Die Wucht der Lebensmittelskandale: Wir können das System ändern – als bewusste Verbraucher und als Bürger, die sich gegen die Agrarindustrie einmischen.von Manfred Kriener
um wieder zum thema zurück zu gelangen: der artikel sollte keine schuldfrage produzieren! es geht um die entfremdung des essens!!
was die industrie produziert, sind keine lebensmittel!
es ist gewalt! gewalt gg. Mensch, Tier und Natur...
der wirklich strittige punkt: wann werden diese vorgänge gegen die körperliche unversehrtheit von lebewesen endlich strafbar?
14.03.2013 17:36 Uhr
von friedliche Religionen:
@ tsitra Bei christlichen, jüdischen und islamischen Religionen wird man zur Friedfertigkeit gegenüber Tieren wohl nicht viel finden. Schlachtopfer -besonders von als unschuldig angesehenen Tieren wie dem Lamm- sind wichtiger Teil dieser Religionen. Sie werden angeblich von dem jeweiligen Gott -ihm zu Ehren- erwartet. Ach die in fast jedem christlichen Zusammenhang durch das Kruzifix dargestellte Folterung und Tötung von Jesus verweist darauf, dass die Kirche Gott so interpretiert, dass dieser sein Kind für einen "höheren Zweck" töten ließ und die Gläubigen ihm dafür danken sollen. Gott scheint also zu wollen, dass Tiere oder eben auch ein Mensch ihm zu Ehren oder aus anderem wichtigen Grund getötet werden. Auch scheint er nach dieser Interpretation zu wollen, dass Menschen töten, denn er macht es ja nicht selbst. Du scheinst also kein Denkfehler bei der Suche nach Schlachtverboten in den religiösen Überlieferungen gemacht zu haben. Ich bin mir aber sicher, dass du in budhistischen oder hinduistischen Schriften mehr dazu findest. Viel Glück.
14.03.2013 13:12 Uhr
von D.J.:
@real günni,
schön, dass Sie sich ausgesprochen haben. Nun geht es Ihnen bestimmt besser. Noch'n Tipp zum Textverständnis: "viele Skandalisierungen als hysterisch empfinden" ungleich "alle Skandalisierungen als hysterisch empfinden".
14.03.2013 10:29 Uhr
von Susanna:
"Wie hat man dieses Hähnchen gehalten? Wie viele Flugstunden hat die Ananas hinter sich? Wo wurde der Thunfisch gefangen? Stammt der Blumenkohl aus Hybridzucht? Schmeckt der Spargel, wenn die ukrainischen Stecherbrigaden sich für 4,20 Euro den Buckel krumm schuften? Stammt das Schnitzel von der berüchtigten Pietrain-Rasse? Selbst das arglose Hühnerei wird zur Falle."
Ich bin kein Hardcore-Öko, aber den oben genannten Problemen entgeht man schon, wenn man Vegetarier ist und regional einkauft. Ganz einfach. Ohne zu moralisieren. Und wie soll man das Problem politisch in den Griff bekommen? Die Verbraucher müssen aufhören, das Signal zu senden, dass sie nur das kaufen was auch wirklich am allerallerbilligsten daher kommt.
14.03.2013 10:28 Uhr
von friedliche Religionen:
@ tsitra Bei christlichen, jüdischen und islamischen Religionen wird man zur Friedfertigkeit gegenüber Tieren wohl nicht viel finden. Schlachtopfer -besonders von als unschuldig angesehenen Tieren wie dem Lamm- sind wichtiger Teil dieser Religionen. Sie werden angeblich von dem jeweiligen Gott -ihm zu Ehren- erwartet. Ach die in fast jedem christlichen Zusammenhang durch das Kruzifix dargestellte Folterung und Tötung von Jesus verweist darauf, dass die Kirche Gott so interpretiert, dass dieser sein Kind für einen "höheren Zweck" töten ließ und die Gläubigen ihm dafür danken sollen. Gott scheint also zu wollen, dass Tiere oder eben auch ein Mensch ihm zu Ehren oder aus anderem wichtigen Grund getötet werden. Auch scheint er nach dieser Interpretation zu wollen, dass Menschen töten, denn er macht es ja nicht selbst. Du scheinst also kein Denkfehler bei der Suche nach Schlachtverboten in den religiösen Überlieferungen gemacht zu haben. Ich bin mir aber sicher, dass du in budhistischen oder hinduistischen Schriften mehr dazu findest. Viel Glück.
