Spätestens seit er in "Casino" noch einmal unter der Regie von Martin Scorsese seinem Gangster-Ich eine andere Facette, die Sehnsucht nach Liebe und Bürgerlichkeit, hinzugefügt hat, verwaltet Robert De Niro lieblos, aber geschäftig sein eigenes Erbe.
Wie von einem miesen Agenten getrieben (wir könnten uns Joe Pesci in dieser Rolle denken), steckt er sein Gesicht durch so ziemlich jede Tür, die ihm hingehalten wird, und grimassiert brav ins entzückte Publikum hinein. Einfach unnachahmlich, dieser De Niro! Er ordnet sich selbst erzkonservativer Langeweile wie "15 Minutes" und "Makellos" unter; seine eigene (Toten-)Maske bedroht schon lange nichts mehr, sondern funktioniert ganz so "wie sie ist" in jedem Rahmen.
Billy Christal hat das verstanden. Einmal schnappt er sich De Niros lebloses Gesicht, wühlt ordentlich in den Furchen und Magenfalten herum und lässt die elastische Mienenmasse dann wieder in ihren entseelten Istzustand zurückwabbeln. Das ist lustig, wahr und traurig zugleich und gehört zu dem Teil von "Reine Nervensache 2", der das komödiantische Potenzial ausschöpft, das in dieser Fortsetzung angelegt ist. De Niros Charakter, der cholerisch-schwermütige Gangsterboss Vitti, simuliert gallopierenden Wahnsinn, um so aus dem Knast in die Obhut seines nichtsahnenden Psychiaters Ben Sobel (Christal) entlassen zu werden. Bühne frei fürs Resozialisationsprogramm im Seelenklempnerhaushalt.
Grob überschlagen dauert der Spaß gut 20 Minuten, in denen De Niro mit geöffnetem Bademantel die Hausordnung der Sobels bricht und glamourös als Kellner und Autoverkäufer ("Und dieser Kofferraum, da passen leicht drei Leichen rein!") scheitert. Der Wandel kommt in jeder Beziehung, als Vitti tatsächlich seinen Job findet und als Berater einer Mafia-Fernsehserie auftrumpft. Anders gesagt: Von dem Augenblick an, als die verspielte Nummernrevue zwischen De Niro, Christal und Lisa Kudrow in eine sinnvolle und ziemlich aufdringlich selbstreferentielle Film-im-Film-Geschichte überführt wird, ist leider Schluss mit lustig.
Die Gags formieren sich zum konzertierten Augenzwinkern und deuten in ihrer verdoppelten Selbstbezogenheit nur umso stärker auf die Entwicklung Robert De Niros, der in der Fortsetzung seiner Selbstpersiflage nun auch noch die Parodie parodieren muss. Weil er auch das kann und Billy Christal zur Seite hat, gerät selbst dieser Abschied von alten Meriten und Identitäten nicht wirklich peinlich. Die Trauer setzt, wie immer bei Beerdigungsfeierlichkeiten, erst kurz nach dem Trubel ein.
JAN DISTELMEYER
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