PARIS taz
Es wird eine Jubelveranstaltung mit vielen Absichtserklärungen: Mit einem Grundsatzpapier zur "gemeinsamen Verantwortung für Europa" wollen Bundeskanzler Schröder und Staatspräsident Chirac heute Vormittag im Élysée-Palast die zweitägigen Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der deutsch-französischen Beziehung eröffnen.
Unter anderem ist die Einrichtung neuer Posten zur Abstimmung der künftigen Regierungsarbeit und eine engere internationale Zusammenarbeit in Europa und der Welt geplant. Daneben wird eine Doppelstaatsangehörigkeit für im Nachbarland lebende Deutsche und Franzosen sowie die Schaffung eines "Eurodistrikts" zwischen Straßburg und Kehl anvisiert. Die beiden Männer, die beide nicht die Sprache des Nachbarlandes gelernt haben, wollen außerdem die Mehrsprachigkeit fördern. SchülerInnen in Deutschland und Frankeich sollen künftig zwei Fremdsprachen lernen.
Heute Nachmittag werden die VolksvertreterInnen aus Deutschland und Frankeich zu einem gemeinsamen parlamentarischen Festakt auf den mit rotem Plüsch gepolsterten Bänken im Kongress von Versailles erwartet. Im Stil einer staatlich organisierten Freundschaft soll der 22. Januar künftig in den Schulen beider Länder als deutsch-französischer Tag gewürdigt werden.
Die elfseitige Grundsatzerklärung von Schröder und Chirac soll den bilateralen Beziehungen, die 1963 von Präsident de Gaulle und Kanzler Adenauer mit dem Élysée-Vertrag begründet wurden und die seit der deutschen Vereinigung ins Stocken gekommen sind, Aufschwung geben. Nachdem Schröder und Chirac bereits in der vergangenen Woche einen gemeinsamen Vorschlag für eine künftige europäische Doppelkopfpräsidenz vorgelegt haben, wollen sie sich heute auf das Deutsch-Französische - in Frankreich "franco-allemand" genannt - konzentrieren. Unter anderem soll in beiden Ländern jeweils ein Generalsekretariat eingerichtet werden. Sie sind für die stärkere Abstimmung der Zusammenarbeit auf Regierungsebene zuständig.
Den heutigen Veranstaltungen auf der Spitzenebene in Paris und Versailles soll morgen in Berlin ein Treffen zwischen dem "europäischen Jugendparlament" und Chirac und Schröder folgen. Damit wollen die beiden Politiker ihre Bereitschaft signalisieren, die "Zivilgesellschaft" wieder stärker in die Beziehungen einzubeziehen. In den vergangenen Jahren ist die Zusammenarbeit vor allem im Kulturbereich und beim Spracherwerb radikal zurückgegangen. Auch die Finanzen sind knapper geworden. Statt der euphorischen Begegnungen der ersten Jahrzehnte hat sich das "Deutsch-Französische" damit zunehmend zu einer Zusammenarbeit zwischen Eliten beider Länder entwickelt. DOROTHEA HAHN
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