BERLIN taz
Die neueste Ausgabe der Pisa-Studie erregt schon vor ihrer Veröffentlichung Aufsehen. Bei dem Vergleich der Bundesländer, den die Kultusminister morgen Abend vorstellen wollen, wird diesmal mit dem Vorurteil aufgeräumt, die Normalfamilie sei der ideale Bildungshintergrund für Kinder. Alleinerziehende oder Quasifamilien erzielten gute Erfolge bei der Förderung ihrer Kinder, heißt es in dem Papier, das der taz vorliegt.
Die Pisa-Forscher haben zudem herausgefunden, dass die Kinder berufstätiger Mütter den gleichen oder mehr Erfolg in der Schule haben als die von Hausfrauen. Vor allem im Osten, wo 54 bis 61 Prozent der Frauen Vollzeit berufstätig sind, erwächst ihren Kindern ein Vorteil daraus. In Mecklenburg-Vorpommern etwa ist die Chance, als Kind einer Berufstätigen ein Gymnasium zu besuchen, 3,7-mal höher als für Kinder von Hausfrauen. Im Interview mit der taz hat der Deutschland-Chef der Unternehmensberatung McKinsey, Jürgen Kluge, einen nationalen Kraftakt als Antwort auf Pisa verlangt. "Wir stehen vor einem Herkulesprojekt - und die Politik streitet sich um Zuständigkeiten", kritisierte Kluge die Bildungsminister.
Der promovierte Physiker Kluge sagte, nach Pisa müsse es eine viel bessere frühkindliche Förderung in Kindergärten geben. Zudem seien hohe Qualitätsstandards nötig, die bundesweit und unabhängig von der Schulform gelten müssten. Werde eine Schule solchen Standards nicht gerecht, müsse man sie notfalls schließen. Am Freitag will Bundesbildungsministerin Bulmahn (SPD) mit ihren Länderkollegen über ihre 4 Milliarden Euro für Ganztagsschulen verhandeln. Saarlands Kultusminister Schreier (CDU) sagte der taz dazu: "Wir lassen uns keine Vorschriften machen." CIF
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