TOKIO epd/taz
Ein symbolisches Kriegsverbrechertribunal hat Japans verstorbenen Kaiser Hirohito für Vergewaltigungen und sexuelle Versklavung von rund 200.000 asiatischen Frauen während und vor dem Zweiten Weltkrieg für schuldig erklärt. Hirohito sei Oberbefehlshaber der japanischen Armee gewesen, die in den von Japan besetzten Ländern so genannte Trostfrauen in Truppenbordelle gezwungen habe, sagte die Richterin Gabrielle Kirk McDonald gestern bei der Verkündung des nicht rechtsverbindlichen Urteils in Tokio. Dies seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit gewesen. Damit widersprach das Tribunal der in Japan gängigen Auffassung der Gerichte, dass die Verbrechen verjährt seien.
McDonald, früher Präsidentin des UN-Strafgerichtshofs für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag, leitete das von Frauen- und Menschenrechtsorganisationen veranstaltete Tribunal, das am Dienstag zu Ende ging. Nach ihrer Ansicht wusste der Kaiser spätestens seit Dezember 1937 von den Vergewaltigungen durch japanische Soldaten.
In dem symbolischen Urteil werfen die drei Richterinnen und ein Richter Japans Regierung vor, durch die Zwangsprostitution zahlreiche Völkerrechtsabkommen verletzt zu haben. Sie habe damit gegen die Haager Landkriegsordnung von 1907, die Internationale Konvention gegen den Frauen- und Kinderhandel von 1921, die Anti-Sklaverei-Konvention von 1926 und das Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gegen Zwangsarbeit verstoßen. McDonald forderte Japan auf, die Verbrechen umfassend aufzuklären.
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