14.03.2013 07:51 Uhr
von Paul:
Immer wieder schön zu sehen, dass die Skandale der Anderen beklagt werden. Der Dauerskandal auf dieser Erde aber sind wir alle! Es ist unser meist unreflektiertes bis verlogenes Verhalten, das zu diesen Verhältnissen führt. Und das wissen wir sogar! Es waren und sind nur ein paar Gute, die sich aktiv kümmern. Und, auch das ist nichts Neues:Es wird so bleiben!
14.03.2013 01:16 Uhr
von tsitra:
Wenn mal krass gelogen und betrogen wird, dann nennt man es Skandal.
Aber ist nicht schon das übliche und normale skandalös?
Immerhin darin sind sich die Weltreligionen einig:
Den Tieren braucht man keine besonderen Rechte zuzugestehen!
Das in den allermeisten Verfassungen von demokratischen Gesellschaften garantierte Recht auf körperliche Unversehrtheit wird Tieren nicht zugestanden. Noch nicht einmal das Recht auf ein Leben ohne dauerhaftes Leid.
Bedauerlicherweise wird auch in den Schriften "die nach Gott fragen", (Bibel, Koran, Talmud,...) und große Ziele, wie Solidarität, Barmherzigkeit Mitgefühl usw., propagieren, meines Wissens kein Gebot des Mitgefühls für Tiere ausgesprochen. Ist man davon ausgegangen, dass es sich von selbst versteht Tiere nicht so brutal zu behandeln?
Das passt sehr gut zu der Wirklichkeit der Billig-Fleisch und Billig-Michprodukte Produktiion.
Ich verachte das sog. "Schächten", doch ob das deutlich schlimmer ist als die Tierquälerei in der Massentierhaltung, wage ich zu bezweifeln. Es sollte hier nicht mit zweierlei Maß gemessen werden! Grundsätzlich ist der Schlachtvorgang weitaus kürzer als das Leben des Tieres. Ich plädiere für ein gesetzliches Verbot der Schlachtung ohne Betäubung. Ich wünsche mir auch ein gesetzliches Verbot von Massentierhaltung, auch wenn Fleisch und Milch dann erheblich mehr kosten werden.
Das wäre mal ein wirklicher humaner Fortschritt! Denn: "Solange es Schlachthöfe gibt, solange wird es auch Schlachtfelder geben." sagte Leo Tolstoi
Was mich anwidert, ist die Tatsache, dass sehr oft die eigene Beteilgung an diesen Greueltaten beschwichtigt und als sehr geringfügig eingestuft wird: Die Lebensmittelkonzerne, die Bauern, die Schlächter und Metzger sollen die Schuldigen sein. Die Wahrheit ist, dass die allermeisten Menschen das Einsperren, Misshandeln und Töten dieser Kreaturen DELEGIEREN an oben genannten Akteure. Ja, der gemeine Konsument ist wohl insgeheim erleichtert und zufrieden damit, dass diese schwere, blutige, "seelenlose" und traurige Arbeit von anderen erledigt wird. Verhindern konnten die Weltreligionen das bisher nicht. Ich kenne ein paar Geschichtchen aus der Bibel und finde deren Weisheit beachtlich, doch nach ethisch wünschenswerten Maßstäben ist das insgesamt kümmerlich, wenn Tiere außen vor bleiben. Vermutlich ist das im Koran und Talmud auch nicht viel anders.
Bitte, verehrte Leserin, verehrter Leser, wo ist mein Denkfehler, was sei nicht wahr? Wie lauten die Textpassagen aus den Schriften der Weltreligionen, die unmissverständlich hässliche Gewalt an Tieren verbieten?
14.03.2013 00:53 Uhr
von tsitra:
Hallo Herr Kriener,
Ihr Artikel gefällt mir.
Aber hier was anderes: Vor bestimmt 20 Jahren haben Sie einen Artikel in der taz geschrieben "Das Fernweh der Umweltfreunde".
