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Kommentar SteuerstreitMinusgeschäft für Normalbürger

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Es ist keine Paranoia, wenn man schwarz-gelbe Steuerreformen mit höchstem Misstrauen begleitet. Hinter ihnen verbirgt sich stets teure Klientelpolitik.

A uch Symbolpolitik kann verräterisch sein. Die Liberalen behaupten stolz, dass sie die Werbungskostenpauschale für die Arbeitnehmer erhöht hätten. Doch tatsächlich bringt diese "Entlastung" den meisten Beschäftigten ungefähr einen Euro im Monat - also gar nichts.

Trotzdem wiederholen die Liberalen beharrlich, sie würden sich um die "kleinen und mittleren Einkommen" kümmern. Das ist eine glatte Lüge, wie ein einfacher Vergleich zeigt: Die erhöhte Werbungskostenpauschale belastet den Staat mit ganzen 330 Millionen Euro im Jahr.

Dagegen haben allein die schwarz-gelben Steuergeschenke an die Hoteliers rund zwei Milliarden gekostet. Hinzu kam eine Reform der Unternehmenssteuern, die weitere 2,5 Milliarden an die Firmen verteilte.

ULRIKE HERRMANN

ULRIKE HERRMANN ist Wirtschaftsredakteurin der taz.

Es ist also keine Paranoia, wenn man schwarz-gelbe Steuerreformen mit höchstem Misstrauen begleitet. Hinter ihnen verbirgt sich stets Klientelpolitik. Noch schlimmer: Mit der Werbungskostenpauschale ist die Steuerdebatte nicht vorbei - sie hat gerade erst begonnen.

Denn die Liberalen haben bekanntlich kein anderes Thema. Außerdem glaubt zumindest die Bundesregierung, dass die deutsche Wirtschaft rasant wachsen wird. Ein Plus von 2,3 Prozent prognostiziert sie für dieses Jahr. Da muss man doch an den Steuern schrauben!

Die Durchschnittsverdiener dürften dabei erneut verlieren. Denn viele von ihnen zahlen kaum noch Einkommensteuern, werden aber immer stärker durch die Sozialabgaben belastet.

Dieser Mechanismus ist auch bei der jetzigen Reform zu besichtigen: Bei den Werbungskosten spart man zwar, dafür steigt aber zeitgleich der Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse. Es handelt sich also um ein echtes Minusgeschäft.

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Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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8 Kommentare

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  • H
    hto

    "Minusgeschäft für Normalbürger"

     

    - was für eine blödsinnige Schlagzeile, denn ich sehe nur eine Hierarchie in gutbürgerlich-gebildeter Suppenkaspermentalität, wo die höher gebildeten "normaler" sind, im "Recht des Stärkeren", dieses "gesunden" Konkurrenzdenkens im nun "freiheitlichen" Wettbewerbs um ...!?

  • KK
    Karl Kraus

    @ Taxman

     

    Man sollte mit Texten nicht so nachlässig umgehen. Frau Herrmann schreibt, dass die Reform "den meisten Beschäftigten" einen Euro pro Monat bringt. Nicht "allen im Durchschnitt". Die beiden anderen Zahlen (2 und 2,5 mrd.) habe ich auch schon mal gehört. Aber wie das bei solchen Beträgenso ist, mann muss tatsächlich immer die Quellen haben, um sie deuten zu können. Aber was heißt bei dir "mia."? Mrd.?

  • A
    Amos

    Guter Kommentar! So versteht auch der "letzte Dumme", was die FDP für eine politische Brut ist.Man schaue sich nur mal den ständig grinsenden Brüderle an-, der ist so dumm...; ich glaub der grinst noch auf seiner eigenen Beerdigung.

  • F
    felixb

    Von den ganzen Nullen wird einem ganz schwindlig im Koppe! Wie war das noch gleich mit dem Bankenrettungsschirm? Da wurden den Banken 500 Milliarden (!!!) hinterhergeworfen, um sie zu "retten". Also entspricht diese Entlastung der Steuerzahler etwa 0,066% des Betrages, der von uns allen für die korrupten Geldgeier aufgebracht werden musste - die sich weiterhin gegenseitig schamlos bereichern dürfen mit fetten Boni-Zahlungen und Wettscheinen auf den Untergang von Eurostaaten, deren Bilanzen sie mithilfe zwielichtiger, pseudoseriöser Rating-Agenturen künstlich schlecht reden...

     

    Aber ich vergaß: hier geht es ja um die Rettung des ganzen SYSTEMS!

    Und wahrscheinlich bin ich einfach nur zu bescheuert, das Gute darin erkennen zu können...

  • V
    vic

    Schon richtig, Frau Herrmann.

    Sie wissen das, ich weiß das.

    Aber wissen das andere auch?

  • T
    Taxman

    Werte Fr. Herrmann,

     

    Ihr Kommentar in Ehren, aber m. den Zahlen sollten Sie nicht so nachlässig umgehen.

     

    Die Anhebung der Pauschale bringt dem lohnabhängigen AN ca. €2,94 p.M.

     

    Die Reduzierung des USt-Satzes f. die Beherbungsbetriebe kostet den Steuerzahler ca. €1Mia. p.a. an Mindereinnahmen.

     

    Der Rest ist soweit o.k. Note: 4

  • B
    Boris

    Nur wer macht keine Klientelpolitik?

     

    Grüne machen das für die Ökos

    SPD und Linke für die Hartzis

    CDU/CSU für den Mittelstand

    FDP für die etwas Reicheren

  • PD
    Peter D.

    Deutschland ist keine Bananenrepublik - Deutschland ist schlimmer!

    Viele Bürger kennen leider noch nicht den reformierten Artikel I. des GG." Die Wünsche der Wirtschaft sind unantastbar".