• 10.07.2002

Plötzlich aufgehört zu atmen

31-jähriger Libanese bei Festnahme durch Polizisten ums Leben gekommen. Mordkommission ermittelt, hat aber keine Anhaltspunkte für Misshandlung

Unter noch nicht abschließend geklärten Umständen ist am Montagabend ein 31-jähriger Libanese bei seiner Festnahme durch die Polizei ums Leben gekommen. Der Bruder des Toten geht davon aus, dass Abbas A. aufgrund von Misshandlungen durch Polizisten zu Tode kam. Der Chef der 6. Mordkommission, Konrad Zehnpfenning, der die Ermittlungen leitet, hat dafür jedoch keine Erkenntnisse. Weder die Zeugenaussagen noch der Obduktionsbefund hätten ergeben, dass die Beamten bei der Festnahme "im Übermaß" vorgegangen seien. Die Ermittlungen dauerten aber noch an.

Abbas A. hinterlässt eine Frau und zwei kleine Kinder. Der Libanese, der seit 1989 in Berlin lebte, soll gerade dabei gewesen sein, ein mexikanisches Restaurant zu eröffnen. Der tragische Vorfall hatte sich am Montag gegen 19.45 Uhr in der Sonnenallee ereignet. Laut Polizei soll Abbas A. auf der Straße willkürlich Passanten angegriffen haben. Eine Frau habe er vom Fahrrad geschubst, einer anderen versucht, die Tasche zu entreißen. "Er machte den Eindruck einer psychisch gestörten Person", fasst Kommissar Zehnpfenning die Zeugenaussagen zusammen. Drei aus dem gegenüberliegenden Polizeirevier herbeigerufene Beamte hätten die Verfolgung aufgenommen. Die Beamten hätten den Libanesen schließlich unter einem Auto hervorgezogen und dem bäuchlings auf dem Boden liegenden Mann die Hände auf dem Rücken gefesselt. Plötzlich habe einer der Beamten festgestellt, dass der Festgenommene nicht mehr atme. Ein zufällig unter den Passanten befindlicher Arzt habe auch nichts mehr ausrichten können.

Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Libanese misshandelt worden sei, sagt Zehnpfenning mit Verweis auf die bisher vernommenen Zeugen. Aufgrund des Obduktionsgutachtens sei davon auszugehen, dass "eine gesundheitliche Vorschädigung im Zusammenhang mit Drogenkonsum" zum Tode geführt habe.

Der Bruder des Toten, der den Vorfall nicht selbst gesehen hat, beruft sich auf "mehrere Augenzeugen", die beobachtet hätten, dass Abbas A. von den Beamten zusammengeschlagen worden sei. "Sonst hätte sich auch nicht die Mordkommission eingeschaltet", glaubt der Bruder.

Dass die Mordkommission mit dem Fall betraut worden ist, ist auf eine entsprechende Anordnung von Polizeipräsident Dieter Glietsch zurückzuführen. Damit solle dokumentiert werden, dass die Polizei alles tue, um den Fall aufzuklären, so Zehnpfennnig. Dies aber sei keine Präjudiz für den Ausgang des Verfahrens in eine bestimmte Richtung. PLUTONIA PLARRE

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