Die Expertenkommission "Historische Mitte Berlin" hat sich gestern auf ihrer zweiten Sitzung darauf verständigt, dass der Schlossplatz künftig für Museen, Bibliotheken und für Veranstaltungen genutzt werden müsse. Insbesondere die Sammlung für außereuropäische Kulturen in Berlin-Dahlem sei auf einem zentralen Museumsstandort denkbar. Zugleich übten Mitglieder der Schlossplatzkommission scharfe Kritik an Politikern innerhalb ihrer Runde, wie Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin (SPD) und Berlins Kultursenator Christoph Stölzl (CDU), die sich bereits für oder gegen den Schlossaufbau festgelegt hatten. "Die Kommission fordert die Politiker auf, sich mit ihren Ansichten zurückzuhalten", sagte der Vorsitzende Hannes Swoboda. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Kommission berate, aber "Beschlüsse schon gefasst" seien.
Die 17-köpfige Kommission will bis Ende dieses Jahres dem Bund und Berlin eine Empfehlung über die Bebauung des Schlossplatzareals geben. Über die Architektur, den Erhalt oder Abriss des Palastes der Republik oder eine Schlossrekonstruktion wurde gestern nicht gesprochen.
Der Schlossplatz, sagte Swoboda, dürfe nicht auf "eine museale Nutzung" beschränkt bleiben. "Die Auseinandersetzung mit außereuropäischen Kulturen ist nur ein Thema." Entsprechend der Nutzung des Palasts, der "weniger ein Staatsgebäude als vielmehr ein Kulturgebäude war", müsse die zukünftige Gestaltung "einem öffentlichen Charakter Rechnung tragen", so der Vorsitzende. Auch so könnte der "Geist" und die "Idee" des Palastes, neben der Möglichkeit des Erhalts, in die Zukunft hinübergerettet werden.
Jede Bebauung müsste daher "ein Beitrag zur Verlebendigung des Ortes" werden, sagte Swoboda. "Elitäre" oder eingeschränkte Nutzungen sollten dagegen "auf ein Minimum" beschränkt bleiben.
Mit einbezogen in die Überlegungen einer Neugestaltung für die neue Mitte hat das Gremium gestern auch das Marx-Engels-Forum. Dieses soll zu einem neuen Platz umgestaltet werden.
ROLF LAUTENSCHLÄGER
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