Der Zeitpunkt war fatal, der Affront total: Karlheinz Stockhausens Äußerung, die Attentate gegen die USA seien "Kunstwerke", dementierte er zwar prompt, aber zurückzuholen sind die Worte nicht. Und auch wenn der Komponist die Attentate keineswegs verherrlicht und den Begriff "Kunstwerk" hier ästhetisch und nicht moralisch meinte: Solche Formulierungen dürfen einfach nicht passieren.
Wichtig zu wissen ist aber auch, dass Stockhausen sofort danach - und nicht erst Stunden später, wie kolportiert - das Gesagte zurückzunehmen versuchte, sichtlich erschreckt von den eigenen Worten.
Fakt ist aber, dass derzeit nicht nur die Weltöffentlichkeit hochsensibel auf Worte reagiert, sondern dass auch der Hamburger Wahlkampf in seine entscheidende Phase getreten ist. Und dass damit die Versuchung für manche Medien wächst, "verbale Entgleisungen", so Kultursenatorin Christina Weiss, die sich klar distanzierte, aus dem Zusammenhang zu reißen und genüsslich vorzuführen.
Dass das diesmal von Feuilletonisten ausging, die durchaus zwischen Ethik und Ästhetik unterscheiden können, ist hier nebensächlich. Entscheidend ist, dass Medien gerade in Zeiten erhöhter Sensibilität in ihrem Vermittlungs- und Differenzierungsvermögen besonders gefordert sind.
Notwendig ist deshalb genau jene De-Eskalationsleistung, die gerade nach dem US-Anschlag so vehement als "zivilisierter Umgang mit Konflikten" eingefordert wird. Oder gelten solche Maßstäbe immer nur für die anderen? Petra Schellen
Bericht Seite 23
Wollen Sie taz-Texte im Netz veröffentlichen oder nachdrucken, dann wenden Sie sich bitte an unsere Abteilung Syndikation: lizenzen@taz.de.
Hier finden Sie alle seit Juni 2007 auf taz.de erschienenen Beiträge.
Das kostenpflichtige Archiv der gedruckten tageszeitung mit allen Texten seit 1986 finden Sie in der Volltextsuche der taz.