• 26.03.2001

buchtipp

Frauensache

In Afrika

Der Brandes & Apsel Verlag führt die "eine Welt" zusammen. Neben vielfältigen interkulturellen Sachbüchern hat er auch ein interkulturelles literarisches Programm entwickelt, das in Deutschland lebende Autoren wie Nasrin Siege oder Wadi Soudah veröffentlicht. Im Bereich Länder wurde ein Kontinente überschreitender Afrika-Schwerpunkt aufgebaut. So kommt auch der deutsche Leser, die deutsche Leserin in den Genuss afrikanischer Prosa, die andere Bildsprachen, andere Perspektiven und Sichtweisen eröffnet, ungefiltert und unbegrenzt vom hier herrschenden Publikumsgeschmack und Literaturmarkt. Ein Zugewinn an Lesefreiheit, Fantasie und Erlebnis. Zumindest was das Buch der Mosambikanerin Paulina Chiziane, "Liebeslied an den Wind", betrifft.

Es ist die Lebensgeschichte einer Frau aus der Provinz Mabone im Mosambik der Kolonialzeit. Es ist die Geschichte von Träumen, der Sehnsucht nach Nähe und ihres unsanften Aufpralls in einer traditionellen Gesellschaft, die geprägt ist von Polygamie und anmaßender Männlichkeit. Aber auch die christlich-monogame Ehe, im portugiesisch beeinflussten Mosambik erweist sich als gegen die Interessen der Frauen gewandt. Auch sie bietet keine Absicherung. Sie ist nur ein weiterer Mythos im traditionellen afrikanischen Umfeld mit seinen zahlreichen Mythen und Zaubereien.

Die Protagonistin Sarnau, gefangen im Räderwerk zweier aufeinander prallender Kulturen - der protugiesischen und der afrikanischen -, wird verstoßen, verlassen, erniedrigt und muss sich und ihre unehelichen Kinder irgendwie durchbringen.

Doch Paulina Chiziane erzählt das exemplarische Frauenschicksal ohne Larmoyanz. Im Gegenteil: Sie schreibt in einer üppigen, emotionalen Sprache die Lebensgeschichte Sarnaus, und ihre Geschichte ist allein deren Wünschen und Begehrlichkeiten verpflichtet. Dass das Leben Sarnaus voller Fallstricke ist, die Realität gnadenlos, die Männer selbstsüchtig sind, die Gesellschaft frauenverachtend und die christliche Religion auch kein Trost ist, kommt nebenbei heraus, ohne dass gesellschaftskritische Moralismen oder feministische Betrachtungen bemüht werden. "Liebeslied an den Wind" ist ein Buch voll fantastischer Höhenflüge, aber ohne verkitschte Romantizismen. Ein Feuerwerk an Fantasie. Paulina Chiziane schreibt fesselnde Literatur, die nebenbei auch ein Bekenntnis zur Selbstbehauptung der Frau ist.

EDITH KRESTA

Paulina Chiziane: "Liebeslied an den
Wind". Aus dem Portugiesischen
von Claudia Stein und Michael
Kegeler. Brandes & Apsel 2001,
144 Seiten 29,80 DM

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