• 25.06.2005

Der Soundtrack zur Rettung

Bald endet die Kampagne "nrw retten, taz abonnieren". Was fehlt? Natürlich Musik. Deshalb spielen am Dienstag in Köln sechs Bands für die taz nrw. Mit dabei: die reanimierten "Flowerpornoes"

VON BORIS R. ROSENKRANZ

Wie gerne würden wir durch die Straßen tänzeln, mit trippelnden Beats im Ohr, und immer wieder nur diese eine Zeile singen, die Suzie Kerstgens auf der ersten Klee-Platte ins Mikro schmachtet: "Wir sind unverwundbar, dadabdaaa, wir sind unverwundbaaaar..." - stopp! Halt! Jetzt mal nicht so romantisch, bitte. Unverwundbar? Das ist ja eine hübsche Vorstellung, aber, nein, unverwundbar sind wir nicht. Im Gegenteil. Wir sind angeschlagen - finanziell. Auch bei der taz wird gerechnet, kalkuliert, geplant. Und da passt es eben gerade hinten und vorne nicht.

Was also tun? Den Verleger fragen? Gibt's nicht. Die taz gehört ihren LeserInnen. Also fragen, ob Sie uns mit Abonnements unterstützen. Seit Anfang März machen wir das nun, und die Resonanz nimmt von Woche zu Woche zu. Am Donnerstag endet die Kampagne "nrw retten, taz abonnieren". Wir sind also im Endspurt. Was bisher fehlte? Na klar: Der Soundtrack zur Rettungskampagne. Den liefern wir jetzt endlich nach.

Nordrhein-Westfalen ist gut bestückt, was Popmusik betrifft. Insbesondere wenn man den Blick auf Köln wendet, die Hochburg der Elektro-Frickler, wird man hörig. Allein fünf der sechs Bands, die am Dienstag im Kölner Stadtgarten ihre Instrumente surren lassen, kommen aus der Domstadt. Klee zum Beispiel, das unverwundbare Trio, das uns mit butterigem Indiepop beliefert. Sommermusik, ganz klar, wenn Suzie Kerstgens Stimme sachte um ein Skelett aus Elektrobeats flattert. Mit diesem Sound sind Klee quasi permanent auf Achse. Allein die aktuelle Tour dauert noch bis in den Spätherbst. Die taz nrw zu retten, lässt sich das Trio dennoch nicht nehmen.

Dann ist da noch: das Duo Wolke, das unlängst sein Debüt "Susenky" vorlegte, ein minimalistisches, sehr getragenes Werk, mit dem Wolke es auch auf den Sampler des Rolling Stone schafften. Heißt das was? Nö. Wichtiger ist hingegen, was Sänger Oliver Minck über die taz nrw sagt: "Die taz bürstet seit jeher gegen den Strich und besetzt mit großer Leidenschaft auch die unbequemen Positionen. Damit sie das in NRW weiterhin tun kann, unterstützen wir die Rettungskampagne der taz nrw."

Wie immer: Platzmangel. Alle Bands an dieser Stelle zu besprechen, also zum Beispiel zu sagen, wie gut die Platte von Werle & Stankowski klingt, die auch gerade wieder aus den Boxen fließt, oder über diese sagenhaft traurige Coloma-Platte zu jubeln, würde die Zeilen sprengen. Deshalb bleibt nur eins zu sagen, bevor wir noch kurz auf den einzigen im Bunde zu sprechen kommen, der nicht aus Köln, sondern aus den Untiefen des Ruhrgebiets stammt: Kommt alle in den Stadtgarten, tanzt, singt, trinkt - und rettet die taz nrw.

So, das wäre gesagt. Nun zu Tom Liwa. Der Duisburger Singer/Songwriter ließ sich nicht lange bitten, bei der Rettung der taz nrw mitzumachen. Und nun der Clou, sowieso schon viel zu lange hinausgezögert: Liwa wird, erstmals nach gut zehn Jahren, wieder unter dem Namen "Flowerpornoes" auftreten. Das lose Musiker-Kollektiv zerschlug sich, nachdem es im Jahr 1996 die Platte "Ich & Ich" aufgenommen hatte. Nun, einige Solo-Platten später, hat Liwa nach eigener Aussage "viel Werkschau betrieben". Resultat: "Es ist Zeit für eine Renaissance." Wenn sie derzeit elektrisch spielten, sagt Liwa, dann fühle sich das an wie damals. Deshalb wird es am kommenden Dienstag zu einem mehr oder minder historischen Ereignis kommen: Die Flowerpornoes spielen für die taz nrw. Und so wird Liwa, der sich inzwischen dem Deutsch-Pop verschrieben hat, auch ein paar englische Songs auspacken.

taz nrw-Soli-Konzert
Dienstag, 28. Juni 2005, 20 Uhr
Stadtgarten Köln
Infos: 0234-954 26 23

KLEE

"Uns ist die taz nrw wichtig, weil sie dem Gros der Tageszeitungen eine alternative Perspektive entgegensetzt."

COLOMA

"Coloma are performing for the sake of the taz nrw because they believe in the expression of opinions beyond those that merely sell advertising."

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