Was hätte Ronald Schill kürzlich noch an verbalem Bollwerk aufgefahren: Chaoten, Krawall, Randale - so wäre von ihm im Gefolge der Walpurgisnacht im Schanzenviertel und auf der Reeperbahn getönt worden, wenn die Polizei noch unter der Obhut eines rot-grünen Senats gestanden hätte. Vom Versagen einer hasenfüßigen Ordnungsmacht hätte er wohl gesprochen, die willfährigen Adjutanten aus der Presse an seiner Seite.
Kommentar
von PETER AHRENS
Nun sind die Vorzeichen jedoch mittlerweile andere - und Schill muss als für die Polizei verantwortlicher Senator die Lage so darstellen, wie sie wirklich war: Ein paar Scharmützel, etwas Gerangel, ein bisschen Räuber-und-Gendarm-Spiel - Jongleure und Feuerschlucker auf der Straße inklusive.
Die Zeitungen des Springer-Verlages - der NDR war diesmal auch mit von der Partie - haben in gewohnter Pawlowscher Manier zwar versucht, den Popanz der Mai-Chaoten aufzubauen, doch das verfängt selbst bei einem Schill nicht mehr, der sich in seiner neuen Funktion vor allem genötigt sieht, das eigene Polizeikonzept der Mai-Nacht möglichst lobend herauszustreichen.
So bleibt am Ende nur eine unausgegorene Presseerklärung des Schill-Abgeordneten Frank-Michael Bauer übrig, der das Horrorbild von Hamburg als "touristischem Anziehungspunkt für Linkskriminelle" zeichnet und es damit auch nur noch in die Welt geschafft hat.
So hat zuweilen selbst dieser Regierungswechsel etwas Heilsames.
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