Das Gute daran war, dass Sie darin die Heuchler benannt haben die Wasser predigen und selbst Wein trinken. Sie haben im Grunde schon vorweggenommen, dass es massenweise Schwätzer/innen gibt bei den Grünwählern. Eben das, was in den letzten Jahren überdeutlich geworden ist.
Schwierig fand ich dennoch, dass Sie im Artikel damals den "normalen" SPD- oder CDU-Wähler (der sich damals durch seine Stimmabgabe ja weitgehend gegen ökologischen Umbau gesperrt hat) "rehabilitieren" wollten, weil er zumeist weniger Kilometer pro Jahr zurücklegt. Da ist einerseits viel Wahres d'ran aber anderseits ist das auch eine bedenkliche Sehweise.
Wie dem auch sei, 67% sind laut Umfragen seit vielen Jahren gegen Atomkraft, aber nur paar Prozent fördern die hässliche Plutoniumwirtschaft NICHT, indem sie keinen "Plutoniumstrom" bzw. "Atomstrom" kaufen. Das hatten Sie damals gewissermaßen vorausgesagt, eine soziologische Leistung!
14.03.2013 00:16 Uhr
von Schelm:
Ernüchternde und erhellende Analyse. Toller Artikel. Viele sehen das Problem, doch der Fleischkonsum sinkt nicht; Es ist das Lustigste überhaupt, dass wie uns über Skandale in der Lebensmittelindustrie wundern, während die "Skandale" doch eigentlich nur entlarven, dass fast die ganze Industrie der Skandal an sich ist. Und dennoch schafft es so gut wie niemand, sich völlig jenseits davon zu ernähren.
13.03.2013 19:11 Uhr
von the real günni:
@D.J.
zu falsch. ich bin papst, und frage mich, was sie da schreiben. wer verfaelscht hier was, und wie, vor allem? staendiges gerede? hoeren sie doch einfach mal hin! dann geht ihnen vielleicht mal ein licht auf! und koennen gar nicht genug bekommen von dem gerede von der wirklich furchtbar boesen und vor allem absolut nicht nachhaltigen, erdoelbasierten ergo einbahnstrassen-landwirtschaft (so-called ´konventionell´), die nebenbei auch noch die fruchtbare humusschicht zerstoert, die sich ueber millionen jahre aufgebaut hat. filmtipp: good food bad food. schoenschauriger abriss der historischen zusammenhaenge ende 2. weltkrieg, riesige mengen an chemikalien (fuer giftgase) und maschinenfabriken auf einmal uebrig und nutzlos, daraus eine neue ´konventionelle´ landwirtschaft gestrickt, die kurzzeitig mehr ertraege bringt, aber die natur zertoert. jaja, die suenden der vergangenheit. in der not der nachkriegsjahre ja noch zu verstehen, aber nachdem jetzt sonnenklar ist, was fuer ein holzweg das ist (natuerlich nicht fuer die petrochemie und monopolsaatguthersteller - auch petrochemie, hoehoe) sich krampfhaft an dieser irren idee festzuhalten? beratungsresistenz heisst das phaenomen. was halten sie eigentlich von atomkraft? echt eigentlich ne super technologie, oder? mensch, einfach nur n bisschen uran anreichern, und schon hat man strom! total klasse!! uns sonst? noch fragen? ach sorry, ich bin ja echt total hysterisch, ich sollte mir mal ne scheibe abschneiden von so einem echt total coolen doctor history mit dem megadurchblick, und der alles so total bloed findet, was die anderen da immer haben. hut ab.
13.03.2013 17:25 Uhr
von John Steed:
Geld spielt bei der Qualität wohl nur eine Untergeordnete Rolle. Denn wenn ich Billigeier kaufe weil ich kein Geld habe erhalte ich die gleichen Eier wie der, der teure Bioeier kauft. Was passiert ? Der Bioeierkäufer sagt sich, was soll es, dann kann ich ja gleich die billigen kaufen. Beschissen werde ich sowieso.
Soll heissen, ein höherer Preis ist in keinster Weise eine Garantie für gute Qualität oder korrekte Produktion. Beim Essen nicht, bei der Kleidung nicht und auch sonst nirgendwo.
