Auf welchem Planeten leben Sie eigentlich? Der Begriff "Land der Dichter und Denker" stammt aus einer Periode, in welcher das Patentrecht in Deutschland nicht respektiert wurde und Publikationen erscheinen durften, welche in Frankreich und England aufgrund geltender Patente nicht haetten publiziert werden duerfen.
Ansonsten ist die hervorragende Bildung sicherlich nicht das Standbein der deutschen Wirtschaft, sofern man die Signifikanz deutscher Publikationen als Massstab der Bewertung nimmt. Die Qualitaet wissenschaftlicher Publikationen ist im Vergleich zu angelsaechsischen Laendern naemlich relativ gering. Dieser Zustand gefaehrdet zunehmend den Wissenschaftsstandort Deutschland und fuehrt zu einer Abwanderung wissenschaftlicher Fachkraefte.
03.04.2013 12:04 Uhr
von Echolot:
Ein sehr guter und wichtiger Artikel. Das Thema der desaströsen Bildungspolitik muss dauerhaft und konsequent in der Gesellschaft diskutiert werden. Eine Sensibilisierung ist nur der erste Schritt. Wenn Deutschland ein Interesse, an der ach so romantischen Vorstellung, einer Nation von Dichtern und Denkern hat, so müssen Ausgaben für Bildung zu einem essentiellen Anliegen aller Staatsbürger werden.
03.04.2013 11:28 Uhr
von Celsus:
Da ist doch immer weider zu hören, dei Länder hätten kein Geld und würden deswegen an der Bildung sparen. Zur gleichen Zeit gehen diese Länder aber hin und geben merh Geld für private Hochschulen und SChulen aus, als sie im öffentlichen Sektor eingespart haben. Gerade Hessen ist dafür ein gutes Beispiel.
Wenn im Wahlkampf jetzt von konservativer Seite kommt, soziale Gerechtigkeit sei Chancengleichheit, ist das nicht mehr als unglaubwürdiges Sozialgeblubbere. Da steckt nichts drin und hinter. Im Gegenteil: Da ist hinter den Kulissen der Kampf um ungleiche Chancen für Reiche und Mächtige vollstens im Gange.
Wer sehen will, was Chancengleichheit bvedeutet, sollte sich mal die Bildungspolitik zu Zeiten des Ministerpräsidenten Rau in NRW anschauen. Und davon müssen sich leider auch die heutige SPD-Politiker inzwischen mehr als eine SCheibe abschneiden.
03.04.2013 11:10 Uhr
von kam:
Lieber Herr Füller, danke, dass Sie auf die zunehmend untragbare Situation an deutschen Universitäten hinweisen. Aber schade, dass auch hier die Situation von Dozenten und Anstellungsverhältnissen nur in ein paar Zeilen erwähnt wird. Ich wünsche mir wirklich mal einen langen, ausführlich recherchierten Artikel dazu (nein, eigentlich eher einen Sturm durch die Presselandschaft, aber den gibt's ja leider nur, wenn mal wieder eine gut situierte Ausnahmeperson beim Plagiieren erwischt wurde):
Es gibt immer mehr Studierende in Relation zu denen, die sie unterrichten sollen. Gleichzeitig sind in den letzten Jahren feste Mittelbaustellen (akademische Ratsstellen etc.) gestrichen und eingestampft worden, das Lehrauftragsunwesen blüht (ein paar hundert Euro Werkvertragsgehalt für ein Semester Unterrichten!),dank Hochschulrahmengesetz & Co wird vom akademischen Mittelbau immer mehr Einsatz in Lehre, Drittmitteleinwerbung, Publikationen nebst eigener FOrtbildung und, in nicht vorhandener FReizeit, Erlangung weiterer Titel (Promotion, Habilitation) erwartet. Eingearbeitete Mitarbeiter bekommen kurzzeitig befristete Verträge, alle Anstellungen sind nur danach ausgelegt, die Leute ohne Anspruch auf längerfristige Beschäftigung baldmöglichst wieder rausschmeissen zu können. Die tollen neuen Junior Professorships bieten keine "Tenure Tracks". Wer nach Jahren der Dozentur als "befristeter Beamter" die Anstellung verliert, bekommt noch nicht mal Arbeitslosengeld. Und bei all dem soll die Lehre möglichst exzellent sein - wobei mittlerweile das ganze System diejenigen der Dauerprekarisierten favorisiert, die sich ums eigene Überleben und Fortkommen sorgen, statt sich maximal für die Studierenden zu engagieren. Es gibt wohl keinen Berufsbereich in diesem Land, der bei höherer Qualifizierung gleichzeitig so dermaßen von Unterbezahlung und Prekarisierung betroffen ist...während alle Welt davon keine Ahnung hat und von faulen Staatsbediensteten im öffentlichen Dienst mit zu viel Ferien fantasiert.
