Susanna Kahlefeld zieht für die Grünen ins Abgeordnetenhaus. Im Schillerkiez holte sie das Direktmandat - auch dank der Gentrifizierungvon Konrad Litschko
Nein, falsch, Frau Kahlefeld hat ganz bestimmt nicht Verdrängung an den Stadtrand im Sinn, wenn sie von dunklen Ecken redet. Daran etwas zu ändern - ohne das Problem einfach zu verschieben, genau das ist die Herausforderung. Da wird es anstrengend, langwierig und kompliziert, da geht es um Fragen von Duldung, Bleiberecht, Perspektivlosigkeit, fehlende Hilfsangebote, schlechte Bildungsangebote, fehlende Förderung, Resignation.
Es wäre absurd zu behaupten, dass es dagegen einfache und schnelle Hilfe gibt. Aber all das quasi unter Bestandsschutz zu stellen, nur um Gentrifizierung zu verhindern, kann auch keine Lösung sein.
Ein positives Bekenntnis zur Sozialen Stadt ist übrigens auch kein Freifahrtschein für die QMs vor Ort. Auch sie müss(t)en sich immer wieder fragen lassen, ob sie die Richtigen erreichen und sich der teilweise berechtigten Kritik stellen. Aber da hat der Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowsky leider seine Hand drauf.
23.09.2011 16:51 Uhr
von Wylf Inde:
Ihren Kommentar hier eingeben Hey !!
Ich habe vor zwanzig Jahren im Schillerkiez gewohnt und kenne die Verhältnisse gut. Es hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr vieles zum guten entwickelt, wie z.B. die Kriminalität oder auch die Struktur der Bewohner ist im ganzen durch die Zuwanderung (Durchmischung) wesentlich besser und friedlicher geworden. - MultiKulti ist praktisch allgegenwärtig. Gott sei Dank haben wir Grünen jetzt die Chance mit einer kompetenten und im Kiez verankerten Abgeordneten die Geschicke zu beeinflussen. Ich hoffe, das wir die Skeptiker überzeugen werden... Wir werden uns auf jeden Fall gegen die Gentrifizierung wehren und eine Lösung finden, die den Bewohnern im Schillerkiez zugute kommt; speziell für die Rechte von Zugewanderten. Wir werden uns auch einsetzen für eine bewohnerfreundliche Nutzung des Tempelhofer-Feldes.. So ist z.B. geplant den Shaolin-Tempel dort zu bauen (ab ca.2014, Pläne liegen in der Schublade) und dort einen kostenfreien Tag für den Untericht von sozial schwachen zu etablieren. Ich sehe der Zukunft des Kiezes unter positiven Zeichen.
23.09.2011 16:34 Uhr
von Peter:
An Enzo Aduro
Die Mieten gehen ganz bestimmt nicht "durch die Decke", wenn man es auf dem Tempelhofer Feld keine Wohnbebauung gibt. Der Bau eines Gebäuderiegels oder gar von Townhouses würde für den Wohnungsmarkt keine spürbare Entlastung bringen. Dazu müsste man das Feld zum großen Teil zubauen. Massiver Wohnungsbau ist nur eine (sehr teure) Möglichkeit den Mietpreisdruck zu verringern. Auf Landesebene gibt es da auch andere wirksame Maßnahmen, vielleicht kan man auch über den Bundesrat mieterfreundliche Gesetze anstoßen, and auf Bezirksebene können Milieuschutzsatzungen für Gebiete wie den Schillerkiez helfen.
Waren Sie schon einmal an einem herrlichen Sonntagnachmittag auf dem ehemaligen Flughafengelände und haben die freie Atmosphäre genossen? Können Sie sich nicht vorstellen, dass man einen der schönsten Plätze Berlins nicht durch Bebauung verschandeln möchte? Ganz wichtig ist auch die Funktion des Flugfelds als Frischluftmotor, die durch dichte Bebauung selbst nur im Randbereich durch Blockierung der bodennahen Luftbewegung stark beeinträchtigt würde. Die Luft in Nordneukölln ist schon heute sehr dick, mit unzulässig hohen Schadstoffkonzentrationen.
