taz: Herr Vollmer, ist das Videomaterial Ihrer Einschätzung nach echt, oder könnte es ganz oder in Teilen manipuliert sein?
Hansi Vollmer: Rein gefühlsmäßig würde ich sagen: Das ist authentisch. Richtig könnten dass aber nur die Übersetzer festellen, weil sie sehen, ob die Lippenbewegungen und das Gesagte wirklich übereinstimmen.
Technisch wäre eine solche Manipulation aber möglich?
Die rein digitale Bearbeitung des analogen Materials, also das Umkopieren der Videokassette auf die Computersysteme, die das Bearbeiten können, ist kein Problem. Das ist ein Standardverfahren, das machen wir auch täglich. Und natürlich könnte ich das Bild von Bin Laden nehmen und mache nur die Kinnpartie künstlich in 3D und verzerre die entsprechend. Dann müsste das immer an die Sprache angepasst werden - und hinterher an die Qualität des Originalmaterials, in das es hineingebaut wird.
Die technische Qualität des Videos ist ja eher mies . . .
Das ist ja Teil der Problematik: Man muss das Bildmaterial, wenn man etwas verändert, in derselben schlechten Qualität wiederherstellen. Und das ist überraschend schwierig, wenn zum Beispiel das ganze Rauschen wieder drübermuss.
Wäre es auch denkbar, dass hier ein perfektes Band künstlich verschlechtert wurde, um Manipulationen zu verschleiern?
Das wäre die perfideste Möglichkeit, dass hier hinterher verschlechtert wurde und so technische Mängel ein bisschen verschwinden. Aber prinzipiell ist das von der zur Verfügung stehenden Zeit her nicht zu machen.
Warum nicht?
Wenn Sie allein mal an "Forrest Gump" denken, wo Tom Hanks in die Aufnahmen reinkopiert wurde - das sind jeweils nur Sekunden. Und da waren Wochen für nötig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass im Moment auch ein sehr gut ausgestattetes Studio das in der Länge des Bin-Laden-Videos schafft. Das ist nicht realistisch.
Vielleicht nicht das ganze Video, aber Teilstücke?
Angenommen, da sitzen 2.000 Experten in einer Fabrik, könnten die vielleicht Sequenzen von einer halben bis zu einer Minute herzustellen. Bei H5B5 arbeiten derzeit zehn Mann für eine perfekte Minute Film sechs Wochen lang. INTERVIEW: STEFFEN GRIMBERG
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