Ich habe es fast aufgegeben. ich koche aber wenigsten alles selbst und verzichte zu 95% auf Fertigprodukte.
13.03.2013 17:23 Uhr
von kokomiko:
Es ist doch immer wieder schön, diese Klischees zu lesen: Arm ist gleich bildungsfern...
Und bildungsfern ist gleich schlecht ernähren. Da kommt einem direkt in den Sinn, wie machen das denn die Bewohner der ärmeren Länder, da gibt es gar keine Fertiglasagne (wir kochen mit Begeisterung Rezepte dieser Regionen nach)?
Ich möchte gar nicht wirklich wissen, was so alles in einer Unimensa oder Verlagskantine verkocht wird. Aber es kann ja sein, dass die auch bildungsfern sind....
13.03.2013 16:53 Uhr
von tommy:
@Tim Leuther?
Was wollen Sie bitteschön damit andeuten? Um eines klarzustellen: Wenn Sie den Menschen ihre Hunde und Katzen (letztere mag ich nicht so, da sie grausam sind und Vögel jagen, aber gut, verbieten geht trotzdem nicht) wegnommen wollen, hört der Spaß ganz schnell auf. Es gibt Grenzen dessen, was Leute an grünen Zumutungen hinzunehmen bereit sind.
13.03.2013 16:36 Uhr
von Tim Leuther:
Vielleicht sollte mal gesagt werden wieviel Fleisch das Streichelvieh der Menschen wegfrisst. Bevor man Menschen ihren Hamburger verbietet.
Die Tierfreunde sind in der Mehrheit Katzen und Hundehalter. Und füttern ihr Streichelvieh mit Fleisch. Da man für eine Fleischkalorie ein vielfaches an Pflanzenkalorien braucht verknappen Sie das Nahrungsmittelangebot.
13.03.2013 16:32 Uhr
von Sontag:
"Wirklich betroffen von den Skandalen sind für Hilgers vor allem jene Bevölkerungsschichten, die sich mit Junkfood und Fertiggerichten ohnehin schlecht ernähren: „Die können nicht aussteigen aus diesem System!“ Ihnen fehlten Geld, Muße und Bewusstsein, um mit frischen Zutaten selbst zu kochen und damit Herr über den eigenen Kochtopf zu sein, um so möglichen Gefahren oder Fälschungen auszuweichen."
Immer wieder gerne angeführt, aber deshalb nicht wahrer. Pfannkuchenteig aus der Plastikflasche ist teurer als Eier, Milch und Mehl. Ein wesentlicher Grund ist das mangelnde Bedürfnis nach Selbstfürsorge. Sprich: Es ist den Leuten schlicht egal, was sie in sich reinstopfen.
13.03.2013 16:03 Uhr
von tommy:
Schönes Hundebild!
13.03.2013 15:31 Uhr
von D.J.:
"Zwei Pakete Pferdelasagne für 4,98 Euro müssten im Zweifelsfall die Mäuler einer vierköpfigen Familie stopfen. Diese ärmeren, bildungsferneren Schichten würden die Skandale fast regungslos hinnehmen, ..."
Zu einfach. Ich bin promovierter Wissenschaftler und empfinde viele Skandalisierungen als hysterisch. Liegt vielleicht auch daran, dass ich Historiker bin und das ständige Gerede von der bösen idustriellen landwirtschaft vs. gesunde vorindustrielle Landwirtschaft als grobe Geschichtsfälschung erkenne (O.K., meist nicht bewusst, sondern auf Grundlage seltsam-romantisierender Vorstellungen). Gerde Schimmelpilze waren in der vorindustriellen landwirtschaft eine ganz und gar existentielle Gefahr. Und Regionalität war eher Fluch als Segen (regionale Hungersnöte aufgrund unzureichender Transportmöglichkeiten).
13.03.2013 15:27 Uhr
von Gonzi:
Mein Bauchgefühl sagt mir, wer kein oder wenig Geld hat, kann sich teures Essen nicht leisten.
Aber wenigstens das hat Bündnis90/Die Grünen doch bei den Hartz IV Gesetzen berücksichtigt, oder?
