Kommentar Käßmanns Autofahrt: Mensch Margot
Es wäre schade, wenn die Stimme von Bischöfin Käßmann wegen dieser einen Dummheit in den großen gesellschaftlichen Debatten fehlen würde.
W ir wissen nicht, ob Jesus jemals besoffen war - und wenn ja, wie viel Promille er dann hatte. Die Theologen aber weisen darauf hin, dass er den Evangelien zufolge - etwa bei der Hochzeit zu Kanaan - durchaus dem Feiern und dem Wein zugeneigt war. Ja es gab, wie die Bibel verrät, Kritiker des Nazareners, die ihm vorwarfen, zu viel Umgang mit Zechern zu pflegen. Abgesehen davon dürfte Jesus als Wanderrabbi die jüdischen Regeln zum kontrollierten Rausch, etwa zu Pessach, durchaus ernst genommen haben.
Nun ist die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, betrunken Auto gefahren. Das Problem ist dabei weniger der Rausch, der auch einem Christenmenschen nicht verwehrt werden sollte. Auch Oberhirten sollte er gelegentlich erlaubt sein, will man nicht als Pharisäer enden - und nebenbei: gehören für die bayerischen Bischöfe der anderen Volkskirche gelegentliche Gelage mit gutem Klosterbier nicht fast schon zur Jobbeschreibung?
Insofern ist dieser eine Alkoholexzess der Bischöfin nicht vorzuwerfen. Das ist, selbst in der Fastenzeit, eine lässliche Sünde. Problematisch ist vielmehr die Menge des Alkohols, die wohl einer guten Flasche Wein entspricht. Und es ist zuallererst die Tatsache, dass die Bischöfin mit dieser Menge Alkohol noch Auto gefahren ist - und Menschen damit gefährdet hat.
Das wird ihren Ruf schädigen. Viele werden Käßmann nun nicht mehr zuhören oder das Gesagte nicht mehr ernst nehmen - zumindest, wenn sie über das Thema Fasten oder gar über Sicherheit im Straßenverkehr redet. Aber es gibt noch wichtigere Themen in der kirchlichen Verkündigung, etwa der Appell zum Frieden und zur Gerechtigkeit. Es wäre schade, wenn Käßmanns Stimme wegen dieser einen Dummheit in den großen gesellschaftlichen Debatten fehlen würde.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert