, durch viele Jahrtausende hindurch."
(Nietzsche, Werke,1967 u. 1981, Erster Teil, p. 235–236)
13.01.2013 13:05 Uhr
von induzierte Eugenic:
"Warum die Wissenschaft in unserer Epoche das Erbe der Religion angetreten hat."
Die Religion wird verkannt. Deren Ziel ist es Menschen leiden zu sehen. Beispielhaft ist der Todesengel von Kalkutta die sich an einem elendigen Todeskampf des einzelnen erfreute und mit Jesus am Kreuz verglich. Jenseits das Paradies, Diesseits die Hölle, es wurden vor lauter Freude wichtige Medikamente versagt. S. Prof. Mynarek, KH Deschner.
Die Deutsche Kultur ist auf einem prostitutiven Verhältnis zwischen Staat und Kirche als Wirtschaftsunternehmen gegründet.
Die einzige Unsterblichkeit bezieht sich nur auf das Großkapital, welches damals auch als Acker/Feld betrachtet werden kann. Apfelbäume, Reebstöcke benötigen Jahrzehnte bevor sie Früchte zwecks Ernte und Ernährung tragen. Religion=Kapital welches abgeschöpft wird.
So ist es nicht verwunderlich das Versicherungsmathematiker alles daran setzen Lebensversicherungen nicht aus zu zahlen. Um eine Ernte der gepflanzten Früchte in Form des Kapitals betrogen, wird alles auf die eigene Unsterblichkeit gesetzt und in Banken der religiösen Wirtschaftsbetriebe gelagert. Der Vatikan ist unfehlbar unsterblich.
Kulturelles Beispiel, morgens um 6 aufstehen, zwei Pillen Antidepressiva einwerfen, ein Kaffee trinken zur Arbeitsstelle gehen. Abends nach Hause kommen, dem Kind mit dem Argument "Du sollst es besser haben" eine Ohrfeige für schlechte Schulleistung schlagen. Studenten dopen sich mit Ritalin und anderem.
Das Koordinatensystem aus Normen, Werten und Institutionen wurde drastisch reduziert. E. Durckheims Grundtypen müssen um Karoshi erweitert werden, Totarbeiten.
Religiös induzierte Selektion der Unsterblichkeit. Auszüge, Zitate:
"Den weltweiten Gültigkeitsanspruch US-amerikanischer Eugenik betont 1912 der stellvertretende Landwirtschaftsminister und Initiator der American Breeders Association, Willet Hays, in seinem Artikel "Constructive Eugenics". Jeder Erdenbürger soll eine elfstellige Kennummer (TIN ?)zugeteilt bekommen. Aus diesem Code soll sich die Abstammung ablesen lassen;".......
"Eine erstklassige Gelegenheit, den US-amerikanischen Führungsanspruch durch-zusetzen, ergibt sich beim Ersten Internationalen Kongress für Eugenik in London."....
"Das andere bemerkenswerte Ergebnis des Londoner Eugenik-Kongresses neben dem Sieg der negativen Eugenik stellt die Gründung des Permanent International Eugenics Committee (PIEC) als weltumspannender Dachorganisation der Eugenik dar, die später in International Federation Eugenic Organizations (IFEO) umbenannt wird."
Deutschland und seine Einrichtungen waren/sind sehr aktiv.
"Ernst Rüdin was director of the Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie (DFA)" und Max Planck setzte sich für ihn ein.
http://en.wikipedia.org/wiki/Eugenics
Die Wissenschaft rechnet schon lange mit der Unsterblichkeit und sucht weltweit das Gottes Gen.
13.01.2013 13:02 Uhr
von DenialFileFan:
Ganz guter Artikel, aber was fehlt steht bei Stephen Cave "Unsterblich" oder am besten gleich bei Ernest Becker "Dynamik des Todes" (Engl. Denial oft Death).
13.01.2013 12:01 Uhr
von Björn Eriksson:
Gesetzt den Fall, der Mensch sei reine Information, und da dem so wäre, sei Unsterblichkeit über Replizierung in ein perpetuum mobile eines unteilbaren Einzeldings (sprich: Individuum) sichergestellt, sobald nur die hierfür erforderliche Technik beherrscht werde, bestünden dann in jedem Einzelfall nicht genau zwei Möglichkeiten, über welche genau eine Replikation initiiert werden könne, nämlich die Verfügung über sich selbst und/oder die Verfügung durch Andere?
Und gäbe es dann nicht auch genau zwei Möglichkeiten, für welche sich jedes Individuum entscheiden könne: die Forderung nach Replikation, und die Verweigerung derselben?
