• 22.03.2006

Spur nach Todesschuss

Der Zivilfahnder Uwe Lieschied ist tot. Den Schüssen auf den Beamten war ein Raubüberfall vorausgegangen

Der 42-jährige Polizeihauptkommissar Uwe Lieschied ist tot. Der Zivilfahnder erlag gestern in einem Krankenhaus seinen schweren Kopfverletzung. Dass Lieschied keine Überlebenschance haben würde, hatte sich schon in den vergangenen Tagen abgezeichnet. Die Ärzte hatten bei ihm keine Hirnströme mehr messen können. Polizeipräsident Dieter Glietsch würdigte Lieschied gestern als einen Beamten, "der mit seinem Engagement bei der Kriminalitätsbekämpfung ein Vorbild für viele Kollegen war".

Nach wie vor ist unklar, wer am Freitagabend in der Fontanestraße in Neukölln auf den Zivilfahnder geschossen hat. Die Ermittlungen scheinen aber ein Stück vorangekommen zu sein. Wie der Leiter der Mordkommissionen, Andre Rauhut, gestern mitteilte, gibt es Erkenntnisse, dass den Schüssen ein Raubüberfall auf eine 51-jährige Frau im nahen Umfeld der Fontanestraße vorausgegangen war.

Als die Täter davonliefen, waren sie von der Zivilstreife gesehen worden. Lieschied und ein Kollege hatten zu Fuß die Verfolgung aufgenommen. "Die Kollegen hatten den richtigen kriminalistischen Riecher", so Rauhut. "Sie waren einem Verbrechen auf der Spur, ohne dass sie es wussten." Lieschied war den Flüchtenden dicht auf den Fersen, als sich einer der Verfolgten plötzlich umdrehte und mehrere Schüsse abfeuerte.

Einzelheiten über den vorangegangenen Straßenraub wollte Rauhut aus ermittlungstaktischen Gründen allerdings nicht bekannt geben. Unbeantwortet blieb damit vor allem die Frage, ob die Schusswaffe schon bei dem Raub eine Rolle gespielt hatte und ob die Täter etwas erbeutet hatten.

Das 51-jährige Raubopfer habe unabhängig von dem späteren Fahndungsaufruf Strafanzeige erstattet, sagte Rauhut. Die Täterbeschreibung der Frau decke sich im Wesentlichen mit der Täterbeschreibung des Zeugen, der die Schussabgabe in der Fontanestraße beobachtet habe. "Wir sind die ganze Zeit von einem Ausländer ausgegangen und gehen es weiterhin", so Rauhut. PLU

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