Die Laudatio, die Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) bei der Präsentation eines neurechten Buches im November vergangenen Jahres hielt (die taz berichtete) war gestern Thema der Fragestunde im Abgeordnetenhaus. Der PDS-Abgeordnete Freke Over wollte vom Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen wissen, wie er Schönbohms Auftritt bewerte. Diepgen dazu: "Ich gehe davon aus, daß sich der Innensenator genau angesehen hat, was für ein Buch er vorstellt." Schönbohm habe sein volles Vertrauen.
Schönbohms unübersehbarer Drang, selbst vor dem Parlament Stellung zu nehmen, wurde vom Präsidium gebremst - nur der von Over direkt Befragte, in diesem Fall war es Diepgen, darf laut Geschäftsordnung zur Frage Stellung nehmen. Ein Schachzug, zu dem der Innensenator dem PDS-Abgeordneten später gratulierte. Der taz erklärte Schönbohm gestern, er sei vom Herausgeber Schwilk angesprochen worden, ob er das Buch "Berliner Republik" vorstellen würde. Er habe zugesagt. Erst beim Lesen habe er festgestellt, um was für ein Buch es sich handle. Die Einladung sei aber bereits verschickt gewesen. Auf die Frage, ob er sonst abgesagt hätte, sagte Schönbohm: "Ich will jetzt keinen Rückzieher machen." Er habe das Buch damals einer "kritischen Würdigung" unterzogen. Er sei in vielen Punkten ganz anderer Meinung als die Autoren, betonte Schönbohm. Das gelte für die Ablehnung des Euro ebenso wie Angriffe gegen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU). Freke Over warf Schönbohm "fehlende Distanz zu Rechten" vor. SPD- Fraktionssprecher Hans-Peter Stadtmüller bezeichnete Schönbohms Auftritt als "eigenartig". Die SPD wolle noch darüber beraten. taz
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