• 13.08.2001

"Da gibt es tausend Dinge"

Die Berliner Ärztin und Homöopathin Angelika Gutge-Wickert, Mitglied des Berliner Vereins homöopathischer Ärzte, über Homöopathie und Heilpraktiker. Und über die Dinge, für die es wissenschaftlich keine Erklärung gibt

taz: Sie sind Ärztin mit einer dreijährigen Zusatzausbildung als Homöopathin. Was ist Homöopathie genau?

Angelika Gutge-Wickert: Die Homöopathie hat das Behandeln mit Ähnlichem zum Prinzip. Wo die größte Ähnlichkeit zu den Krankheitssymptomen besteht, finde ich das Mittel, das ich dem Patienten gebe.

Können auch Heilpraktiker Homöopathen sein?

Man darf nicht am Patienten heilerisch tätig sein, ohne Arzt oder Heilpraktiker zu sein. Ein Heilpraktiker hat als Befähigungsnachweis die Prüfung als Heilpraktiker abgelegt. Es gibt auch Schulen, die eine dreijährige Ausbildung zum Heilpraktiker anbieten. Wobei die Homöopathie nicht eingeschlossen sein muss.

Ist es nicht unverantwortlich, jemanden mit der schwammigen Qualifikation Heilpraktiker auf Patienten loszulassen?

Es gibt Heilpraktiker, die eine sehr gute homöopathische Ausbildung haben und das auch sehr gut können, ohne dass sie eine ärztliche Ausbildung haben. Aber die Bezeichung ist nicht geschützt.

Hat der Patient irgendwelche Sicherheiten, wenn er zum Heilpraktiker geht?

Nein. Er muss sich darauf verlassen, was Patienten, die da waren, erzählen. Man ist im luftleeren Raum. Es gibt Heilpraktiker, die bestehen die Prüfung beim Amtsarzt, haben aber sonst keine Kenntnisse. Das wichtigste Kriterium bei der Abnahme dieser Prüfung durch Amtsärzte ist, dass die Heilpraktiker ihre Grenzen sehen.

Müssten die Prüfungsbedingungen nicht verschärft werden?

Es ist Quatsch die Prüfung für Heilpraktiker hochzustecken, denn er muss ja nur wissen, was er behandelt, und in diesem Bereich muss er die Grenzen kennen. Es kann ja jemand tolle Fähigkeiten haben, da gibt es tausend Dinge.

Was zum Beispiel?

Pendeln. Mit dem Pendel herauszufinden, was dem Patienten fehlt. Es gibt Menschen, die haben eine Meisterschaft darin. Es gibt solche Dinge. Es gibt auch Geistheiler. Wir müssen davon ausgehen, dass es Dinge gibt, für die wir keine Erklärung haben.

Es gibt auch Mediziner, die die Homoöpathie zur irratio-nalen Wissenschaft erklären. Die behaupten, ihr Wirkprinzip sei die Täuschung des Patienten, verstärkt durch die Selbsttäuschung des Behandlers . . .

Dazu würde ich sagen, das ist einfach eine Behauptung, die in den Raum gestellt wird.

Es gibt auch wissenschaftliche Untersuchungen dazu . . .

Ich mache das seit 20 Jahren und sehe, das die Dinge passieren. Man muss in der Homöopathie den gesamten Menschen anschauen. Das braucht mehr Aufmerksamkeit, mehr Erfahrung, mehr Erkenntis, keine Nullachtfünfzehn-Behandlung. Sicher, man kann immer sagen, letztendlich war es der Glaube, der gewirkt hat. Aber wie kommt es dann, dass es bei Tieren funktioniert, bei Babys?

Verschreiben sie Antibiotika?

Wenn ich mit meiner Methode nicht weiterkomme, dann greife ich auch auf bewährte Sachen zurück. INTERVIEW: EDITH KRESTA

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