Zum Geburtstag der Gewerbefreiheit gab es neben schwarzgebackener Torte eine Überraschung. Ehrengast Henning Scherf sagte in der letzten Minute ab. "Alles meine Schuld", erklärte sein Referent Manfred Halbscheffel. Die Anfrage der Böhnhasen, einer Vereinigung von HandwerkerInnen gegen die Meisterpflicht, habe er nicht so genau gelesen - und einem Senatsempfang zugestimmt. Gestern dann die furchtbare Erkenntnis: Die Böhnhasen beschuldigen Kammern und Meisterbetriebe der unfairen Marktkontrolle.
"Herr Scherf könnte sich ja bei keiner Handwerkskammer mehr blicken lassen", sagte Halbscheffel. "Der Meisterbrief steht nicht zur Debatte, und ein Senatsempfang würde die heutige Veranstaltung ja politisch adeln."
"Alle Argumente für den Meisterzwang sind schon vor 150 Jahren wiederlegt worden", erklärte Jonas Kuckuk, Böhnhase und Mitglied des Bundesverbandes unabhängiger HandwerkerInnen (BUH). Am 4. April 1861 beschloss der Bremer Rat die Gewerbefreiheit. "Die Abschaffung des Meisterzwangs hat sich bewährt", ergänzt Kuckuk, "die Neustadt ist von ungeprüften Freimeistern erbaut worden". "Etwa eine Million Arbeitsplätze könnten geschaffen werden, wenn das Monopol der Meister fällt", erklärte Alfons Krüger vom BUH-Vorstand. Deren geprüfter Durchblick ginge häufig "nicht über den Durchmesser ihres Flachmanns hinaus". Ein anderer Redner bemerkte scharfsinnig, Deutschland sei eine "Schein-Gesellschaft". Für HandwerkerInnen ohne Schein ist ein Besuch des Ordnungsamtes jedoch selten komisch. Die Ehrengäste Marco und Carsten wurden jüngst zu einem Bußgeld von 100.000 Euro verknackt. Angestellte ihrer Firma hatten ein Haus verputzt - also Schwarzarbeit ohne Meisterbrief. Zahlen wollen die Maurer nicht und ziehen vors Bundesverfassungsgericht. Antonia Götsch
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