Leserkommentare
02.04.2013 08:29 Uhr
von karl:
um wieder zum thema zurück zu gelangen: der artikel sollte keine schuldfrage produzieren! es geht um die entfremdung des essens!!
was die industrie produziert, sind keine lebensmittel!
es ist gewalt! gewalt gg. Mensch, Tier und Natur...
der wirklich strittige punkt: wann werden diese vorgänge gegen die körperliche unversehrtheit von lebewesen endlich strafbar?
14.03.2013 17:36 Uhr
von friedliche Religionen:
@ tsitra
Bei christlichen, jüdischen und islamischen Religionen wird man zur Friedfertigkeit gegenüber Tieren wohl nicht viel finden. Schlachtopfer -besonders von als unschuldig angesehenen Tieren wie dem Lamm- sind wichtiger Teil dieser Religionen. Sie werden angeblich von dem jeweiligen Gott -ihm zu Ehren- erwartet. Ach die in fast jedem christlichen Zusammenhang durch das Kruzifix dargestellte Folterung und Tötung von Jesus verweist darauf, dass die Kirche Gott so interpretiert, dass dieser sein Kind für einen "höheren Zweck" töten ließ und die Gläubigen ihm dafür danken sollen. Gott scheint also zu wollen, dass Tiere oder eben auch ein Mensch ihm zu Ehren oder aus anderem wichtigen Grund getötet werden. Auch scheint er nach dieser Interpretation zu wollen, dass Menschen töten, denn er macht es ja nicht selbst.
Du scheinst also kein Denkfehler bei der Suche nach Schlachtverboten in den religiösen Überlieferungen gemacht zu haben.
Ich bin mir aber sicher, dass du in budhistischen oder hinduistischen Schriften mehr dazu findest. Viel Glück.
14.03.2013 13:12 Uhr
von D.J.:
@real günni,
schön, dass Sie sich ausgesprochen haben. Nun geht es Ihnen bestimmt besser. Noch'n Tipp zum Textverständnis: "viele Skandalisierungen als hysterisch empfinden" ungleich "alle Skandalisierungen als hysterisch empfinden".
14.03.2013 10:29 Uhr
von Susanna:
"Wie hat man dieses Hähnchen gehalten? Wie viele Flugstunden hat die Ananas hinter sich? Wo wurde der Thunfisch gefangen? Stammt der Blumenkohl aus Hybridzucht? Schmeckt der Spargel, wenn die ukrainischen Stecherbrigaden sich für 4,20 Euro den Buckel krumm schuften? Stammt das Schnitzel von der berüchtigten Pietrain-Rasse? Selbst das arglose Hühnerei wird zur Falle."
Ich bin kein Hardcore-Öko, aber den oben genannten Problemen entgeht man schon, wenn man Vegetarier ist und regional einkauft. Ganz einfach. Ohne zu moralisieren. Und wie soll man das Problem politisch in den Griff bekommen? Die Verbraucher müssen aufhören, das Signal zu senden, dass sie nur das kaufen was auch wirklich am allerallerbilligsten daher kommt.
14.03.2013 10:28 Uhr
von friedliche Religionen:
@ tsitra
Bei christlichen, jüdischen und islamischen Religionen wird man zur Friedfertigkeit gegenüber Tieren wohl nicht viel finden. Schlachtopfer -besonders von als unschuldig angesehenen Tieren wie dem Lamm- sind wichtiger Teil dieser Religionen. Sie werden angeblich von dem jeweiligen Gott -ihm zu Ehren- erwartet. Ach die in fast jedem christlichen Zusammenhang durch das Kruzifix dargestellte Folterung und Tötung von Jesus verweist darauf, dass die Kirche Gott so interpretiert, dass dieser sein Kind für einen "höheren Zweck" töten ließ und die Gläubigen ihm dafür danken sollen. Gott scheint also zu wollen, dass Tiere oder eben auch ein Mensch ihm zu Ehren oder aus anderem wichtigen Grund getötet werden. Auch scheint er nach dieser Interpretation zu wollen, dass Menschen töten, denn er macht es ja nicht selbst.