Aufklären bitte! Mehr als zwei Zeilen am Artikelende dazu! Scharen von Unidozenten werden Ihnen dankbar sein.
03.04.2013 11:07 Uhr
von Karl-Heinz:
Irgendwie scheint die taz nicht bemerkt zu haben, dass die Bemessung des Hochschuletats aus den 70er Jahren kommt, die Studienrendenzahlen sich seitdem allerdings verfuenffacht haben. Eine Fluktuation von 15-20% faellt vor diesem Hintergrund nicht weiter ins Gewicht, denn Deutschland investiert relativ wenig in primaere und akademische Bildung. Dafuer wird der groesste Teil der vorhandenen Mittel in die Grundlagenforschung gepumpt, welche im Anschluss von durchschnittlich ausgebildeten Absolventen betrieben wird. Das System ist darauf ausgelegt, einen relativ hohen output an Publikationen zu erhalten, welche im internationalen Vergleich allerdings im Durchschnitt von geringerer Qualitaet sind, weil der Absolventen haeufig die Grundlagen ihres Fachs nicht beherrschen.
03.04.2013 10:33 Uhr
von Max Müller:
Aber dass die Studenten selber etwas beisteuern um die Situation zu verbessern ist natürlich zuviel verlangt. Das sollen natürlich die Allgemeinheit zahlen.
03.04.2013 10:01 Uhr
von Clio:
in Schleswig-Holstein gibts auch bei SPDlern welche, die nachgelagerte Studiengebühren fordern. In einigen Ostdeutschen Ländern will man in den nächsten Jahren übrigens Studienplätze bereits abbauen aus demographischen Gründen, dort rechnet man mit einem Rückgang der Studienzahlen bereits bis 2020, weshalb man bereits Personalsparungen und Mitteleinsparungen überlegt, um die Schuldenbremse auch einhalten zu können.
Solange ich noch studiere, bin ich gegen die Einführung von Studiengebühren, ich hab auch nicht soviel Geld und ob man mit einem Studium überhaupt eine Arbeitsstelle findet, ist auch zweifelhaft. Aus irgendeinem Grund klafft eine große Lücke zwischem gefühltem Fachkräftemangel und Engpassanalyse der ARGE bzw. reeller Arbeitsmarktsituation in vielen Regionen.
wahrscheinlich kommen irgendwann Studiengebühren wieder. Ansonsten leben wir schon recht lange mit der Unterfinanzierung und bisher ging es ja auch.
03.04.2013 08:59 Uhr
von carolus:
"Am schlimmsten ist es vielleicht beim Hochschulbau."
Nein, am schlimmsten ist es in der Lehre. Dass hochbezahlten Altprofessoren, die sich von Forschungsfreisemester zu Forschungsfreisemester durchhangeln, und teuersten "Exzellenzinitiativen" unbezahlte Lehraufträge gegenüberstehen, für denen den Lehrenden, oft Privatdozenten mit der gleichen Qualifikation wie die Professoren, kein müder Cent gezahlt wird, oder bestenfalls unter 1000 Euro für ein ganzes Semester Lehre, so etwas gibt es nur in Deutschland, und in dieser Schärfe nur in Berlin.
Am Geld hängt es nicht, sondern an dem Professorensystem und dem überbordenen Verwaltungsapparat, der sich immer mehr aufbläht und immer schlechter funktioniert.