Auch wenn es sich manche Menschen nicht vorstellen können: Politik wird nicht immer nur mit Blick auf die Wählerstimmen gemacht, sondern auch aus Überzeugung. Den Neuköllner Grünen kann man nicht vorwerfen, das Thema "Gentrifizierung" erst kurz vor der Wahl oder, seit dieser Begriff modern ist, entdeckt zu haben. Über viele Jahre haben sie an der Aufwertung des Schillerkiezes mitgearbeitet, für die Schließung des Flughafens gekämpft und dabei die mittel- und langfristigen Folgen auch für den Wohnungsmarkt nicht aus den Augen verloren. So war eine Milieuschutzsatzung immer eine Option, insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Flughafenschließung.
Es wäre ein grundlegendes Missverständnis, zu glauben, dass eine gesunde soziale Mischung die Verdrängung von Menschen mit geringer Bildung und/oder geringem Einkommen voraussetzt, oder dass niedrige bis moderate Mieten nur zu einer Ghettoisierung führen. Dass viele Menschen mit guter Bildung (Studenten), viele Künstler, Kunsthandwerker, Gastronomen und Hostels sich in Nordneukölln angesiedelt haben, hat gerade auch mit bezahlbaren Mieten zu tun. Stark steigende Mieten sind da einer echte Gefahr. Neuzugezogene gegen "Alteingesessene" auszuspielen, ist ein großer Fehler. Eine gesunde soziale Mischung, die nicht ein Nebeneinanderherleben von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im selben Kiez ist, erfordert auch, dass die Bemühungen zu besserer Bildung und Integration verstärkt werden. Hier gibt es nach wie vor große Defizite, aber auch große Chancen. Der Schillerkiez hat eine der höchsten Geburtenraten in Deutschland. Insbesondere diese jungen Menschen haben ein Recht darauf, dass die Politik gewährleistet, dass sie unter vernünftigen Bedingungen in ihrem Stadtteil aufwachsen - dazu gehören zuvorderst personell und räumlich gut ausgestattete Schulen, mehr Jugendarbeit und mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten.
23.09.2011 15:19 Uhr
von Mensch:
Traurig das die Grünen immer noch der Meinung sind das ein bisschen Gentrifizierung nicht schaden könne.... diese dunklen Ecken die hier angesprochen werden entstehen in jeder Gesellschaft in der bestimmte Menschen ihre Teilhabe an der Gesellschaft nicht auf legalem Wege finanzieren können.... was hier beschrieben wird bedeutet nichts anderes als die Verdrängung der Unterschicht und nicht eine positive Veränderung für den Kiez... die Verdrängung wird sogar noch staatlich gefördert wie das Beispiel des QM Schillerkiez überdeutlich veranschaulicht.... hier wird in keinster weise mit den Bewohnern gearbeitet, die QMMitarbeiter werden stattdessen zu einer Art Hilfsshrerifs für Polizei und Investoren gemacht...
"... es gibt keine Unterschicht, nur die da oben und dennen ist egal wie weit unten man ist!"... Hauptsache es ist am Stadtrand damit man es nicht sehen muss... wozu das führt kann man in Frankreich nachschauen... willkommen in der Banlieu Hohenschönhausen oder Marzahn....
23.09.2011 12:36 Uhr
von Enzo Aduro:
Wenn wir jede Fläche von der Bebauung ausschließen, dann gehen die Mieten durch die Decke. Aber das freut die Grünen ja insgeheim. Für Gentrefizierung, aber bitte nur so lange bis die SPD-Wähler durch Grünen Wähler ersetzt werden. Bloß nicht weiter, das FDP-Wähler kommen.