Was die Frage nach dem Beweggrund der Entscheidung bei jedem Einzelfall einer getroffenen Auswahl aufwerfe. Ist nach den Regeln menschlicher Logik zu erwarten, dass ein Entscheider eine Zustimmung zu einer Replikation erteile, da er sich davon einen Schaden für sich verspreche? Und wenn nun im Falle der Zustimmung zu einer Replikation diese deswegen erteilt werde, weil sich der betroffene Entscheider einen Nutzen daraus erwarte, welchen Arten könnten dann die möglichen Nutzen zugeordnet werden?
Entschiede jemand über sich selbst, da er sich daraus einen Nutzen erwarte, wird sich für die Bezeichnung dieses Nutzens eines Tages sicher auch noch eine andere Vokabel als die Vokabel „Selbstsucht“ finden lassen, und entschiede nicht der Betroffene selbst, da er sich daraus einen Nutzen erwarte, wird sich für die Bezeichnung jenes Nutzens eines Tages sicher auch noch eine andere Vokabel als die Vokabel „Ausbeutung“ finden lassen.
Werden doch mit der heutigen Konzeption der Fortschrittsidee alle Probleme der Menschheit zu Problemen auf Zeit, die mit weiteren Fortschritten lösbar werden ;-)
13.01.2013 11:32 Uhr
von tfunker:
Was nicht zur Sprache kommt, jedoch aber die bedeutende Triebfeder für postmortale und eternale Konzepte ist, ist die Angst vor dem Verlust nahestehender Menschen, sobald man einen solchen Schmerz erlitten hat, sowie die Angst vor der Auflösung der eigenen Identität, die sich offensichtlich aus dem Ableben ergibt. Diese Angst wiederum begründet sich in Liebe.
Der Intellekt, der maßgeblich die Persönlichkeit formt, leugnet die unumgängliche Vernichtung - hat der aber eigentlich nichts entgegenzusetzen als ein gedankliches Konzept. Das hilft zumindest, die Angst ein bisschen zu überpinseln, lässt uns aber zugegebenermaßen ein wenig lächerlich erscheinen.
Religion, und in diesem Kontext der sprirituellen Praxis, gelingt es nun, stattdessen, die Angst in Liebe zu transformieren. Dieser Transformationsprozess ist ein evolutionärer Schritt, und somit auch ein Fortschritt, und der Glaube daran (nicht zu verwechseln mit "wähnen") gibt uns die Kraft, ihn zu vollziehen.
13.01.2013 09:43 Uhr
von Synoptiker :
Sehr interessant, gute Arbeit von Kai Schlieter. Man braucht seine Zeit, um das alles zu verarbeiten. Und man muss lesen! Danke, für die Anregungen !
13.01.2013 01:30 Uhr
von Peer:
Viele steile Thesen im Ton der Gewißheit vorgetragen, aber doch sehr löcherig und ohne echten Tiefgang. Der Wilde mit Kollektivseele, die Wissenschaft die sich im Besitz der Wahrheit wähnt und nicht Fähig ist ihrer Grenzen inne zu werden usw...
13.01.2013 00:25 Uhr
von Rincewind:
Das ist, mit Verlaub, ein bisserl ein Unsinn. Weiterleben gibt es entweder, oder eben nicht. Eine Unsterblichkeit in der allgemeinen Menschheit ist doch völlig unpersönlich und auch nur zeitlich begrenzt. Dann doch ehrlich atheistisch sagen es gibt sie nicht
13.01.2013 00:07 Uhr
von S.T.:
Die Kritiklosigkeit, mit der der Autor seine Quellen unkommentiert weiterverbreitet, liegt auf einem Niveau, das der TAZ meines Erachtens nicht würdig ist. Im Grunde tut dieser Artikel nichts anderes, als das längst und oft widerlegte Argument aufzuwärmen, dass Wissenschaft nur eine weitere Religion sei.
Sie ist es nicht, weil kein ernstzunehmender Wissenschaftler jemals absolute Antworten für unmessbare Phänomene gegeben oder unüberprüfbare Heilsversprechen gemacht hat. Wissenschaft beschreibt Beobachtungen und deren Muster und versucht, daraus Schlüsse zu ziehen. Was hier einer Religion gleichgestellt wird, ist das Verständnis von Wissenschaft, das durch populärwissenschaftliche Interpretationen von Journalisten transportiert wird, die bei dem Versuch scheitern, begrenztes eigenes Fachwissen mit notwendiger Vereinfachung für eine breite Leserschaft zu vereinigen.
