Schon 1937 in Paris erschienen, ist Mary Lows und Juan Breás Rotes Notizbuch eine der ersten literarischen Arbeiten über den spanischen Bürgerkrieg. Neben bekannteren Zeitzeugnissen wie George Orwells Mein Katalonien diente es dem britischen Regisseur Ken Loach als Vorlage für seinen Film Land and Freedom. Zumindest einige Filmszenen sind durch die präzisen und detailreichen Beschreibungen des revolutionären Alltags im Notizbuch inspiriert.
Die Britin Mary Low war gerade mal 24 Jahre alt, als sie mit ihrem kubanischen Freund und Geliebten Juan Breá im August 1936 nach Barcelona aufbrach, um im spanischen Bürgerkrieg die Revolution zu verteidigen. Wie viele andere Internationalisten waren die beiden von der Aufbruchsstimmung begeistert und stürzten sich in ihre Aufgaben: Low vornehmlich als Journalistin und Ansprechpartnerin für die englische Presse, Breá zwischenzeitlich auch als Frontkämpfer. In den fünf Monaten ihres Aufenthalts mussten sie erleben, wie ihr politischer Bezugspunkt, die trotzkistische POUM, immer mehr ins Abseits gedrängt wurde, wie die Grabenkämpfe zwischen den antifaschistischen Bündnispartnern immer widerlichere Formen annahmen und wie eine sich verfestigende Bürokratie die revolutionären Errungenschaften verwässerte oder gar zunichte machte. So endet das Buch auch mit einer harschen Kritik an der Sowjetunion, die nach Meinung der AutorInnen damals schon längst auf dem Weg zu einem kapitalistischen Staat war.
Revolutionäre nehmen aber auch mal ein erfrischendes Bad im Meer, wenn sie in Barcelona angekommen sind. Sie haben Lieblingscafés, in denen sie nach einem anstrengenden Tag die politischen Geschehnisse diskutieren, und üben beißende Kritik an eitlen Genossen. Besonders die Passagen, die von Mary Low geschrieben sind, bestechen durch poetische Sprache und einen scharfen Blick. Der Nautilus Verlag bringt nun erstmals eine deutsche Ausgabe heraus. Wie stark der Einfluss von Rotes Notizbuch auf Land and Freedom war, lässt sich heute feststellen, wenn Ken Loachs Film nach der Buchpräsentation durch Verlegerin Hanna Mittelstädt gezeigt wird. Ariane Dandorfer
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