• 11.03.2013

Journalistikstudium in Leipzig

Bröckelnde Traditionen

Früher war die Leipziger Uni eine der besten Adressen für junge Journalisten. Dann kam die Bologna-Reform und viel interner Streit. von Steffi Dobmeier

  • 18.03.2013 09:30 Uhr

    von noch ein Student:

    Hallo ehemaliger Mitarbeiter,

    bitte lege doch einfach mal Beweise vor für Deine Behauptung. Ich habe, wie gesagt, selbst zwei Klausuren geschrieben, bei denen eine Bandbreite an Themen abgefragt wurde und keineswegs nur Machill-Literatur. Du scheinst ja offenbar an der Quelle zu sitzen: Mich würde es sehr überzeugen, eine Klausur zu sehen, bei der "Machill fast ausnahmslos seine selbstgeschriebenen Publikationen" abfragt. Vielleicht habe ich bei meinen zwei Klausuren (und den älteren Exemplaren, die ich gesehen habe) einfach nur Glück gehabt. Aber solange Behauptungen wie Deine nicht durch Fakten untermauert werden, glaube ich sie nicht.

  • 15.03.2013 23:06 Uhr

    von ehemaliger Mitarbeiter:

    Ich war fast drei Jahre im Mittelbau tätig und vermute, dass der Post unten von "noch ein Student" wahrscheinlich von Machill selbst oder von einem seiner engeren MItarbeiter kommt. Immerhin ist es überall Common Knowledge, dass Herr Machill fast ausnahmslos seine selbstgeschriebenen Publikationen in Klausuren abfragt. Das zu beweisen, ist übrigens denkbar einfach: Die bereits zitierte Debatte um das eingescannte und hochgeladene Buch von ihm, ist nämlich genau aus diesem Grund passiert: Der damalige Übeltäter wollte anderen Studenten das überall ausgeliehene, in dieser Zeit sogar beim Verlag vorübergehend vergriffene Buch zum Lernen zur Verfügung stellen. Niemand hätte jedenfalls ein Machill-Buch online gestellt, nur weil es so toll ist. Außerdem gibt es an dem Institut durchaus Kollegen, die ebenso strikt und streng bewerten wie Machill, etwa der Medienpädagoge Schorb. Dafür fragt Herr Machill auch gerne bis auf das Datum genaue Zeiten ab und zieht drei Punkte ab, wenn man Monat und Jahr nicht weiß. Was das mit journalistischem Können und anwendungsorientierten Fähigkeiten zu tun, erkläre mir mal einer. Die Strenge von Herrn Machill ist nämlich leider keine gewitzte, lebenskluge, sondern eine äußerst biedere, die im Wiederholen immer desselben Stoffes und ich der Kleinteiligkeit und Übergenauigkeit irgendwelcher Details und trivialer Fakten begründet liegt. Ich weiß das leider deshalb so genau, da ich selbst mehrere Semester Klausuren vorkorrigieren durfte. Und nein: Ich wurde nicht von ihm gemobbt oder diskreditiert. Besonders sinnvoll und nützlich fand ich seine Lehre trotzdem nicht.

  • 14.03.2013 18:08 Uhr

    von friedbert:

    @noch ein Student´

    Wie blöd muss man eigentlich sein,
    die Professoren, bei denen man gut bewertet wird,
    im Nachhinein in den Arsch zu treten, indem
    man sich darüber aufregt.

    Du willst offensichtlich absichtlich
    ein Bildungsverlierer sein!

    Anstatt dankbar dafür zu sein, dass auch Du offenbar
    Talent hast oder einen besonders didaktisch guten
    Unterricht genossen hast und Zeit zum Leben,
    Nebenher-arbeiten und Lernen hast, regst Du Dich über Deine kleinen Erfolge und verschmähst sie.
    Und noch schlimmer willst Du, dass Deine
    NachfolgerInnen für deinen "zu leichten"
    Erfolg drangsaliert werden.

    Es kommt auf das vermittelte Wissen und deren
    Praxiseinsatz, sowie die Gesamtqualität des
    fertigen Journalisten drauf an und nicht ob
    man gut vom Prof fertiggemacht wurde.

