Die Lage im Grenzgebiet zwischen Ägypten und Israel droht zu eskalieren. Militante Dschihadisten fordern das ägyptische Militär heraus. Das schlägt nun zurück.
Jo, das war wirklich ich. Vielleicht bin ich nicht korrekt informiert, aber meinem Verständnis nach haben "Unbekannte" einen ägyptischen Grenzposten beschossen, bei dem es Verletzte und Tote gegeben hat.
Bevor nicht belegt ist, dass dies Israelis waren, will ich dies auch nicht unterstellen.
Die Israelis haben sich ja erst im Nachgang an der Aktion beteiligt und über die Ägyptische Grenze geschossen.
Nach meinen Informationen hat es den Anschein, als wollten nicht näher bekannte Gruppen die Spannungen zwischen Israel und Ägypten anheizen, indem bei Nacht und Nebel solche Überfälle inszeniert werden. Es gibt auch nach wie vor viele Ägypter und natürlich auch Palästinenser, die von dem Friedensvertrag recht wenig halten und sich eine andere Gangart gegen Israel wünschen. Ferner "stören" die Grenzer bei der Versorgung des Gaza-Streifens durch die Tunnel.
Die Richtigkeit zu erörtern wäre ein langes Thema für sich, aber ich denke, dass Ägypten momentan mehr als hinreichend interne Aufgaben zu erfüllen hat und dazu Stabilität an den Außengrenzen wichtig ist. Krieg ist das Letzte, was Ägypten gerade braucht.
Man mag Israel für viel kritisieren - und dies tue ich auch - aber warum sollten Israelis einfach so einen Grenzposten beschießen und die Spannungen zu Ägypten erhöhen? Das ergibt aus meiner Sicht keinen wirklichen Sinn - denn in der Konsequenz haben sie ja das Waffenstillstandsabkommen aufgelockert und den Ägyptern den Militäreinsatz auf dem Sinai genehmigt... was eigentlich nicht wirklich in Israels Interesse ist, die ägyptische Armee dort zu haben. Schon gar nicht mit einer neuen Administration in Kairo, der sie nicht vertrauen.
Deswegen - ohne exakte Beweise zu kennen - halte ich es für plausibel, dass irre geleitete Fanatiker hier Spannungen erzeugen wollen um das Thema der Versorgung des Gaza-Streifens auch zu einem ägyptischen Thema zu machen.
Das mag wichtig sein, aber die Methode lehne ich ab, wenn meine Einschätzung denn stimmt. Ich bin aber gerne bereit, dazu zu lernen.
12.08.2012 12:27 Uhr
von Ignaz Quadratwurzel:
Wer wissen möchte, wer für das angebliche Machtvakuum auf dem Sinai verantwortlich sein könnte, dem könnte die Meldung aus der JP zu denken geben, wonach „Israel“ es Ägypten erlaubt habe, Kampfhubschrauber im Sinai einsetzen zu dürfen
@AntiPod "Insofern wäre es gerade für Ägypten wichtig, die neue Kultur des demokratischen Miteinanders überhaupt erst mal auszuprägen und zu entwickeln. In einer solchen Situation durch Mord und Totschlag Spannungen mit Israel heraufzubeschwören ist Dumm und Verachtenswert."
Warst das wirklich du? Du schreibst doch sonst ganz vernünftige Kommentare! Hier hört es sich so an, als würde "Ägypten" oder "das ägyptische Volk" Israel angreifen. Ägypten ist angegriffen worden und anschließend Israel, ist dir das nicht aufgefallen?! erstaunt, DP
10.08.2012 15:06 Uhr
von R.J:
Die Israelis kann man in diesem Zusammenhang vergessen, denn die können sich immer militärisch schützen und was ohnehin nötiger wäre, eine vernünftige Politik machen, was aber zunächst eine andere Sache wäre.
Was aber geschieht denn jetzt für und mit diesen Beduinen? Wer hilft ihnen zu besseren Lebensverhältnissen, bindet sie in Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft also in die ägyptische Gesellschaft etc. ein? Wenn man daran denkt, dann muss doch klar sein, es geht doch überhaupt darum, wie die Zukunft Ägyptens aussieht.
