Um den Preis der unbeliebtesten Institution der Stadt streiten sich nicht wenige - die Bankgesellschaft zum Beispiel, die BVG und die Sozialämter. Keine freilich hat es binnen kürzester Zeit zu solcher Abneigung gebracht wie die Berliner Bäder-Betriebe.
Kommentar
von UWE RADA
Wenn es dazu noch eines Beweises bedurft hätte - am Samstag wurde er erbracht. Allen Versuchen von Bäder- und Wachschutzbediensteten (beide sprachen übrigens im gleichen Slang) zum Trotz waren es diesmal nicht die Kreuzberger Chaoten, die dem Rest der Welt das Vergnügen vermiesen.
Im Gegenteil: Sowohl im Prinzenbad selbst als auch draußen fand die Freischwimmaktion samt Sturm über die Kassenhäuschen großen Beifall. Selbst als nach dem Verschwinden der letzten Demonstranten die ersten Schwimmwilligen wieder vor den verschlossenen Kassen standen, bekamen es die Bäderschützer mit der Wut ihrer Kunden zu tun. "Nicht die Chaoten sind schuld, sondern die Eintrittpreise", schallte es ihnen entgegen. Solchen Unmut kennt man sonst nur von wütenden Aktionären auf irgendwelchen Hauptversammlungen.
Doch die Bäder-Betriebe sind keine Aktiengesellschaft, sondern noch immer mehrheitlich im Besitz des Landes. Nur die Badegäste, die können wie die Aktionäre den Daumen senken, wegbleiben, die rote Karte zeigen. Eigentlich müssten bei den Bäder-Betrieben die Alarmglocken läuten.
Aber die Sperrung des Bads noch Stunden nach der Aktion zeigt, dass die hoch dotierten Bäderchefs offenbar gar keine Kunden mehr wollen. Nur der Senat scheint das immer noch nicht gemerkt zu haben.
Blättern Sie in der aktuellen Ausgabe der tageszeitung.
Blättern Sie in den Ausgaben der letzten Monate.
Suchen Sie Artikel auf taz.de (seit Juni 2007).
Suchen Sie Artikel aus der gedruckten tageszeitung. Unser Printarchiv enthält (fast) alle Texte der gedruckten taz seit September 1986 sowie die Artikel der Monde diplomatique seit 1995.
Falls Sie schon registrierte/r Archiv-Nutzer/in sind, loggen Sie sich bitte ein.
oder: Melden Sie sich als ArchivnutzerIn an.
oder: bestellen Sie die neue taz-Archiv-DVD (mit den Texten von Sept. 1986 bis 31.05.2009). Sie erhalten Ihre Zugangsdaten zum Archiv zusammen mit der DVD per Post.
oder: Lassen Sie uns für Sie recherchieren:
Wenden Sie sich an den taz-Recherchedienst, wenn Sie ältere taz-Ausgaben oder Artikel und Themen aus der taz benötigen.
Wollen Sie taz-Texte im Netz veröffentlichen oder nachdrucken, dann wenden Sie sich bitte an unsere Abteilung Syndikation lizenzen@taz.de.