• 08.2013.

"Qualität, die wir brauchen"

RECYCLING Kleine Sammelfirmen liefern oft besseres Papier als blaue Tonnen, sagt Fabrikant Huesmann

taz: Herr Huesmann, ist es Ihnen egal, wer Ihnen den Rohstoff für Ihre Fabriken liefert?

Robin Huesmann: Nein, das ist es nicht. Wir produzieren ausschließlich auf Altpapierbasis hochwertige Papiere für Magazine; Altpapier ist also unser bedeutendster Rohstoff. Darum ist es sehr wichtig, dass wir gute Papier-Qualitäten bekommen. Viele Ausschreibungen der Kommunen sichern heute keine Qualität des Altpapiers zu. Das heißt, es wird immer aufwändiger, dieses eher schlechtere Papier zu sortieren. Schön wäre es, wenn die verschiedenen Papiersorten schon in den Haushalten getrennt gesammelt würden und so direkt in unsere Papierfabrik kämen.

Von der blauen Papiertonne halten Sie nicht so viel?

Die blaue Tonne ist sowohl umweltpolitisch als auch volkswirtschaftlich natürlich ein großer Erfolg, aus Sicht der graphischen Papierindustrie gibt es jedoch ein großes Aber. In der blauen Tonne landet alles mögliche, nicht nur Tageszeitungen und Illustrierte, sondern auch Kartons und Verpackungen. Dabei nimmt tendenziell die Menge der Zeitungen ab und die der Verpackungen zu; anders als die Printbranche boomt der Internetversandhandel. Dazu kommt Müll, der gar nichts mit Papier zu tun hat, Folien etwa, oder Lebensmittelreste. Die besten Qualitäten erhalten wir entweder von kleinen Papiersammlern, die den Haushalten zum Beispiel Zeitungen abnehmen, oder direkt von Pressevertrieben oder Verlagen. Da sind dann kaum Kartons drin, die Qualität ist 300 Prozent besser.

Können Sie die Kartons nicht einfach raussortieren?

In den Sortieranlagen wird schon viel herausgesucht. Wenn aber die Kartons in kleine Stücke zerrissen werden, damit sie in die blaue Tonne hineinpassen, wird es schwierig. Dann bleiben immer Restbestände des braunen Materials übrig. Kommt die Pappe einmal in unsere Verarbeitung und wird nass, können Sie nichts mehr machen. Wir nehmen bis zu drei Prozent verunreinigtes Material an. Das Altpapier, das wir von spezialisierten Sammlern bekommen, ist deutlich sauberer. Sie können eben nur aus weißem Altpapier wieder weißes Papier machen.

Das heißt?

Wir benötigen mehr Energie und Chemikalien, um die Papiere heller zu bekommen. Einfach gesprochen: Sie müssen die Fasern öfter durch die Waschanlagen der Fabrik jagen, sie länger erhitzen und sie öfter mit Wasserstoffperoxid bleichen oder mit Farbpigmenten bestreichen, damit sie weiß aussehen.

Wie oft kann man so behandelte Fasern wiederverwerten?

Eine einzelne Papierfaser kann fünf bis sieben Mal recycelt werden. Sie wird jedoch bei jedem Recyclingprozess kürzer und irgendwann unbrauchbar. Allerdings haben Sie in einem Blatt Papier ja immer Fasern verschiedener Generationen. Wenn man also immer frische Fasern zuführt, kann man Papier letztlich beliebig oft recyceln.

Bekommen Sie denn Qualitäten in ausreichender Menge?

Insgesamt hat sich der Markt etwas beruhigt. Eine Zeitlang hatten wir wirklich Mühe, an unsere Rohstoffe zu kommen, das ist derzeit nicht so, obwohl immer noch große Mengen nach China exportiert werden. Allerdings macht uns das Kreislaufwirtschaftsgesetz Sorge. Es hat dazu beigetragen, dass viele kleine Aufkaufstellen für Papier vermehrt unter Druck geraten. Die Betreiber der Aufkaufstellen fürchten inzwischen um ihre Existenz. Aber genau diese haben aber die beste Qualität, auf die wir dringend angewiesen sind.

INTERVIEW: HEIKE HOLDINGHAUSEN



Robin Huesmann,

 32, ist Geschäftsführer der Leipa Unternehmensgruppe aus dem brandenburgischem Schwedt und dort zuständig für Altpapier. Das 167 Jahre alte Unternehmen beschäftigt insgesamt 1.500 Mitarbeiter. Foto: privat

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