• 29.12.2006

Ägypten unterstützt Fatah mit Waffen

Israelische Medien berichten über eine Genehmigung für die Lieferung von Kalaschnikows. Abbas dementiert

JERUSALEM taz Mit einer umfangreichen Waffenlieferung versucht die ägyptische Regierung die Palästinenserpräsident Mahmud Abbas nahe stehenden Sicherheitskräfte zu stärken. Israelischen Zeitungsberichten zufolge wurden vier Lastwagen mit 2.000 Gewehren des Typs Kalaschnikow AK 47 sowie 200 Magazine und zwei Millionen Schuss Munition mit der Genehmigung israelischer Behörden über die Grenze gebracht. Wie die Tageszeitung Ha'aretz berichtet, geht die Lieferung auf eine Vereinbarung zwischen Ägypten, Israel und den USA zurück. Auf ihrem ersten gemeinsamen Gipfel haben Abbas und der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert den Deal am vergangenen Samstag perfekt gemacht.

Abbas reagiert mit der Aufrüstung auf die Klage seiner Sicherheitskräfte, ihre Waffen seien in der Auseinandersetzung mit Milizen der radikalislamischen Hamas unterlegen. Die Extremistenorganisation, die seit März die Regierung stellt, hat ihre Truppen mit geschmuggelten Waffen ausgestattet. Innenminister Said Siam hat, weil er den Fatah nahen Sicherheitskräften nicht traut, eigens eine rund 5.000 Mann starke Truppe gegründet, die seinem Kommando untersteht.

Um angesichts des brüchigen Waffenstillstands zwischen Hamas und Fatah keine neue Eskalation zu provozieren, ließ Abbas die Nachricht gestern jedoch dementieren. "Was über die Sicherheitskräfte des Präsidenten und die Waffenlieferungen gesagt wird, ist unbegründet und nicht im geringsten wahr", sagte der Sprecher des Präsidenten, Nabil Abu Rudeineh.

Durch die Tunnel, die palästinensische Schmuggler an der Grenze zum ägyptischen Sinai gegraben haben, werden zwar auch Waffen für die Fatah in den Gazastreifen gebracht. Doch im großen Stil lässt sich vor allem die Hamas beliefern, die dank iranischer Hilfe die Ware auch problemlos bezahlen kann. Israel beklagt seit langem, dass die Ägypter die "Philadelphi Route", die Grenzstraße, nicht effektiv genug kontrolliert. Als der jüdische Staat noch selbst dort die Kontrolle hatte, wurden regelmäßig Tunnel gesprengt.

SILKE MERTINS

meinung und diskussion SEITE 9

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