09.11.2016

Bremische Bürgerschaft spricht sich für den Bau eines "Arisierungs"-Mahnmals aus

Aktuelle Pressemitteilungen der taz

Der Umgang mit dem „Unrechts-Erbe“, der Aneignung jüdischen Besitzes in der NS-Zeit, war Thema eines öffentlichen Symposiums am 3. November in Bremen. Bremen als Hafen- und Logistikstandort profitierte insbesondere vom Transport geraubten jüdischen Eigentums. Die taz.bremen und die Bremische Bürgerschaft veranstalteten das Symposium zusammen mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen.

Vorausgegangen war eine vielbeachtete Initiative der taz.bremen für ein Bremer „Arisierungs“-Mahnmal. Anlass war die Weigerung des in Bremen gegründeten Logistik-Konzerns Kühne + Nagel, seine zentrale Rolle bei der „Verwertung“ jüdischen Eigentums aufzuarbeiten. Im Zuge der Recherchen wurde deutlich, dass Bremen darüber hinaus als Hafen- und Logistikstandort überproportional von der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung profitierte, auch im Rahmen der Auswanderung.

Henning Bleyl, Begründer der Mahnmal-Initiative und Redakteur in der taz, kann nun einen „Etappensieg“ für die Initiative vermelden. So sprachen sich am gestrigen Abend alle Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft für den Bau eines "Arisierungs"-Mahnmals aus. Bleyl: „Das ist ein gewaltiger Unterschied zu der Situation im vergangenen Jahr, als Kühne+Nagel im Rahmen seines Firmenjubiläums völlig unwidersprochen behaupten konnte, seiner Rolle im ,Dritten Reich' mangele es an Relevanz.“

Mit den Stimmen der Grünen, der SPD und der Linkspartei wurde darüber hinaus konkretisiert, dass man sich dabei explizit auf den Ideen- und Gestaltungswettbewerb der taz beziehen will und dass „insbesondere auch ein Standort im Umfeld des Neubaus der Firma Kühne+Nagel einzubeziehen“ sei. Das letzte Wort über genaue Gestaltung und Verortung des Mahnmals liegt nun aber bei den Fachgremien.

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) erklärte: „Der Senat begrüßt die Errichtung eines solchen Mahnmals ganz ausdrücklich. Wir werden dafür sorgen, dass dieses Mahnmal errichtet wird.“ In seiner Eigenschaft als Kultursenator habe er sein Ressort beauftragt, entsprechend aktiv zu werden und die zuständigen Gremien zu befassen.

Informationen zum Stand der Mahnmal-Initiative und weitere Artikel zum Thema finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Symposium und Anmeldung sind möglich bei Henning Bleyl, bleyl@taz.de.

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