Du scheinst also kein Denkfehler bei der Suche nach Schlachtverboten in den religiösen Überlieferungen gemacht zu haben.
Ich bin mir aber sicher, dass du in budhistischen oder hinduistischen Schriften mehr dazu findest. Viel Glück.
14.03.2013 07:51 Uhr
von Paul:
Immer wieder schön zu sehen, dass die Skandale der Anderen beklagt werden. Der Dauerskandal auf dieser Erde aber sind wir alle! Es ist unser meist unreflektiertes bis verlogenes Verhalten, das zu diesen Verhältnissen führt. Und das wissen wir sogar! Es waren und sind nur ein paar Gute, die sich aktiv kümmern. Und, auch das ist nichts Neues:Es wird so bleiben!
14.03.2013 01:16 Uhr
von tsitra:
Wenn mal krass gelogen und betrogen wird, dann nennt man es Skandal.
Aber ist nicht schon das übliche und normale skandalös?
Immerhin darin sind sich die Weltreligionen einig:
Den Tieren braucht man keine besonderen Rechte zuzugestehen!
Das in den allermeisten Verfassungen von demokratischen Gesellschaften
garantierte Recht auf körperliche Unversehrtheit wird Tieren nicht zugestanden.
Noch nicht einmal das Recht auf ein Leben ohne dauerhaftes Leid.
Bedauerlicherweise wird auch in den Schriften "die nach Gott fragen", (Bibel, Koran, Talmud,...)
und große Ziele, wie Solidarität, Barmherzigkeit Mitgefühl usw., propagieren,
meines Wissens kein Gebot des Mitgefühls für Tiere ausgesprochen.
Ist man davon ausgegangen, dass es sich von selbst versteht Tiere nicht so brutal zu behandeln?
Das passt sehr gut zu der Wirklichkeit der Billig-Fleisch und Billig-Michprodukte Produktiion.
Ich verachte das sog. "Schächten", doch ob das deutlich schlimmer ist als die Tierquälerei in der
Massentierhaltung, wage ich zu bezweifeln. Es sollte hier nicht mit zweierlei Maß gemessen werden!
Grundsätzlich ist der Schlachtvorgang weitaus kürzer als das Leben des Tieres.
Ich plädiere für ein gesetzliches Verbot der Schlachtung ohne Betäubung.
Ich wünsche mir auch ein gesetzliches Verbot von Massentierhaltung, auch wenn
Fleisch und Milch dann erheblich mehr kosten werden.
Das wäre mal ein wirklicher humaner Fortschritt! Denn:
"Solange es Schlachthöfe gibt, solange wird es auch Schlachtfelder geben." sagte Leo Tolstoi
Was mich anwidert, ist die Tatsache, dass sehr oft die eigene Beteilgung an diesen Greueltaten
beschwichtigt und als sehr geringfügig eingestuft wird:
Die Lebensmittelkonzerne, die Bauern, die Schlächter und Metzger sollen die Schuldigen sein. Die Wahrheit
ist, dass die allermeisten Menschen das Einsperren, Misshandeln und Töten dieser Kreaturen DELEGIEREN
an oben genannten Akteure.
Ja, der gemeine Konsument ist wohl insgeheim erleichtert und zufrieden damit, dass diese schwere, blutige, "seelenlose" und traurige Arbeit von anderen erledigt wird.
Verhindern konnten die Weltreligionen das bisher nicht. Ich kenne ein paar Geschichtchen aus der Bibel und finde deren Weisheit beachtlich, doch nach ethisch wünschenswerten Maßstäben ist das insgesamt
kümmerlich, wenn Tiere außen vor bleiben.
Vermutlich ist das im Koran und Talmud auch nicht viel anders.
Bitte, verehrte Leserin, verehrter Leser, wo ist mein Denkfehler, was sei nicht wahr?
Wie lauten die Textpassagen aus den Schriften der Weltreligionen, die unmissverständlich
hässliche Gewalt an Tieren verbieten?
14.03.2013 00:53 Uhr
von tsitra:
Hallo Herr Kriener,
Ihr Artikel gefällt mir.
Aber hier was anderes:
Vor bestimmt 20 Jahren haben Sie einen Artikel in der taz geschrieben "Das Fernweh der Umweltfreunde".