Einige Thesen, die hier vorgelegt werden sind schlicht abenteuerlich bis falsch. Aus Stammzellen Unsterblichkeit zu machen, lässt so viele Schritte aus, dass ich gar nicht weiß, wie ich sie aufzählen soll. Die Abwesenheit von Instinkten beim Menschen wird zur längst überholten Abgrenzung von der Tierwelt benutzt, obwohl ähnliches Verhalten bei allen Säugetieren im Vergleich zu etwa den Reptilien zu einem gewissen Grad beobachtet wird. Die daraus abgeleitete Schlussfolgerung, der Mensch benötige ein "Koordinatensystem aus Normen, Werten und Institutionen", die nur die Religion geben kann, missachtet die Fähigkeit des Menschen zu unabhängigen sozialen Umgangsformen und einem inhärenten Gerechtigkeitsempfinden.
Als unabhängiger Überblick über die Sinnsuche des Menschen zum Tod sollte dieser Artikel zur Überarbeitung zurück auf den Schreibtisch geschickt werden.
12.01.2013 22:04 Uhr
von Volker Birk:
Der Autor versteht nicht, was Wissenschaft ist.
"Die Wissenschaft hat eine Monopolstellung. Sie kann als einzige ernsthaft für sich die Deutung der Welt beanspruchen. So konkurrenzlos wie einst die katholische Kirche." schreibt er.
"Die Wissenschaft" wie "die katholische Kirche". Dabei ist es der Wissenschaft wesentlich zu zweifeln. Es ist ihr wesentlich, grundsätzlich mehrere unterschiedliche Theorien und Deutungen in Konkurrenz zu setzen, und Deutungen, die nicht wahr sein können, bei Nachweis der Unwahrheit wieder zu verwerfen (im kritischen Rationalismus), oder sogar erst gar keinen Wahrheitsanspruch zu erheben, sondern nur den der Praktikabilität (im Positivismus).
Damit unterscheidet sich jede Wissenschaft fundamental von einer Kirche, zumal von einer zentralistischen wie der röm.-kath. Es gibt keine Dogmen, sondern stattdessen Ergebnisoffenheit.
Übrigens auch in Fragen des Lebens nach dem Tode. Mit Ockhams Rasiermesser nimmt man an, da sei gar keins, bis es bessere Erkenntnis gibt.
12.01.2013 19:31 Uhr
von my 2ct:
Als naturwissenschaftlich zumindest überdurchschnittlich gebildeter erlaube ich mir zu behaupten, daß es etwas wie die "Weltformel", auch wenn sie ja oft nur mit ironischem Unterton als solche postuliert wird, nicht geben kann.
Da hilft auch kein CERN, auch wenn das interessante Spielerei ist.
Ich halte es für notwendig, daran zu arbeiten, dass es sie nicht so geben wird wie es die Unfehlbarkeit des Papstes gab, als Dogma. Schon vieles, was sich heute als Rationalismus ausgibt, ist nichts anderes als zweckdienliche Ideologie.
Wirklich große Wissenschaftler/innen, nicht die Clowns, die heute für Nonsens Nobelpreise bekommen, der die Rüstung voranbringt, sind spätestens am Ende ihres Lebens spirituell geworden.
Der Wettlauf heute besteht zwischen diesem spirituellen Erwachen und dem Materialismus, welcher, wie im Artikel dargelegt, die Fortschrittsgläubigkeit in der einen oder anderen Form impliziert haben muß, und wenn es nur auf dem Low-Level des "jedes Jahr was neues zum Konsumieren" ist.
Den Kram mit der Weltformel nenne ich nur stellvertretend für den Ansatz, alles aus der Wissenschaft heraus erklären zu wollen
12.01.2013 19:23 Uhr
von Uli:
Wohin der Fortschritt uns führt, werden wir aber vielleicht nicht mehr erleben ...
Die Monopolstellung der Wissenschaft wird ab und zu relativiert, wenn wir fünf verscheidene Wissenschaftler mit fünf verschiedenen Meinungen zu derselben Sache hören.
Ob es nach dem Tod nicht doch weitergeht, sollten Sie mal Leute fragen, die ein so genanntes "Nahtoderlebnis" gehabt haben. So etwas haben übrigens auch schon Atheisten gehabt, aber die sind jetzt keine Atheisten mehr ...
Vielleicht hat der Mensch auch die Vorstellung von Gott entwickelt, weil er Gott begegnet ist oder Gott ihm begegnet ist - könnte doch sein ...