Politiker setzen gern ihre Ehefrauen im Wahlkampf ein. Dabei hätten auch die Exfrauen ihren Reiz. Für die Konkurrenz. Man stelle sich vor: Ein Wahlplakat mit Hiltrud Schröder, sie lässig am Pool, zwei junghübsche Männer um sie herum. Der Slogan: "Trennen Sie sich von Gerhard Schröder! Ich habe das auch geschafft". Dazu das CDU-Logo. Vielleicht könnte Stoiber noch als Kellner im Hintergrund agieren. Das Plakat wäre ein Renner.
Doch wenn es um Frauen geht, riskieren Politiker nichts. Außer eigenen Peinlichkeiten. Auf dem SPD-Plakat zum Thema Frauen ist der Kanzler nebst aktueller Gattin Doris Schröder-Köpf zu sehen. Er lächelt in irgendwelche Papiere, sie steht mit interessiertem Gesichtsausdruck daneben. Darüber der Satz: "Wie wichtig es ist, dass Frauen Kinder und Karriere vereinbaren können, höre ich jeden Tag. Zuhause". Die Botschaft ist klar: Schröder lässt sich von seiner Frau die Leviten lesen, sie sagt ihm, dass er sich mal ein bisschen mehr um Frauen-Kinder-Karriere-Politik kümmern soll, harharhar. Doch die Botschaft geht weiter: Der Kanzler und seine Frau stehen nämlich in Büroräumen, wohl im Kanzleramt, sie trägt Business-Dress mit Halstüchlein. Sie ist nicht das Hausmütterchen, sondern gibt die Chefassistentin, die zu Kanzlers Politik kluge Anmerkungen macht, auf die er selbst gar nicht gekommen wäre.
Für wie doof muss der Kanzler eigentlich die Frauen halten, um mit einem solchen Plakat für sich zu werben? Leider reicht es nicht, sich nur darüber lustig zu machen. Denn es gibt ein paar Subbotschaften, die ärgerlich sind.
Erstens: Wenn es um das Frauen-Beruf-Kinder-Problem geht, wendet sich der Kanzler lieber an die Ehefrau als an seine professionellen Berater. Offenbar nimmt er das Thema nicht richtig ernst. Zweitens: Als Kanzler-Ehefrau macht man Karriere, und zwar als Hilfskraft des Mannes. Ein nicht mehr ganz frisches Aufstiegsmodell für Frauen. Drittens: Männer haben offenbar keine Probleme damit, ihre Karriere mit Kindern zu vereinbaren. Sieht man am Kanzler. Auweia. Dann schon lieber Hillu am Pool. BARBARA DRIBBUSCH
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