Das Gute daran war, dass Sie darin die Heuchler benannt haben die Wasser predigen und selbst Wein trinken.
Sie haben im Grunde schon vorweggenommen, dass es
massenweise Schwätzer/innen gibt bei den Grünwählern.
Eben das, was in den letzten Jahren überdeutlich geworden ist.
Schwierig fand ich dennoch, dass Sie im Artikel damals den "normalen" SPD- oder CDU-Wähler (der sich damals durch seine Stimmabgabe ja weitgehend gegen ökologischen Umbau gesperrt hat) "rehabilitieren" wollten, weil er zumeist weniger Kilometer pro Jahr zurücklegt.
Da ist einerseits viel Wahres d'ran aber anderseits
ist das auch eine bedenkliche Sehweise.
Wie dem auch sei, 67% sind laut Umfragen seit vielen Jahren gegen Atomkraft, aber nur paar Prozent fördern
die hässliche Plutoniumwirtschaft NICHT, indem sie keinen "Plutoniumstrom" bzw. "Atomstrom" kaufen.
Das hatten Sie damals gewissermaßen vorausgesagt,
eine soziologische Leistung!
14.03.2013 00:16 Uhr
von Schelm:
Ernüchternde und erhellende Analyse. Toller Artikel. Viele sehen das Problem, doch der Fleischkonsum sinkt nicht; Es ist das Lustigste überhaupt, dass wie uns über Skandale in der Lebensmittelindustrie wundern, während die "Skandale" doch eigentlich nur entlarven, dass fast die ganze Industrie der Skandal an sich ist. Und dennoch schafft es so gut wie niemand, sich völlig jenseits davon zu ernähren.
13.03.2013 19:11 Uhr
von the real günni:
@D.J.
zu falsch. ich bin papst, und frage mich, was sie da schreiben. wer verfaelscht hier was, und wie, vor allem? staendiges gerede? hoeren sie doch einfach mal hin! dann geht ihnen vielleicht mal ein licht auf! und koennen gar nicht genug bekommen von dem gerede von der wirklich furchtbar boesen und vor allem absolut nicht nachhaltigen, erdoelbasierten ergo einbahnstrassen-landwirtschaft (so-called ´konventionell´), die nebenbei auch noch die fruchtbare humusschicht zerstoert, die sich ueber millionen jahre aufgebaut hat. filmtipp: good food bad food. schoenschauriger abriss der historischen zusammenhaenge ende 2. weltkrieg, riesige mengen an chemikalien (fuer giftgase) und maschinenfabriken auf einmal uebrig und nutzlos, daraus eine neue ´konventionelle´ landwirtschaft gestrickt, die kurzzeitig mehr ertraege bringt, aber die natur zertoert. jaja, die suenden der vergangenheit. in der not der nachkriegsjahre ja noch zu verstehen, aber nachdem jetzt sonnenklar ist, was fuer ein holzweg das ist (natuerlich nicht fuer die petrochemie und monopolsaatguthersteller - auch petrochemie, hoehoe) sich krampfhaft an dieser irren idee festzuhalten? beratungsresistenz heisst das phaenomen. was halten sie eigentlich von atomkraft? echt eigentlich ne super technologie, oder? mensch, einfach nur n bisschen uran anreichern, und schon hat man strom! total klasse!! uns sonst? noch fragen? ach sorry, ich bin ja echt total hysterisch, ich sollte mir mal ne scheibe abschneiden von so einem echt total coolen doctor history mit dem megadurchblick, und der alles so total bloed findet, was die anderen da immer haben. hut ab.
13.03.2013 17:25 Uhr
von John Steed:
Geld spielt bei der Qualität wohl nur eine Untergeordnete Rolle. Denn wenn ich Billigeier kaufe weil ich kein Geld habe erhalte ich die gleichen Eier wie der, der teure Bioeier kauft.
Was passiert ? Der Bioeierkäufer sagt sich, was soll es, dann kann ich ja gleich die billigen kaufen. Beschissen werde ich sowieso.
Soll heissen, ein höherer Preis ist in keinster Weise eine Garantie für gute Qualität oder korrekte Produktion. Beim Essen nicht, bei der Kleidung nicht und auch sonst nirgendwo.
