BERLIN taz
Seit gestern läuft der 14-tägige weltweite Urwaldgipfel in Den Haag. Sein Motto lautet "Konvention für das Leben auf der Erde". Was etwas großspurig klingt, hat realen Hintergrund: Die Urwälder weltweit verschwinden schneller denn je, beherbergen aber zwei Drittel der Tier- und Pflanzenarten. Laut Greenpeace existieren nur noch 20 Prozent der alten Wälder in großen zusammenhängenden Gebieten. Jahrzehntelange Kampagnen zu ihrem Schutz haben bislang viel zu wenig bewirkt.
Bei der jetzt beginnenden 6. Vertragsstaatenkonferenz über die biologische Vielfalt, COP6 CBD im Konferenzchinesisch, beraten Experten aus 180 Ländern über verbindliche Schritte, um die weitere Abholzung der verbliebenen unersetzlichen Gebiete zu stoppen. Organisationen wie Greenpeace und Nabu schätzen den vorgelegten Entwurf des Arbeitsprogramms zum Schutz der Wälder als gute Verhandlungsgrundlage ein. Notwendig sei vor allem ein Stopp des illegalen Holzeinschlags. Gesetze zum Schutz des Regenwaldes zum Beispiel gebe es durchaus, sie würden vor Ort aber nicht umgesetzt. Greenpeace forderte ein Moratorium für industrielle Aktivitäten in noch intakten Urwäldern. Dieses müsste so lange bestehen, "bis repräsentative Schutzgebiet-Netzwerke" vollständig eingerichtet sind, sowie "Gebiete, in denen eine nachhaltige Waldbewirtschaftung betrieben wird".
Das ist nicht gratis zu haben, aber auch nicht unbezahlbar: 15 Milliarden Euro wären weltweit jährlich zusätzlich nötig, so eine Schätzung von Greenpeace, um in den kommenden acht Jahren einen internationalen Urwaldfonds ins Leben zu rufen. Er soll eine sofortige Umsetzung der Moratorien und Schutzmaßnahmen finanzieren.
Unterdessen hat eine neue Studie zum Ergebnis, dass die als Urwälder eingestuften Gebiete in einem schlechteren Zustand sind als angenommen. Die Organisation Global Forest Watch, eine Schwesterorganisation des World Resources Institute (WRI) in Washington, untersuchte die entsprechenden Gebiete zwei Jahre lang vor Ort und per Satellit. Viele angeblich unberührte Gebiete zum Beispiel in Russland oder Südamerika waren über Straßen erreichbar, wiesen Bergwerke und Kahlschlagflächen auf. Gründe für den Raubbau laut Dirk Bryant, Gründer von Global Forest Watch: "Letztlich wirtschaftliche Probleme, schlechtes Management und Korruption." REINER METZGER
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