• 26.03.2013

Lebenslauf-Optimierung mit Tücken

Erasmus lohnt sich nicht immer

Eine neue Studie zeigt: Für die Karriere sind Auslandssemester längst nicht so entscheidend wie oft gedacht. von Bernd Kramer

  • 27.03.2013 09:45 Uhr

    von Susanne :

    Dieser Artikel ist ärgerlich, denn er reduziert den "Nutzen" eines Studienaufenthalts im Ausland auf den finanziellen oder karrieretechnischen Ertrag. DArum geht es aber bei einem Auslandsaufenthalt wenn überhaupt nur in zweiter oder dritter Linie. Es geht darum, eine andere Kultur kennenzulernen und tiefere EInblicke in andere Lebensweisen zu erhalten, als das bei einer Urlaubsreise möglich ist. Ich bin einigermaßen entsetzt, dass die taz das Gefasel von der Lebenslaufoptimierung so kritiklos nachplappert.

  • 27.03.2013 07:39 Uhr

    von Karl K :

    @ et al.

    Schön, daß doch wenigstens die Kommentatoren
    bei Verstand sind.

    Und schon auf Höhe des Mittelalters im Handwerkergesellenlied
    sind:
    "… den soll man als Gesell erkennen, gar einen Meister nennen,
    der noch nirgends ist gewest;
    nur gesessen in seinem Nest?…"

    Mit Staunen habe ich früh die Briefe meines Alten aus den 20/30ern gelesen,
    wieviele seiner Mitschüler/ Kumpel/ Mitruderer im Ausland - meist beruflich waren.
    Damals ja noch ein Angang.

    Und - anders gewendet: dieses Kleben am Sessel/Nest etc
    hat die Wirtschaft ja schon innerstaatlich nach dem Krieg gefördert,
    indem sie lieber nur auf Ihrer jeweiligen " Ausbildung" bestand.
    Und die Versuche der Gewerkschaften, breit angelegte Ausbildungsstätten zu schaffen,
    torpedierte.
    " Bäckerburschen" nannten wir diese Schmalspurmechaniker, die nur am VW- Käfer Teile aus und einbauen konnten.
    An meine Mopeds ließ ich selbst BMW - Schrauber nicht dran!

    Und auf ser Ebene der Ingenieure?
    Keine Fortbildung! Und so denn -
    ist die Zahl der arbeitslosen nicht mehr vermittelbaren Ingenieure
    gleich groß der Zahl der offenen Stellen.
    Allens chlor!?

    Und der konzertierte Angriff auf die Hochschulen von Bertelsmann & Co?
    Bologna als wirtschaftsgerechte Verschulung.
    Man kann es auch Verblödung nennen.
    Und dazu paßt ganz prima die hier anstehende abwertende
    Merkantilisierung des Auslandsstudiums.

    UND - wir können sicher sein, daß gerade die daran interessierten Kreise
    ihre Brut aber so was von Hallo - Geld spielt ja keine Rolle - nach Harvard, Princeton,
    Oxbridge - oder was gerade angesagt ist - schicken.
    Nö - diesen Sand in den Augen - neje tak!
    Wilhelm Busch - aber Hallo!

  • 27.03.2013 00:44 Uhr

    von Nania:

    Ein Jahr im Ausland (oder auch nur ein halbes) dürfte sich für die Persönlichkeit fast immer gut machen.
    Leider gibt es für einige aber gar nicht erst die Möglichkeit, ein solches wahrzunehmen. Finanzierungsfragen sind das eine, die Verzögerung des Studiums, welche in 99% aller Fälle, die mir bekannt sind, damit einhergeht, nochmal eine andere.
    Ich würde gerne ins Ausland. Bin aber auch persönlich etwas gebunden und schon daher ist es nicht ganz einfach.
    Schade eigentlich.
    Und die Uni bietet auch nur eine sehr begrenzte Zahl von Plätzen an, die man nicht komplett selbst finanzieren muss.

  • 26.03.2013 22:43 Uhr

    von Hanno:

    Irgendwie traurig wie sowas diskutiert wird. "Lebenslaufoptimierung" - ist das wirklich das Ziel bei einem Auslandssemester?

    Macht man sowas nicht, um etwas spannendes zu erleben, eine gute Zeit zu haben, neue Perspektiven kennenzulernen? Ja, das lässt sich alles nicht monetär messen.

    (hatte selbst leider nie ein Auslandssemester und finde das rückblickend schade - aber nicht weil ich es nicht in meinen Lebenslauf schreiben kann :-)

  • 26.03.2013 19:41 Uhr

    von Eisvogel:

    Einst lebte ich zwei Semester in einem Studentenwohnheim. Die dort die Mehrheit stellenden Eramus-Studenten hatten die wenigen Einheimischen in der Regel auch spätestens nach dieser Frist effektiv vertrieben. Es herrschte ein derartiger Lärm und Saustall dass ernsthaft studierende Kommilitonen kein Bein an Land bekamen und entnervt in teurere Wohnlösungen flüchten mussten.