Doch wie man bislang mitbekommt, interessiert die den Westen doch nur, wenn es um ihr Israel, oder allenfalls um den Suez-Kanal geht, oder wenn man dort eine Regierung hat, die man sonst wie als Bremser und Kontrolleur in der Region für die eigenen Interessen einsetzen kann.
10.08.2012 09:03 Uhr
von best of:
@ Ute: >>aber was leistet die Bundesrepublik dort und das Außenministerium im Besonderen? <<:
Guido könnte z.B. die Abschaffung der Scharia bezüglich der Ungleichbehandlung und erheblichen Diskriminierung Homosexueller fordern. Damit könnte man tatsächlich das Schicksal und das Leben der homosexuellen Menschen in Ägypten verbessern.
10.08.2012 08:43 Uhr
von AntiPod:
Es macht einen unsagbar traurig, dass diese Menschen nun auf dem Sinai die Gewalt vom Zaun brechen.
Sicher ist im Arabisch-Israelischen Verhältnis vieles ungeklärt und man hat viele Leidvolle Erfahrungen miteinander gemacht. Ich denke aber, dass die Menschen, die auf dem Tahrir-Platz demonstriert haben nicht so unterschiedlich sind, wie die Menschen, die auf dem Rothschild-Boulevard campierten. Beide wollen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände.
Lebensumstände verbessern sich in der Regel im Frieden, wenn man das ganze Volk betrachtet.
Insofern wäre es gerade für Ägypten wichtig, die neue Kultur des demokratischen Miteinanders überhaupt erst mal auszuprägen und zu entwickeln. In einer solchen Situation durch Mord und Totschlag Spannungen mit Israel heraufzubeschwören ist Dumm und Verachtenswert.
Vielleicht nicht mit Netanjahu, aber mir dem israelischen Volk als ganzes kann es durchaus prosperierende Nachbarschaftsbeziehungen geben, wirtschaftlicher Austausch und ein Miteinander, bei dem man die Ressourcen der Länder nicht sinnlos für Militär und Gewalt verschwendet, sondern die Situation der Bevölkerung verändert.
Solche Attentate und Angriffe auf Grenzposten sind schlichtweg ein Verbrechen und gegen die Interessen der Bürger.
09.08.2012 15:55 Uhr
von Harald:
"Angesichts der Gewalt auf dem Sinai rief Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) Israel und Ägypten zu Zurückhaltung auf."
Hat er das wirklich so und in dem Zusammenhang gesagt?
Wenn ja, dann stellt sich die Frage, wie diese "Zurückhaltung" angesichts einer entfesselten Bande von Mordbrennern aussehen soll: Vielleicht wie in München '72?
Oder erwartet Welle, daß das israelische Militär eindringende Panzerfahrzeuge stoppt und für seine Besatzung eine Encounter Gesprächsgruppe einrichtet, um die bisherigen Erlebnisse aufzuarbeiten?
Das ägyptische Militär vielleicht einen Koran-Exegese-Workshop mit anschließendem fröhlichen Halal-Grillen?
Das alles begleitet vom deutschen Fernsehen, daß eine Emotion-Hotline für die heimischen Zuseher einrichtet mit anschließender, mehrfacher, eindringlichster Thematisierung im sonntäglichen "Tatort"?
09.08.2012 14:41 Uhr
von Ute:
Schade, dass Westerwelle nicht preisgibt, was er in seiner Umsicht für nötig und geboten hält, gilt es doch allgemein, das Schicksal und das Leben der Menschen in Ägypten zu verbessern.
U-Boote brauchen die wohl nicht, aber was leistet die Bundesrepublik dort und das Außenministerium im Besonderen?
09.08.2012 14:05 Uhr
von Stimme der Demokratie:
Das übliche Guido-Special: Aufruf zur Zurückhaltung. Das macht er gerne. Auch bei Terror-Anschlägen fordert er BEIDE Seiten auf, nicht überzureagieren. Danke Guido, Du bist eine große Hilfe.