Leserkommentare
04.04.2013 20:58 Uhr
von Karl-Heinz:
@Echolot
Auf welchem Planeten leben Sie eigentlich? Der Begriff "Land der Dichter und Denker" stammt aus einer Periode, in welcher das Patentrecht in Deutschland nicht respektiert wurde und Publikationen erscheinen durften, welche in Frankreich und England aufgrund geltender Patente nicht haetten publiziert werden duerfen.
Ansonsten ist die hervorragende Bildung sicherlich nicht das Standbein der deutschen Wirtschaft, sofern man die Signifikanz deutscher Publikationen als Massstab der Bewertung nimmt. Die Qualitaet wissenschaftlicher Publikationen ist im Vergleich zu angelsaechsischen Laendern naemlich relativ gering. Dieser Zustand gefaehrdet zunehmend den Wissenschaftsstandort Deutschland und fuehrt zu einer Abwanderung wissenschaftlicher Fachkraefte.
03.04.2013 12:04 Uhr
von Echolot:
Ein sehr guter und wichtiger Artikel. Das Thema der desaströsen Bildungspolitik muss dauerhaft und konsequent in der Gesellschaft diskutiert werden. Eine Sensibilisierung ist nur der erste Schritt. Wenn Deutschland ein Interesse, an der ach so romantischen Vorstellung, einer Nation von Dichtern und Denkern hat, so müssen Ausgaben für Bildung zu einem essentiellen Anliegen aller Staatsbürger werden.
03.04.2013 11:28 Uhr
von Celsus:
Da ist doch immer weider zu hören, dei Länder hätten kein Geld und würden deswegen an der Bildung sparen. Zur gleichen Zeit gehen diese Länder aber hin und geben merh Geld für private Hochschulen und SChulen aus, als sie im öffentlichen Sektor eingespart haben. Gerade Hessen ist dafür ein gutes Beispiel.
Wenn im Wahlkampf jetzt von konservativer Seite kommt, soziale Gerechtigkeit sei Chancengleichheit, ist das nicht mehr als unglaubwürdiges Sozialgeblubbere. Da steckt nichts drin und hinter. Im Gegenteil: Da ist hinter den Kulissen der Kampf um ungleiche Chancen für Reiche und Mächtige vollstens im Gange.
Wer sehen will, was Chancengleichheit bvedeutet, sollte sich mal die Bildungspolitik zu Zeiten des Ministerpräsidenten Rau in NRW anschauen. Und davon müssen sich leider auch die heutige SPD-Politiker inzwischen mehr als eine SCheibe abschneiden.
03.04.2013 11:10 Uhr
von kam:
Lieber Herr Füller,
danke, dass Sie auf die zunehmend untragbare Situation an deutschen Universitäten hinweisen. Aber schade, dass auch hier die Situation von Dozenten und Anstellungsverhältnissen nur in ein paar Zeilen erwähnt wird.
Ich wünsche mir wirklich mal einen langen, ausführlich recherchierten Artikel dazu (nein, eigentlich eher einen Sturm durch die Presselandschaft, aber den gibt's ja leider nur, wenn mal wieder eine gut situierte Ausnahmeperson beim Plagiieren erwischt wurde):
Es gibt immer mehr Studierende in Relation zu denen, die sie unterrichten sollen. Gleichzeitig sind in den letzten Jahren feste Mittelbaustellen (akademische Ratsstellen etc.) gestrichen und eingestampft worden, das Lehrauftragsunwesen blüht (ein paar hundert Euro Werkvertragsgehalt für ein Semester Unterrichten!),dank Hochschulrahmengesetz & Co wird vom akademischen Mittelbau immer mehr Einsatz in Lehre, Drittmitteleinwerbung, Publikationen nebst eigener FOrtbildung und, in nicht vorhandener FReizeit, Erlangung weiterer Titel (Promotion, Habilitation) erwartet. Eingearbeitete Mitarbeiter bekommen kurzzeitig befristete Verträge, alle Anstellungen sind nur danach ausgelegt, die Leute ohne Anspruch auf längerfristige Beschäftigung baldmöglichst wieder rausschmeissen zu können. Die tollen neuen Junior Professorships bieten keine "Tenure Tracks". Wer nach Jahren der Dozentur als "befristeter Beamter" die Anstellung verliert, bekommt noch nicht mal Arbeitslosengeld.
