• 24.03.2013

Kirche und Uni

Langsamer Abschied vom Gottesstaat

Bayerns Bischöfe dürfen bei Professuren mitreden – selbst in weltlichen Fächern wie Soziologie. Sie wollen sich nun enthalten. Vielen reicht das nicht.von Bernd Kramer

  • 25.03.2013 14:28 Uhr

    von Umdenker:

    @D.J.
    Vielen Dank für den Link zum historischen Hintergrund. Man neigt ja doch bei Kirche/Staat Themen schnell mal zu reaktionärer Schnappatmung. Doch wie du auch schreibst, gibt es nach heutiger Rechtslage nicht viel zu diskutieren. In öffentlichen Bildungseinrichtungen haben "Sonderregeln" fuer die katholische Kirche einfach nichts verloren und damit ist das Thema gegessen. Erst recht bei sowas Wichtigem wie Personalentscheidungen hat ein geordenetes standardisiertes Auswahlverfahren stattzufinden.

  • 25.03.2013 11:36 Uhr

    von BRAMAN:

    Da hat soch das 'Feuerbach syndrom' wieder mal seine volle Wirkung gezeigt, bei uns in der BRD, im 21. Jahrhundert. MfG: M.B.

  • 25.03.2013 09:43 Uhr

    von drui:

    "Im selben Bistum scheiterte die Universität Bamberg im Jahr 2006, eine Lehrstuhlvertretung in Philosophie mit ihrem Favoriten zu besetzen. Nach einer informellen Voranfrage bei Erzbischof Ludwig Schick habe man sich für einen anderen Kandidaten entschieden, bestätigt Uni-Rektor Godehard Ruppert der taz. Begründet habe die Kirche ihre Bedenken nicht."

    Kurz vorher hatte Erzbischof Schick sein Veto auch gegen die Besetzung des Soziologie-Lehrstuhls I in Bamberg eingelegt, der Professor ist dann schnell in die katholische Kirche eingetreten und schon hat es geklappt mit dem neuen Job. Auch in Erlangen gab es danach einen ähnlichen Fall in der Soziologie. Praktisch alle bekannten Soziologie-ProfessorINNen in Bayern können nur mit Duldung der katholischen Bischöfe dort ernannt werden (und müssen Kirchenmitglied sein). Oft werden Lehrstühle für ein bis zwei Semester nicht besetzt, weil einem verkalkten Bischof etwas nicht passt und ein langwieriger Berufungsprozess von vorne beginnen muss.

  • 25.03.2013 00:46 Uhr

    von Wolfgang Banse:

    Staat und Kirche sind in Dweutschland getrennt,dies sollte auch im Bildungsbereich zum Tragen kopmmen.Die Kirche,die Kirchen sollten nur wenn es um konfessionelle Bildungseinrichtungen es sich handelt, Mitspracherecht haben,was die Einstellung von Personal anbetrifft.

  • 24.03.2013 16:42 Uhr

    von Freigeist:

    Wie in dem Film 'Lautlose Eroberung' gezeigt wird, steht die Justiz in ganz Europa, in Kanada und sogar in den Vereinigten Staaten, in Ländern mit großen muslimischen Minderheiten, unter dem Druck, Beschränkungen der Redefreiheit durch die Scharia zu übernehmen.

    Das Ergebnis ist, dass an viele Orten, einschließlich Dänemarks, es heute ein Vergehen ist irgendetwas Negatives über den Islam oder den Propheten Mohammed zu sagen, egal ob solche Äußerungen sachlich sind oder nicht. Das Konzept, dass sogar beleidigende Aussagen geschützt sind – das ist die Grundlage des Ersten amerikanischen Verfassungszusatzes – bricht in sich zusammen.

    Auch wenn diejenigen, die den Islam beleidigt haben, hinterher freigesprochen werden, wie Hedegaard selbst nach einem aufreibendem Rechtsverfahren, nehmen empörte Muslime die Dinge in ihre Hände - Hedegaard entkam nur knapp einem Attentatsversuch im Februar als ein muslimischer Migrant, der sich als Postbote verkleidet hatte, versuchte ihn zu erschießen.

    Ein weiterer Däne, der Karikaturist Kurt Westergaard, der die berühmte Mohammed Karikatur gezeichnet hatte, überlebte zwei Anschläge von messerschwingenden Migranten und lebt heute unter permanentem Polizeischutz.
    http://europenews.dk/de/node/65736

  • 24.03.2013 16:31 Uhr

    von D.J.:

    Sachlich zu den historischen Gründen:

    http://www.miz-online.de/node/88

    Die vor hundert Jahren tatsächlich vorhandene Benachteiligung katholischer Bewerber gegenüber Protestanten kann natürlich heute in keiner Weise als Rechtfertigung für die Weiterexistenz dieser Lehrstühle herhalten. Ebensowenig die Enteignungen durch die Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts heute noch für die Bezahlung der Bischöfe durch den Staat.

  • 24.03.2013 15:55 Uhr

    von Sundance:

    Ja, ja, die katholische Kirche und ihre mutigen Kritiker.

    http://europenews.dk/de/node/65813

  • 24.03.2013 15:22 Uhr

    von mudda:

    soziologie ist eine religion.
    eine sehr gefährliche
    übrigens.

  • 24.03.2013 15:13 Uhr

    von Celsus:

    Da gibt es also Bischöfe, die ihr Amt nich tauf eine demokratische Legitmation zurückführen, die aber doch bei Professuren staatlicher Universitäten mitreden dürfen. Das find eich allerdings sehr erstaunlich.

    Udn selbst ein ruhendes Recht auf Mitsprache macht Gespräche im Hintergrund viel wirksamer und bietet die Möglichkeit dochmal wieder einzugreifen.