Leserkommentare
13.08.2012 13:16 Uhr
von Ant-iPod:
@Daniel Preissler:
Jo, das war wirklich ich. Vielleicht bin ich nicht korrekt informiert, aber meinem Verständnis nach haben "Unbekannte" einen ägyptischen Grenzposten beschossen, bei dem es Verletzte und Tote gegeben hat.
Bevor nicht belegt ist, dass dies Israelis waren, will ich dies auch nicht unterstellen.
Die Israelis haben sich ja erst im Nachgang an der Aktion beteiligt und über die Ägyptische Grenze geschossen.
Nach meinen Informationen hat es den Anschein, als wollten nicht näher bekannte Gruppen die Spannungen zwischen Israel und Ägypten anheizen, indem bei Nacht und Nebel solche Überfälle inszeniert werden.
Es gibt auch nach wie vor viele Ägypter und natürlich auch Palästinenser, die von dem Friedensvertrag recht wenig halten und sich eine andere Gangart gegen Israel wünschen.
Ferner "stören" die Grenzer bei der Versorgung des Gaza-Streifens durch die Tunnel.
Die Richtigkeit zu erörtern wäre ein langes Thema für sich, aber ich denke, dass Ägypten momentan mehr als hinreichend interne Aufgaben zu erfüllen hat und dazu Stabilität an den Außengrenzen wichtig ist.
Krieg ist das Letzte, was Ägypten gerade braucht.
Man mag Israel für viel kritisieren - und dies tue ich auch - aber warum sollten Israelis einfach so einen Grenzposten beschießen und die Spannungen zu Ägypten erhöhen?
Das ergibt aus meiner Sicht keinen wirklichen Sinn - denn in der Konsequenz haben sie ja das Waffenstillstandsabkommen aufgelockert und den Ägyptern den Militäreinsatz auf dem Sinai genehmigt... was eigentlich nicht wirklich in Israels Interesse ist, die ägyptische Armee dort zu haben. Schon gar nicht mit einer neuen Administration in Kairo, der sie nicht vertrauen.
Deswegen - ohne exakte Beweise zu kennen - halte ich es für plausibel, dass irre geleitete Fanatiker hier Spannungen erzeugen wollen um das Thema der Versorgung des Gaza-Streifens auch zu einem ägyptischen Thema zu machen.
Das mag wichtig sein, aber die Methode lehne ich ab, wenn meine Einschätzung denn stimmt.
Ich bin aber gerne bereit, dazu zu lernen.
12.08.2012 12:27 Uhr
von Ignaz Quadratwurzel:
Wer wissen möchte, wer für das angebliche Machtvakuum auf dem Sinai verantwortlich sein könnte, dem könnte die Meldung aus der JP zu denken geben, wonach „Israel“ es Ägypten erlaubt habe, Kampfhubschrauber im Sinai einsetzen zu dürfen
„Israel OKs Egypt attack helicopters in Sinai“
http://www.jpost.com/MiddleEast/Article.aspx?id=280732
10.08.2012 19:24 Uhr
von Daniel Preissler:
@AntiPod
"Insofern wäre es gerade für Ägypten wichtig, die neue Kultur des demokratischen Miteinanders überhaupt erst mal auszuprägen und zu entwickeln.
In einer solchen Situation durch Mord und Totschlag Spannungen mit Israel heraufzubeschwören ist Dumm und Verachtenswert."
Warst das wirklich du? Du schreibst doch sonst ganz vernünftige Kommentare! Hier hört es sich so an, als würde "Ägypten" oder "das ägyptische Volk" Israel angreifen. Ägypten ist angegriffen worden und anschließend Israel, ist dir das nicht aufgefallen?!
erstaunt,
DP
10.08.2012 15:06 Uhr
von R.J:
Die Israelis kann man in diesem Zusammenhang vergessen, denn die können sich immer militärisch schützen und was ohnehin nötiger wäre, eine vernünftige Politik machen, was aber zunächst eine andere Sache wäre.
Was aber geschieht denn jetzt für und mit diesen Beduinen?
Wer hilft ihnen zu besseren Lebensverhältnissen, bindet sie in Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft also in die ägyptische Gesellschaft etc. ein?