Und bei all dem soll die Lehre möglichst exzellent sein - wobei mittlerweile das ganze System diejenigen der Dauerprekarisierten favorisiert, die sich ums eigene Überleben und Fortkommen sorgen, statt sich maximal für die Studierenden zu engagieren.
Es gibt wohl keinen Berufsbereich in diesem Land, der bei höherer Qualifizierung gleichzeitig so dermaßen von Unterbezahlung und Prekarisierung betroffen ist...während alle Welt davon keine Ahnung hat und von faulen Staatsbediensteten im öffentlichen Dienst mit zu viel Ferien fantasiert.
Aufklären bitte! Mehr als zwei Zeilen am Artikelende dazu! Scharen von Unidozenten werden Ihnen dankbar sein.
03.04.2013 11:07 Uhr
von Karl-Heinz:
Irgendwie scheint die taz nicht bemerkt zu haben, dass die Bemessung des Hochschuletats aus den 70er Jahren kommt, die Studienrendenzahlen sich seitdem allerdings verfuenffacht haben. Eine Fluktuation von 15-20% faellt vor diesem Hintergrund nicht weiter ins Gewicht, denn Deutschland investiert relativ wenig in primaere und akademische Bildung. Dafuer wird der groesste Teil der vorhandenen Mittel in die Grundlagenforschung gepumpt, welche im Anschluss von durchschnittlich ausgebildeten Absolventen betrieben wird. Das System ist darauf ausgelegt, einen relativ hohen output an Publikationen zu erhalten, welche im internationalen Vergleich allerdings im Durchschnitt von geringerer Qualitaet sind, weil der Absolventen haeufig die Grundlagen ihres Fachs nicht beherrschen.
03.04.2013 10:33 Uhr
von Max Müller:
Aber dass die Studenten selber etwas beisteuern um die Situation zu verbessern ist natürlich zuviel verlangt.
Das sollen natürlich die Allgemeinheit zahlen.
03.04.2013 10:01 Uhr
von Clio:
in Schleswig-Holstein gibts auch bei SPDlern welche, die nachgelagerte Studiengebühren fordern. In einigen Ostdeutschen Ländern will man in den nächsten Jahren übrigens Studienplätze bereits abbauen aus demographischen Gründen, dort rechnet man mit einem Rückgang der Studienzahlen bereits bis 2020, weshalb man bereits Personalsparungen und Mitteleinsparungen überlegt, um die Schuldenbremse auch einhalten zu können.
Solange ich noch studiere, bin ich gegen die Einführung von Studiengebühren, ich hab auch nicht soviel Geld und ob man mit einem Studium überhaupt eine Arbeitsstelle findet, ist auch zweifelhaft. Aus irgendeinem Grund klafft eine große Lücke zwischem gefühltem Fachkräftemangel und Engpassanalyse der ARGE bzw. reeller Arbeitsmarktsituation in vielen Regionen.
wahrscheinlich kommen irgendwann Studiengebühren wieder. Ansonsten leben wir schon recht lange mit der Unterfinanzierung und bisher ging es ja auch.
03.04.2013 08:59 Uhr
von carolus:
"Am schlimmsten ist es vielleicht beim Hochschulbau."
Nein, am schlimmsten ist es in der Lehre. Dass hochbezahlten Altprofessoren, die sich von Forschungsfreisemester zu Forschungsfreisemester durchhangeln, und teuersten "Exzellenzinitiativen" unbezahlte Lehraufträge gegenüberstehen, für denen den Lehrenden, oft Privatdozenten mit der gleichen Qualifikation wie die Professoren, kein müder Cent gezahlt wird, oder bestenfalls unter 1000 Euro für ein ganzes Semester Lehre, so etwas gibt es nur in Deutschland, und in dieser Schärfe nur in Berlin.
Am Geld hängt es nicht, sondern an dem Professorensystem und dem überbordenen Verwaltungsapparat, der sich immer mehr aufbläht und immer schlechter funktioniert.