Je flexibler die Marktwirtschaft, desto unsicherer leben die Beschäftigten. Die Unternehmen der so genannten New Economy, allen voran die Call-Center, machen es vor: Die Mitarbeiter arbeiten auf Abruf, hire and fire ist an der Tagesordnung. Und Interessenvertretung: Fehlanzeige. Dabei wäre ein Betriebsrat nötig, um Mindeststandards durchzusetzen.
Kommentar
von RICHARD ROTHER
Stattdessen herrscht in den "modernen" Unternehmen eine Corporate Identity. Alle sind nett zueinander, sagen "du" zum Chef, den Kaffee gibt es umsonst. Wenn es hart auf hart kommt, ist davon wenig zu spüren. Bei Finanzproblemen gehen die zuerst, die der Chef auf'm Kieker hat.
Viele Beschäftigte haben sich damit abgefunden - teils aus Resingation; teils, weil sie die Zwänge des Marktes verinnerlicht haben. Das ist schlimm, aber es gibt Ausnahmen. Eine ist die Hotline GmbH, wo sich Beschäftigte zusammengetan haben, um einen Betriebsrat zu gründen. Sie bekommen jetzt die Härte der Marktwirtschaft zu spüren: fristlose Entlassung.
Der Fall zeigt, wie nötig die Reform des Betriebsverfassungsgesetzes ist. Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) will den Betriebsbegriff erweitern. Dagegen laufen die Unternehmer Sturm. Denn Riester geht es auch darum, die Gründung von Betriebsräten in New-Economy-Firmen zu erleichtern. So zaghaft die Reform sein mag - im Vergleich zu den heutigen Regeln, die aus Zeiten industrieller Massenproduktion stammen, ist sie ein Fortschritt. Auch in der New Economy gilt: Kollektiver Schutz ist unverzichtbar, sollen die Einzelnen nicht noch mehr zum Spielball der Marktkräfte werden.
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