Wenn man daran denkt, dann muss doch klar sein, es geht doch überhaupt darum, wie die Zukunft Ägyptens aussieht.
Doch wie man bislang mitbekommt, interessiert die den Westen doch nur, wenn es um ihr Israel, oder allenfalls um den Suez-Kanal geht,
oder wenn man dort eine Regierung hat, die man sonst wie als Bremser und Kontrolleur in der Region für die eigenen Interessen einsetzen kann.
10.08.2012 09:03 Uhr
von best of:
@ Ute:
>>aber was leistet die Bundesrepublik dort und das Außenministerium im Besonderen? <<:
Guido könnte z.B. die Abschaffung der Scharia bezüglich der Ungleichbehandlung und erheblichen Diskriminierung Homosexueller fordern.
Damit könnte man tatsächlich das Schicksal und das Leben der homosexuellen Menschen in Ägypten verbessern.
10.08.2012 08:43 Uhr
von AntiPod:
Es macht einen unsagbar traurig, dass diese Menschen nun auf dem Sinai die Gewalt vom Zaun brechen.
Sicher ist im Arabisch-Israelischen Verhältnis vieles ungeklärt und man hat viele Leidvolle Erfahrungen miteinander gemacht.
Ich denke aber, dass die Menschen, die auf dem Tahrir-Platz demonstriert haben nicht so unterschiedlich sind, wie die Menschen, die auf dem Rothschild-Boulevard campierten.
Beide wollen eine Verbesserung ihrer Lebensumstände.
Lebensumstände verbessern sich in der Regel im Frieden, wenn man das ganze Volk betrachtet.
Insofern wäre es gerade für Ägypten wichtig, die neue Kultur des demokratischen Miteinanders überhaupt erst mal auszuprägen und zu entwickeln.
In einer solchen Situation durch Mord und Totschlag Spannungen mit Israel heraufzubeschwören ist Dumm und Verachtenswert.
Vielleicht nicht mit Netanjahu, aber mir dem israelischen Volk als ganzes kann es durchaus prosperierende Nachbarschaftsbeziehungen geben, wirtschaftlicher Austausch und ein Miteinander, bei dem man die Ressourcen der Länder nicht sinnlos für Militär und Gewalt verschwendet, sondern die Situation der Bevölkerung verändert.
Solche Attentate und Angriffe auf Grenzposten sind schlichtweg ein Verbrechen und gegen die Interessen der Bürger.
09.08.2012 15:55 Uhr
von Harald:
"Angesichts der Gewalt auf dem Sinai rief Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) Israel und Ägypten zu Zurückhaltung auf."
Hat er das wirklich so und in dem Zusammenhang gesagt?
Wenn ja, dann stellt sich die Frage, wie diese "Zurückhaltung" angesichts einer entfesselten Bande von Mordbrennern aussehen soll: Vielleicht wie in München '72?
Oder erwartet Welle, daß das israelische Militär eindringende Panzerfahrzeuge stoppt und für seine Besatzung eine Encounter Gesprächsgruppe einrichtet, um die bisherigen Erlebnisse aufzuarbeiten?
Das ägyptische Militär vielleicht einen Koran-Exegese-Workshop mit anschließendem fröhlichen Halal-Grillen?
Das alles begleitet vom deutschen Fernsehen, daß eine Emotion-Hotline für die heimischen Zuseher einrichtet mit anschließender, mehrfacher, eindringlichster Thematisierung im sonntäglichen "Tatort"?
09.08.2012 14:41 Uhr
von Ute:
Schade, dass Westerwelle nicht preisgibt, was er in seiner Umsicht für nötig und geboten hält, gilt es doch allgemein, das Schicksal und das Leben der Menschen in Ägypten zu verbessern.
U-Boote brauchen die wohl nicht, aber was leistet die Bundesrepublik dort und das Außenministerium im Besonderen?
09.08.2012 14:05 Uhr
von Stimme der Demokratie:
Das übliche Guido-Special: Aufruf zur Zurückhaltung. Das macht er gerne. Auch bei Terror-Anschlägen fordert er BEIDE Seiten auf, nicht überzureagieren. Danke Guido, Du bist eine große Hilfe.