    Ziel ist die Qualifikationsvermittlung und
    je beschwerdefreier das geht, desto besser, denn
    umso mehr kann noch gelernt werden oder desto wahrscheinlicher eine erfolgreiche frühe Familiengründung oder desto höher die Nebenerwerbsverdienste usw. Davon hat die
    Volkswirtschaft und das Gemeinwesen auch etwas davon!


    Ehrlich so ein Kommentar verrät Blödheit
    in Potenz!

  • 13.03.2013 11:49 Uhr

    von noch ein Student:

    Was die "ehemalige Studentin" hier am 13.3. um 2:32 Uhr schreibt, ist eine glatte Lüge. Ich selbst war in dieser Zeit ebenfalls Student am Institut und habe bei Machill zwei Klausuren geschrieben (und andere Klausuren zur Vorbereitung gesehen): Es kam nie vor, dass nur Fragen aus seinen Werken dabei waren. Es war immer so, dass der behandelte Stoff breit abgefragt wurde.

    Ich habe unter den Kommilitonen so manchen stöhnen hören, dass man bei Machill viel machen muss. Aber ich habe niemanden gehört (und auch selbst nie die Erfahrung gemacht), dass er unfair bewertet hätte oder irgendjemanden unfair behandelt hätte. Er ist anspruchsvoll und bei ihm kommt man nicht durch eine Klausur, indem man mal einen Nachmittag lang "lernt". Dafür hassen ihn so manche Studis. Aber ey... er ist mit Abstand der beste Prof an diesem Schlappi-Institut. Bei anderen Profs wie Steinmetz oder Lokatis habe ich für absolutes Nix-Tun immer noch ne Zwei bekommen. Total lächerlich. Und bei den Vorlesungen von ALLEN anderen Profs bin ich regelmäßig eingeschlafen. Machill ist der einzige mit exzellenter Lehre. Er lässt sich halt nicht verbiegen. Ich hoffe, dass er so weiter macht, denn ohne ihn wäre dieses Institut echt provinziell.

  • 13.03.2013 02:32 Uhr

    von ehemalige Studentin:

    Ich hatte als Bachelor selbst Vorlesungen (2006-2009) bei Herrn Machill und auch bei Herrn Haller und kann die Darstellung nur bestätigen. Herr Machill führt in Leipzig eine Schreckensherrschaft, kann aber schalten und walten wie er will, weil er zu viel Macht hat.

    Ein Professor, der statt Vorlesungsstoff ausnahmslos Kapitel eines seiner Werke abfragt (die nur bedingt mit dem Vorlesungsthema zu tun haben) und dann Studenten verklagt, die das Buch einscannen, weil es nicht genügend in der Bibo gibt, sind schon recht armselig. Genauso, seine wissenschaftlichen Mitarbeiter als Facebook-Spitzel zu missbrauchen. Es gibt viele dieser absurden Anekdötchen.

    Und ich bin niemand, der bei ihm schlechte Noten kassiert hat - trotzdem finde ich, dass er das Institut kaputt macht. Schade für Leipzig.

  • 12.03.2013 16:38 Uhr

    von Spielt keine Rolle:

    1.) Wenn die Journalismus-Ausbildung im Diplom so überwältigend Weltspitze war wie implizit angedeutet, dann verwirrt die Vermischung von persönlicher Meinung der Autorin und Fakten im Beitrag doch erheblich. Gerade Michael Haller hat da doch immer eine strikte Trennung angemahnt.

    2.) Wenn die TAZ mal in die Tiefe recherchieren möchte, dann lässt sie sich mal die ersten Entwürfe für den Journalistik-Master sowie die Stellungnahmen der Akkreditierungsstelle zukommen. Der heutige Master ist ein Kompromiss, der durch fehlende Flexibilität bei der Umsetzung der Bologna-Kriterien zustande kam. Kein guter Kompromiss, wie der Beitrag ja anmerkt...

  • 12.03.2013 15:15 Uhr

    von Peter Gendler:

    Hallo taz-Redakteure,

    habt Ihr gesehen, dass der von Euch zitierte Michael Haller in Hamburg ein Konkurrenz-Angebot für Journalistik aufgebaut hat? Schaut doch mal bitte unter:

    http://www.hamburgmediaschool.com/newsundpresse/pressemitteilungen/mitteilungen/2012/05/EMAJ_Start.php

    Dort wird beschrieben, dass Haller nach seinem Abgang aus Leipzig offensichtlich in Hamburg einen neuen Journalistik-Master entwickelt hat.