Ich habe es fast aufgegeben. ich koche aber wenigsten alles selbst und verzichte zu 95% auf Fertigprodukte.
13.03.2013 17:23 Uhr
von kokomiko:
Es ist doch immer wieder schön, diese Klischees zu lesen: Arm ist gleich bildungsfern...
Und bildungsfern ist gleich schlecht ernähren. Da kommt einem direkt in den Sinn, wie machen das denn die Bewohner der ärmeren Länder, da gibt es gar keine Fertiglasagne (wir kochen mit Begeisterung Rezepte dieser Regionen nach)?
Ich möchte gar nicht wirklich wissen, was so alles in einer Unimensa oder Verlagskantine verkocht wird. Aber es kann ja sein, dass die auch bildungsfern sind....
13.03.2013 16:53 Uhr
von tommy:
@Tim Leuther?
Was wollen Sie bitteschön damit andeuten? Um eines klarzustellen: Wenn Sie den Menschen ihre Hunde und Katzen (letztere mag ich nicht so, da sie grausam sind und Vögel jagen, aber gut, verbieten geht trotzdem nicht) wegnommen wollen, hört der Spaß ganz schnell auf. Es gibt Grenzen dessen, was Leute an grünen Zumutungen hinzunehmen bereit sind.
13.03.2013 16:36 Uhr
von Tim Leuther:
Vielleicht sollte mal gesagt werden wieviel Fleisch das Streichelvieh der Menschen wegfrisst. Bevor man Menschen ihren Hamburger verbietet.
Die Tierfreunde sind in der Mehrheit Katzen und Hundehalter. Und füttern ihr Streichelvieh mit Fleisch. Da man für eine Fleischkalorie ein vielfaches an Pflanzenkalorien braucht verknappen Sie das Nahrungsmittelangebot.
13.03.2013 16:32 Uhr
von Sontag:
"Wirklich betroffen von den Skandalen sind für Hilgers vor allem jene Bevölkerungsschichten, die sich mit Junkfood und Fertiggerichten ohnehin schlecht ernähren: „Die können nicht aussteigen aus diesem System!“ Ihnen fehlten Geld, Muße und Bewusstsein, um mit frischen Zutaten selbst zu kochen und damit Herr über den eigenen Kochtopf zu sein, um so möglichen Gefahren oder Fälschungen auszuweichen."
Immer wieder gerne angeführt, aber deshalb nicht wahrer. Pfannkuchenteig aus der Plastikflasche ist teurer als Eier, Milch und Mehl. Ein wesentlicher Grund ist das mangelnde Bedürfnis nach Selbstfürsorge. Sprich: Es ist den Leuten schlicht egal, was sie in sich reinstopfen.
13.03.2013 16:03 Uhr
von tommy:
Schönes Hundebild!
13.03.2013 15:31 Uhr
von D.J.:
"Zwei Pakete Pferdelasagne für 4,98 Euro müssten im Zweifelsfall die Mäuler einer vierköpfigen Familie stopfen. Diese ärmeren, bildungsferneren Schichten würden die Skandale fast regungslos hinnehmen, ..."
Zu einfach. Ich bin promovierter Wissenschaftler und empfinde viele Skandalisierungen als hysterisch. Liegt vielleicht auch daran, dass ich Historiker bin und das ständige Gerede von der bösen idustriellen landwirtschaft vs. gesunde vorindustrielle Landwirtschaft als grobe Geschichtsfälschung erkenne (O.K., meist nicht bewusst, sondern auf Grundlage seltsam-romantisierender Vorstellungen). Gerde Schimmelpilze waren in der vorindustriellen landwirtschaft eine ganz und gar existentielle Gefahr. Und Regionalität war eher Fluch als Segen (regionale Hungersnöte aufgrund unzureichender Transportmöglichkeiten).
13.03.2013 15:27 Uhr
von Gonzi:
Mein Bauchgefühl sagt mir, wer kein oder wenig Geld hat, kann sich teures Essen nicht leisten.
Aber wenigstens das hat Bündnis90/Die Grünen doch bei den Hartz IV Gesetzen berücksichtigt, oder?