    Dass sowas mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme ist, spricht sich ja wohl auch bei Personalern rum. Die Inflationierung der Auslands"erfahrungen" tut dann ihr übriges. Ich finde das an sich aber auch nicht schlecht. Wer wirklich einen massgeschneiderten Auslandsaufenthalt auf die Beine stellt oder ein renomiertes Stipendium bekommt, wird das auch weiterhin im Arbeitsleben honoriert bekommen. Warum sollte man den all-inclusive Schafen die gleiche Belohnung zukommen lassen, wenn man Erasmus doch ohne jeden Einsatz einfach im Schlafanzug abhaken kann?

  • 26.03.2013 19:12 Uhr

    von DafürZahlIchDochNicht:

    Das Reisen bildet sehr;
    es entwöhnt von allen Vorurteilen des Volkes,
    des Glaubens, der Familie, der Erziehung.
    Es gibt den humanen duldsamen Sinn, den allgemeinen Charakter.
    Wer dagegen nichts sah, was ihn in der Sphäre,
    worin er lebt, umgibt, hält leicht alles für notwendig und einzig in der Welt, weil es in seiner Heimat dafür gilt.
    Immanuel Kant (1724-1804)

    Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
    Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Kultur und Reisen.
    Darum, Mensch, sei zeitig weise!
    Höchste Zeit ist's! Reise, reise!
    Wilhelm Busch (1832 - 1908)

    Die Reise gleicht einem Spiel;
    es ist immer Gewinn und Verlust dabei,
    und meist von der unerwarteten Seite;
    man empfängt mehr oder weniger, als man hofft.
    Für Naturen wie die meine ist eine Reise unschätzbar:
    sie belebt, berichtigt, belehrt und bildet.
    (Johann Wolfgang von Goethe 1749-1832)

    Jetzt, da ich am Ende meiner Reise stehe, ist meine Freude, dieselbe gemacht zu haben, eine doppelt große. Mein Schatz an Erfahrungen und Kenntnissen ist ein großer. Der fleißigste Gelehrte wird während eines langen, im Studierzimmer verbrachten Lebens keinen halb so großen sammeln, wie ich in noch nicht fünf Jahren. Und ich habe nach allen Richtungen gesammelt - auch psychologische Schätze. Um Psychologe zu werden, muss man reisen, dass man mit den Leuten in nähere Berührung kommt.
    (Alexander von Humboldt)



  • 26.03.2013 17:47 Uhr

    von Debaser:

    "Das Arbeitslosigkeitsrisiko etwa ist für beide Gruppen gleich groß: Akademiker haben generell gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt"

    Leerformeln, insofern nicht die spezifischen Charakteristika der jeweils besetzten Stellen berücksichtigt werden. Wer das unter dem herrschenden Zwang der Verhältnisse, jedwede Form der Lohnarbeit annehmen zu müssen, nicht berücksichtigt, kann auch nicht hinsichtlich des besonderen Stellenwerts eines Auslandsaufenthalts während der Studienzeit für die spätere Stellensuche differenzieren.

  • 26.03.2013 17:29 Uhr

    von eksom:

    Mein Sohn hat gerade ein "ERASMUS-Semester" hinter sich. In dem Geburtsland seiner Großeltern. In den meisten Prüfungsfächern hat er besser abgeschnitten, als die Studenten/Innen vor Ort. Durch die Bekanntschaft mit mehreren Dozenten der Uni hat er jetzt schon mehrere Jobangebote nach seinem Abschluss des Studiums erhalten. 4 Sprachen plus Studium in Germany sind in der Türkei materiell doppelt soviel Wert, wie in Deutschland. Wer kann da schon nein sagen?
    In Deutschland wäre er die dritte Wahl gewesen.

  • 26.03.2013 16:56 Uhr

    von Silvio:

    "Lohnt" es sich denn nicht, weil es nicht direkt monetär "belohnt" wird? Oder könnte ein Erasmussemester auch mehr bringen?

  • 26.03.2013 16:41 Uhr

    von ridicule:

    Lieber Herr Kramer,

    was für eine merkantile Blase haben Sie sich denn gelaufen?

    Kennen Sie die Ruhrpottpoesie?
    ICH STAND - AM BAND

    Ihre Geisteshaltung fand ich gern bei Kollegen
    - mgl. mit Porsche, die Ehefrau war schließlich Augenärztin -
    die sich schwer empört darüber ausließen, daß sie ja so was von schlecht besoldet würden; wenn man das mal durchrechnen würde: und man hätte schon ab 14 verdient und dann das teure Studium … und überhaupt.

    Und den Einwand - ah ja und mit 14 am Band oder Nietenwärmer bei Blohm und Voss, Würfelfeilen auf Flender? - oh, das sei ja wohl ganz und gar unsachlich!

    Nix gegen nen Sparren, aber muß es so einer, neumodscher sein?
    Am Band liest niemand abends Thomas Mann oder was Sie so
    preferren! So geit dat!

Ihr Name (wird angezeigt):*

Email (wird nicht angezeigt):*

Kommentar* - bitte beachten Sie unsere Netiquette:

Bitte geben Sie hier das Wort ein, das im Bild angezeigt wird. Dies dient der Spamvermeidung Wenn Sie das Wort nicht lesen konnten, bitte hier klicken.

CAPTCHA Bild zum Spamschutz

Wenn Sie auf "Abschicken" klicken, wird ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an taz.de verschickt. Er wird veröffentlicht, sobald einRedakteur ihn freigeschaltet hat. taz.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus ähnlichen Gründen unangemessene Beiträge nicht zu publizieren.

*Pflichtfelder