Leserkommentare
23.09.2011 18:03 Uhr
von Jochen:
@ Mensch:
Nein, falsch, Frau Kahlefeld hat ganz bestimmt nicht Verdrängung an den Stadtrand im Sinn, wenn sie von dunklen Ecken redet. Daran etwas zu ändern - ohne das Problem einfach zu verschieben, genau das ist die Herausforderung. Da wird es anstrengend, langwierig und kompliziert, da geht es um Fragen von Duldung, Bleiberecht, Perspektivlosigkeit, fehlende Hilfsangebote, schlechte Bildungsangebote, fehlende Förderung, Resignation.
Es wäre absurd zu behaupten, dass es dagegen einfache und schnelle Hilfe gibt. Aber all das quasi unter Bestandsschutz zu stellen, nur um Gentrifizierung zu verhindern, kann auch keine Lösung sein.
Ein positives Bekenntnis zur Sozialen Stadt ist übrigens auch kein Freifahrtschein für die QMs vor Ort. Auch sie müss(t)en sich immer wieder fragen lassen, ob sie die Richtigen erreichen und sich der teilweise berechtigten Kritik stellen. Aber da hat der Neuköllner Bezirksbürgermeister Buschkowsky leider seine Hand drauf.
23.09.2011 16:51 Uhr
von Wylf Inde:
Ihren Kommentar hier eingeben
Hey !!
Ich habe vor zwanzig Jahren im Schillerkiez gewohnt und kenne die Verhältnisse gut.
Es hat sich in den letzten zwanzig Jahren sehr vieles zum guten entwickelt, wie z.B. die Kriminalität oder auch die Struktur der Bewohner ist im ganzen durch die Zuwanderung (Durchmischung) wesentlich besser und friedlicher geworden. - MultiKulti ist praktisch allgegenwärtig.
Gott sei Dank haben wir Grünen jetzt die Chance mit einer kompetenten und im Kiez verankerten Abgeordneten die Geschicke zu beeinflussen.
Ich hoffe, das wir die Skeptiker überzeugen werden...
Wir werden uns auf jeden Fall gegen die Gentrifizierung wehren und eine Lösung finden, die den Bewohnern im Schillerkiez zugute kommt; speziell für die Rechte von Zugewanderten.
Wir werden uns auch einsetzen für eine bewohnerfreundliche Nutzung des Tempelhofer-Feldes..
So ist z.B. geplant den Shaolin-Tempel dort zu bauen (ab ca.2014, Pläne liegen in der Schublade) und dort einen kostenfreien Tag für den Untericht von sozial schwachen zu etablieren.
Ich sehe der Zukunft des Kiezes unter positiven Zeichen.
23.09.2011 16:34 Uhr
von Peter:
An Enzo Aduro
Die Mieten gehen ganz bestimmt nicht "durch die Decke", wenn man es auf dem Tempelhofer Feld keine Wohnbebauung gibt. Der Bau eines Gebäuderiegels oder gar von Townhouses würde für den Wohnungsmarkt keine spürbare Entlastung bringen. Dazu müsste man das Feld zum großen Teil zubauen. Massiver Wohnungsbau ist nur eine (sehr teure) Möglichkeit den Mietpreisdruck zu verringern. Auf Landesebene gibt es da auch andere wirksame Maßnahmen, vielleicht kan man auch über den Bundesrat mieterfreundliche Gesetze anstoßen, and auf Bezirksebene können Milieuschutzsatzungen für Gebiete wie den Schillerkiez helfen.
Waren Sie schon einmal an einem herrlichen Sonntagnachmittag auf dem ehemaligen Flughafengelände und haben die freie Atmosphäre genossen? Können Sie sich nicht vorstellen, dass man einen der schönsten Plätze Berlins nicht durch Bebauung verschandeln möchte?
