Mit voreiligen Schlussfolgerungen sollte mensch immer vorsichtig sein. Für Schuldzuweisungen gilt dies genauso wie für vorsorgliche Freisprüche. Vieles aber legt zumindest den begründeten Verdacht nahe, dass Polizei und Staatsanwaltschaft dieser Stadt kein gesteigertes Interesse haben, den Tod des Julio V. zu erhellen. Und der Innensenator erst recht nicht.
Kommentar
von SVEN-MICHAEL VEIT
Schill versicherte bereits, der Beamte habe in Notwehr gehandelt, kaum dass dessen Schuss verklungen war. Der Schütze wurde bis heute nicht vernommen. Die Polizei hat noch immer keinen offiziellen Ermittlungsbericht vorgelegt, obwohl die Ergebnisse der Spurensicherung seit drei Wochen auf dem Tisch liegen. Die Staatsanwaltschaft mutmaßte ohne nähere Untersuchungen, es handle sich um einen Unfall: Unbedingter Drang zur rückhaltlosen Aufklärung sieht gemeinhin anders aus.
Vertrauen in die Genannten vermag das alles nicht zu wecken. Aus dem Polizeiskandal der 90er Jahre ist die Mauer des Schweigens noch in schlechter Erinnerung, mit der Justiz und Polizei die Angehörigen ihrer Corps schützten. Eingerissen scheint dieser Wall noch immer nicht zu sein.
Wundern muss das nicht bei diesem Senat der harten Hand, bei diesem Innensenator, der den Polizeiskandal als erfunden bezeichnet, der das Beschwerdegremium Polizeikommission als Misstrauensorgan schmähte und abschaffte.
Die Wahrheit über den Tod des Julio V. muss ermittelt werden. Fraglich ist allerdings, wer in dieser Stadt das tun sollte.
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