• 24.08.2002

Wasser

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Diese Zahl wollen die UN-Staaten bis 2015 halbieren. Ohne wirksame Maßnahmen könnten bis 2035 insgesamt drei Milliarden Menschen ohne ausreichenden Zugang zu Trinkwasser sein. Im Jahr 2050 hat rein statistisch jeder Erdbewohner nur noch ein Viertel des Süßwassers zur Verfügung wie noch 1950.


2,4 Milliarden Menschen fehlt die Möglichkeit, ihre Abwässer klären zu lassen. Schlechte hygienische Verhältnisse sind die Folge. Aber es gibt es auch Erfolge: Nach UN-Angaben stieg in den zehn Jahren seit Rio der Anteil der Weltbevölkerung mit Trink- und Abwasserversorgung von 55 auf 60 Prozent. Jährlich sterben mehr Menschen an unsauberem Wasser als in Kriegen: mehr als zehn Millionen Menschen. Nach Unicef-Schätzungen starben 1993 insgesamt 3,8 Millionen Kinder wegen verseuchtem Wasser. Achtzig Prozent aller Krankheiten lassen sich nach Schätzungen der WHO auf ungesundes Wasser zurückführen. Und von den 37 häufigsten Krankheiten in Entwicklungsländern sind 21 mit dem Mangel an sauberem Trinkwasser verbunden.


Siebzig Prozent des Süßwassers werden nicht getrunken, sondern zur Bewässerung in der Landwirtschaft eingesetzt. Davon wiederum gelangen aber nur dreißig Prozent bis zur Pflanze - der Rest versickert in maroden Leitungssystemen. Billiges oder gar kostenfreies Wasser lädt in vielen Gegenden der Welt Landwirte und Verbraucher zur Verschwendung ein. Werden bewässerte Felder nicht ausreichend entwässert, versalzen die Anbauflächen. Zwanzig Prozent des gesamten Wassers landet in der Industrie, nur zehn Prozent des kostbaren Süßwassers wird von privaten Haushalten verbraucht.


97 Prozent des weltweiten Trinkwassers wird aus Grundwasser gewonnen. Das aber ist durch Chemikalien bedroht. Pestizide, Düngemittel und Abfälle bedrohen an vielen Orten das Lebensmittel Nummer eins, so das Washingtoner Worldwatch Institute. Trinkwasser in den 22 indischen Industriezentren gilt als ungenießbar; die US-Umweltbehörde EPA schätzt, dass hunderttausend unterirdische Tanks voller Benzin und Chemikalien undicht sind.


Der Streit um das "blaue Gold" nimmt an Schärfe zu: Die USA streiten mit Mexiko darüber, wie viel Wasser sie aus dem Colorado River abpumpen dürfen, ehe dieser ins Nachbarland fließt. In Westjordanien vergeuden israelische Siedler jenes Wasser, das auf den Feldern der Palästinenser fehlt.


In über hundert Metropolen der Dritten Welt haben inzwischen internationale Konzerne die Wasserversorgung übernommen. Die Kommunen können die Investitionen zum Aufbau oder zur Sanierung der Leitungssysteme oft nicht aufbringen, die Unternehmen sichern sich lukrative Märkte.


Nach einer Studie der Entwicklungsorganisation Weed führt das zu einer besseren Versorgung der Mittelschicht. Ländliche und arme Regionen würden dagegen nicht bedient. BERNHARD PÖTTER

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