Ganz wichtig ist auch die Funktion des Flugfelds als Frischluftmotor, die durch dichte Bebauung selbst nur im Randbereich durch Blockierung der bodennahen Luftbewegung stark beeinträchtigt würde. Die Luft in Nordneukölln ist schon heute sehr dick, mit unzulässig hohen Schadstoffkonzentrationen.
Auch wenn es sich manche Menschen nicht vorstellen können: Politik wird nicht immer nur mit Blick auf die Wählerstimmen gemacht, sondern auch aus Überzeugung. Den Neuköllner Grünen kann man nicht vorwerfen, das Thema "Gentrifizierung" erst kurz vor der Wahl oder, seit dieser Begriff modern ist, entdeckt zu haben. Über viele Jahre haben sie an der Aufwertung des Schillerkiezes mitgearbeitet, für die Schließung des Flughafens gekämpft und dabei die mittel- und langfristigen Folgen auch für den Wohnungsmarkt nicht aus den Augen verloren. So war eine Milieuschutzsatzung immer eine Option, insbesondere vor dem Hintergrund der möglichen Flughafenschließung.
Es wäre ein grundlegendes Missverständnis, zu glauben, dass eine gesunde soziale Mischung die Verdrängung von Menschen mit geringer Bildung und/oder geringem Einkommen voraussetzt, oder dass niedrige bis moderate Mieten nur zu einer Ghettoisierung führen. Dass viele Menschen mit guter Bildung (Studenten), viele Künstler, Kunsthandwerker, Gastronomen und Hostels sich in Nordneukölln angesiedelt haben, hat gerade auch mit bezahlbaren Mieten zu tun. Stark steigende Mieten sind da einer echte Gefahr.
Neuzugezogene gegen "Alteingesessene" auszuspielen, ist ein großer Fehler. Eine gesunde soziale Mischung, die nicht ein Nebeneinanderherleben von unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen im selben Kiez ist, erfordert auch, dass die Bemühungen zu besserer Bildung und Integration verstärkt werden. Hier gibt es nach wie vor große Defizite, aber auch große Chancen. Der Schillerkiez hat eine der höchsten Geburtenraten in Deutschland. Insbesondere diese jungen Menschen haben ein Recht darauf, dass die Politik gewährleistet, dass sie unter vernünftigen Bedingungen in ihrem Stadtteil aufwachsen - dazu gehören zuvorderst personell und räumlich gut ausgestattete Schulen, mehr Jugendarbeit und mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten.
23.09.2011 15:19 Uhr
von Mensch:
Traurig das die Grünen immer noch der Meinung sind das ein bisschen Gentrifizierung nicht schaden könne.... diese dunklen Ecken die hier angesprochen werden entstehen in jeder Gesellschaft in der bestimmte Menschen ihre Teilhabe an der Gesellschaft nicht auf legalem Wege finanzieren können.... was hier beschrieben wird bedeutet nichts anderes als die Verdrängung der Unterschicht und nicht eine positive Veränderung für den Kiez... die Verdrängung wird sogar noch staatlich gefördert wie das Beispiel des QM Schillerkiez überdeutlich veranschaulicht.... hier wird in keinster weise mit den Bewohnern gearbeitet, die QMMitarbeiter werden stattdessen zu einer Art Hilfsshrerifs für Polizei und Investoren gemacht...
"... es gibt keine Unterschicht, nur die da oben und dennen ist egal wie weit unten man ist!"... Hauptsache es ist am Stadtrand damit man es nicht sehen muss... wozu das führt kann man in Frankreich nachschauen... willkommen in der Banlieu Hohenschönhausen oder Marzahn....
23.09.2011 12:36 Uhr
von Enzo Aduro:
Wenn wir jede Fläche von der Bebauung ausschließen, dann gehen die Mieten durch die Decke. Aber das freut die Grünen ja insgeheim. Für Gentrefizierung, aber bitte nur so lange bis die SPD-Wähler durch Grünen Wähler ersetzt werden. Bloß nicht weiter, das FDP-Wähler kommen.