    Und wenn man jetzt noch mal Euren Artikel von Steffi Dobmeier durchliest, erkennt man, dass dies eine ziemlich perfide PR-Aktion von/für Michael Haller ist: Der alte Journalistik-Studiengang in Leipzig, bei dem er nun nicht mehr mitspielen darf, wird mies gemacht. Und wer nun nach Alternativen sucht.... na klar! Haller ist in Hamburg da.

    Ich finde, dass Ihr Euch ganz schön habt reinlegen lassen. Unbezahlte Werbung für Haller halt...

  • 12.03.2013 14:46 Uhr

    von Anke:

    Meine Güte, ist das peinlich: Da diktiert ein seit über zwei Jahren pensionierter Professor seiner ehemaligen Studentin, die mehrere Jahre lang bei ihm studiert hat, seine hasserfüllten Gedanken... - und die taz druckt das auch noch ab. Ich finde es ethisch höchst problematisch, dass Herrn Haller hier die Gelegenheit gegeben wird, seinen Nachfolger und jede Menge Studierende zu diskreditieren. Hier kann offensichtlich ein alter Mann nicht loslassen. Dieses Psychomuster (lieber den Nachfolger öffentlich runterputzen als einzugestehen, dass es auch ohne einen selbst geht) ist bei alten Männern ja bekannt. Aber als taz-Leserin fühle ich mich peinlich berührt, dass sich eine gute linke Tageszeitung dafür als Plattform hergibt. Liebe Frau Dobmeier, mit diesem Artikel erweisen Sie weder Ihrer Alma Mater noch sich selbst einen guten Dienst, denn der Artikel ist in meinen Augen handwerklich schlecht gemacht und ethisch bedenklich.

  • 12.03.2013 10:32 Uhr

    von Detlev:

    Wer heute Journalistik studiert, sollte nicht die Absicht haben, auch als Journalist zu arbeiten. Andernfalls ist es was für Leute, die sich gene als 'Fakir' fühlen wollen: nackt und arm leben, kein Geld, viel Druck und das Nirwana suchen.
    Perspektivloser kann ein Job nicht sein, zumal die 'erfolgreichen' Absolventen wahrscheinlich drei oder vier Jahre mit Praktika verbringen, bevor der erste Arbeitgeber 'zuschlägt'.

  • 12.03.2013 09:19 Uhr

    von ein_name:

    ergänzend vielleicht dazu: Ein Mann, ein Buch (2010) von der SZ. http://www.sueddeutsche.de/karriere/universitaet-leipzig-ein-mann-ein-buch-1.1031195

  • 12.03.2013 08:49 Uhr

    von FaktenStattFiktion:

    @Fred
    Die Zahl entstammt einer unabhängigen Studie.


    Sie können ja mal die FAZ und Welt auf konservative Artikel durchforsten. Nehmen Sie sich ruhig viel Zeit, es bleibt ohnehin nur Henryk M. Broder übrig.

    Der Linksrutsch der CDU und SPD ist offenkundig und wir nicht einmal mehr von der taz geleugnet. Wenn die (ehemals) konservativen Blätter nun noch mehr Sozialismus einfordern, ist die Sachlage eindeutig.

  • 12.03.2013 07:31 Uhr

    von Frederic Helmgescheidt:

    11.03.2013 23:38 Uhr
    von FaktenStattFiktion:
    "Eine Uni, welche bis 1989 ausschließlich SED-Popagandisten ausbildete soll also mit kaipum verändertem Personal 12 Jahre später "die besten Journalisten" ausgebildet haben."

    Ja, warum nicht? Also ich komme in Leipzig selten, dazu an SED und Kommunismus denken zu müssen.

    "Aber da über 70 Prozent der Journalisten Linksgrün sind, ist dies ohnehin egal."

    Gehts noch? Schlag mal Focus, Bild, die Welt und FAZ auf. Da kannste mal sehen, wie Deutschland vor linksgrünen Journalisten nur so überflutet wird... Nicht mal der Leipziger Volkszeitung selbst, kann man dieses Etikett aufdrücken. Da wäre eher noch Platz nach oben.