    Mal ganz abgesehen davon kann ich nicht einsehen, warum bis heute noch gemäß dem unter Hitler abgeshclossenen Konkrodat Bischöfe vom Staat bezahlt werden. Aber es geht ja noch viel weiter:

    An anderen Stellen wie zum Beispiel kirchlichen Kindergärten und Krankhäusern bestimmt die Kirche allein das Personal und entlässt es bei sexuellen Verfehlungen wie einer Wiederheirat. Da kommen glatt Priester nach einem Missbrauch besser weg. Versetzt wurden die meist nur und ich wüsste nicht, dass es heute anders wäre.

    Aber der Staat hat alle Kosten des Unterhalts von Kindergarten, Schule, Hochschule oder Krankenhaus in katholischer Trägerschaft dann getragen. Eine Kündigung und das Leben dieser Menschen ist zerstört und die Sozialersicherung kommt für die Kosten der Kündigung auf.

  • 24.03.2013 14:32 Uhr

    von oranier:

    "Nach der Ankündigung der Bischöfe hat sie dem Bundesverfassungsgericht daher geschrieben, dass sie ihre Beschwerde aufrechterhalte. Noch hat Karlsruhe nicht entschieden, ob es sich der Sache annehmen wird."

    Ein hoffnungsloses Unterfangen. Seit 1949 auf Bundesebene mehrfach durchexerziert. Das Problem: Das Konkordat ist ein internationaler zwischenstaatlicher Vertrag. Dafür ist das BVerfG ausdrücklich nicht zuständig. Der Vertrag kann als solcher nur mit Einverständnis der beteiligten Parteien verändert werden, in dem Fall: Freistaat Bayern und Vatikan, genauer: Hl. Stuhl als Völkerrechtssubjekt.

  • 24.03.2013 14:19 Uhr

    von Kotzbrech:

    Man fällt vom Glauben ab ! Da haben also die Hohen Priester dieser Mummenschanz-Sekte ein Veto-Recht bei der Entscheidung darüber , ob jemand wie Frau Wessels Professorin im Fach Philosophie werden kann . Und das basierend auf Rechtspositionen , die in direkter Linie auf das mittelalterliche kaiserlich-fürstliche Gottesgnadentum zurückreichen ! Man hält's im Kopf nicht aus ! Im 21.Jahrhundert !
    Ecrasez l'INFAME !

  • 24.03.2013 14:17 Uhr

    von hukobe:

    Hallo Christian, weshalb bist Du verwirrt? Die Kirche zahlt nie für irgenetwas. Selbst für ihre Bischöfe kommt der Steuerzahler auf, sie werden vom Staat bezahlt.
    Kirchliche Einrichtungen, in denen Angestellte gemaßregelt werden, weil sie bsw geschieden sind, werden zu großem Teil vom Steuerzahler unterhalten.
    Besonders erheiternd wirkt in diesem Zusammenhang der neue Papst, der von einer „ armen Kirche" faselt. Damit meint er nicht etwa die finanzielle Unterstützung der Armen dieser Welt durch die katholosche Kirche, sondern er bereits die Gläubigen dazu aufgrufen, sich der Armut in der Welt anzunehmen.

  • 24.03.2013 13:43 Uhr

    von und zu:

    @Christian:

    Der Staat betreibt das offensichtlich als "Kompensation".
    Weil der Staat irgendwie die Hoheit in seinem Lande haben wollte, um die formalen Ansprüche an eine "Nation", eine "Republik", bzw an eine "Demokratie", hat er die Kirche "teilenteignet". In Frankreich passierte das zum Beispiel ziemlich radikal, weil die Kirche mit dem König gemeinsame Sache machte und die aufgeklärten Revolutionäre Monarchie und Klerus heftigst bekämpfen mussten, um ihre Demokratie zu erringen.
    In Deutschland haben sich Klerikale teils bis ins 3. Jahrtausend (erst der Kaiser, dann kirchliche Parteien wie CDU/CSU) hinein die politische Hegemonie erhalten und darum die Kirche nicht einfach enteignet, sondern gemeinsame Sache gemacht und "Verträge" geschlossen, die hohe Geldzahlungen und politischen Einfluss zusichern, wann immer man aus Sachzwängen (z.B. Schulen für alle zu öffnen, nicht nur für Katholiken) direkten Einfluss der Kirche beschnitt.

    Bis heute fließen zum Beispiel hohe Geldbeträge als "Entschädigung" für die Verstaatlichung kirchlicher Lehen vor über 200 Jahren.

  • 24.03.2013 13:18 Uhr

    von chch:

    Hmmmm.... ist das noch jemandem aufgefallen?
    " könnte sie genau aus diesen Gründen gescheitert sein, befürchtet Wessels."
    "Was das praktisch bedeutet, bekam nicht nur Wessels zu spüren."
    Wenn der Autor sich so sicher ist, dass die Kandidatin wegen des kirchlichen Vetos gescheitert ist, wäre es doch ganz nett gewesen, zumindest ihr die Beweise zugänglich zu machen - dann könnte sie wissen, und bräuchte nicht zu befürchten.

    So fragwürdig die Konkordatsregelung ist, so fragwürdig sind auch die "logischen Schlüsse", die der Autor zieht.

  • 24.03.2013 12:57 Uhr

    von Jemand:

    Nun, gibt es umgekehrt auch:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Klausel

  • 24.03.2013 11:29 Uhr

    von Christian:

    Äh, ich bin verwirrt. Der ganze Artikel macht außerhalb eines Gottesstaates nur dann Sinn, wenn die Kirche für die entsprechenden Lehrstühle zahlt. Tut sie das?

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