  • 11.03.2013 23:38 Uhr

    von FaktenStattFiktion:

    Eine Uni, welche bis 1989 ausschließlich SED-Popagandisten ausbildete soll also mit kaipum verändertem Personal 12 Jahre später "die besten Journalisten" ausgebildet haben.

    Wurde statt an die "besten" vielleicht eher an "linkslastige" Journalisten gedacht ?

    Aber da über 70 Prozent der Journalisten Linksgrün sind, ist dies ohnehin egal.

  • 11.03.2013 23:10 Uhr

    von beila beila beila:

    Es gibt immer noch Top-Absolventen in Leipzig. Das liegt vor allem daran, dass sie schon als sehr gute Leute hingekommen sind. Wer vorher kaum Erfahrung hat, wird es im Volo schwer haben.

    "Machill ist keiner, vor dem die Studenten Ehrfurcht haben – eher Angst." - das stimmt nur zum Teil. Leider ist es so, dass viele neue Studenten die Qualität des Studiums und v.a. die Qualitäten von Machill gar nicht richtig reflektieren. Das heißt: Sie finden Machill gut, weil sie nichts anderes kennen.

    @biowurst:
    das ist tatsächlich interessant. Weil es angeblich noch gar nicht entschieden ist:
    http://www.uni-leipzig.de/journalistik/index.php?id=422

  • 11.03.2013 21:11 Uhr

    von joy:

    Gibt es irgendwelche konkrete Beweise
    für Hallers Können! Gibt es konkrete
    Namen von Absolventen Hallers die für
    Deutschland gravierende Skandale aufdeckten?

    Form und Stil ist wichtig, aber Inhalte
    sind entscheidend!
    Der Sachsensumpf konnte jedenfalls lange
    trotz Superjournalismusuni unbehelligt gedeihen!

    Lehrte Herr Prof. Hallers auch, wie man die
    Rolle als Vierte Gewalt im Staat brauchbar ausfüllt?
    Da haben sicherlich andere Institute
    eine viel glaubwürdigere Moral.

    Mir ist gerade im Bereich Verbrechensanalyse
    und krimineller Filz die Journalistengeneration
    Hallers + Nachfolger blind und feige!

    Journalisten sollten durchaus von
    Kriminalistik, Wirtschaft, Volkswirtschaft,
    Gesundheit, Bildung, Wissenschaft Ahnung haben, um eben auch pluralistische
    und komplementäre Sichtweisen entwickeln zu können.

    Bei den gravierenden Problemen der heutigen
    Gesellschaft ist Schreibstil nicht entscheidend,
    sondern professionelle Themenauseinandersetzung.

    Ein Klima ständiger Ressentiments, Schmähungen
    und versteckter Unkenrufe, Professorenmobbings
    und Geldverknappung trägt sicherlich nicht
    zur Entfaltung irgendeiner dortigen Persönlichkeit
    bei!
    Das Verhältnis von StudentInnen und ProfessorInnen
    muss in quantitativer Hinsicht miserabel gewesen sein. Bei derartiger Überlastung des Lehrpersonals
    ist an innovativer Schaffenskraft
    und Vorzüglichkeit der Lehre kaum zu denken.

    Kooperationen mit Instituten für
    Verbrechensanalys, Risiko-und Konfliktforschung,
    ethischen Fakultäten, Statistikinstituten
    wären zwingend erforderlich!

    Der Grund ist wohl weniger Haller, als eine
    vorsätzliche Unterfinanzierung des Studiengangs
    zur Marginalisierung neuer heranwachsender
    Journalismusgenerationen von Seiten autoritärer
    Bildungs-/Kultur- und Finanzministerien.
    Schlechte Absolventen können weniger hart
    die Politik angreifen, weil sie täglich um ihre
    Existenz zu fürchten haben.

  • 11.03.2013 20:05 Uhr

    von biowurst:

    Hinter vorgehaltener Hand?
    Machill hat unlängst über den Verteiler die neue Journalistik-Broschüre verschickt (die übrigens Journalsitik-Student_innen im Rahmen eines Seminars erstellen müssen - was das mit journalistischer Praxis und Lehre zu tun hat, sollte mal laut gefragt werden!). Darin ein Organigramm, in dem ganz eindeutig sein langjähriger "Ziehsohn" auf dem Junior-Professor-Platz genannt steht.

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